Jetzt sind die Stipendiaten in Arbon: Wegen Corona startet Ostschweizer Textil-Stipendium fünf Monate später

Das Ostschweizer Stipendiatenprogramm Textile and Design Alliance lässt internationale Kunstschaffende und Ostschweizer Textilfirmen zusammenarbeiten und Ideen entwickeln. Im April hätten die sieben ausgewählten Stipendiaten anreisen sollen, doch dann kam Corona. Jetzt sind fünf Stipendiaten in Arbon angekommen.

Julia Nehmiz
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Die Stipendiaten Selina Reiterer und Oliver Maklott spannen mit ihrem Interesse für Handwerk, Form und Technologie zusammen. Ihre jeweilige künstlerische Praxis fliesst in Kompositionen aus verschiedenen Medien zusammen, insbesondere zu solchen mit haptischer Oberfläche und mit Ton.

Die Stipendiaten Selina Reiterer und Oliver Maklott spannen mit ihrem Interesse für Handwerk, Form und Technologie zusammen. Ihre jeweilige künstlerische Praxis fliesst in Kompositionen aus verschiedenen Medien zusammen, insbesondere zu solchen mit haptischer Oberfläche und mit Ton.

Bild: instagram.com/tadaresidency

Die erste Durchführung des neuen Ostschweizer Stipendiatenprogramms startete mit Hindernissen. Die Textile and Design Alliance, kurz TaDa, bringt internationale Kunstschaffende mit hiesigen Textilfirmen und Institutionen zusammen. Während drei Monaten können die Stipendiatinnen und Stipendiaten mit den Ostschweizer Partnerfirmen Ideen entwickeln und Projekte erarbeiten. Diese einzigartige Zusammenarbeit hätte im April starten sollen, die drei Kantone Thurgau, St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden haben das Projekt ins Leben gerufen. Doch dann kam Corona, und das Programm stand auf der Kippe.

Programmleiterin Marianne Burki.

Programmleiterin Marianne Burki.

Bild: Orion Hasanaj

Umso mehr freut sich Programmleiterin Marianne Burki, dass die ersten fünf Residenten jetzt anreisen konnten. Am 7. September starteten Stéphanie Baechler, Alexandra Hopf, Quang Vinh Nguyen, Selina Reiterer und Oliver Maklott mit ihrer Arbeit in Arbon. Zwei Stipendiaten mussten absagen: Die chinesische Multimediakünstlerin Chun Shao konnte wegen der aktuellen Covid19-Bestimmungen nicht anreisen, zu unsicher wäre die Situation für sie gewesen.

Und auch die in Berlin lebende Schweizerin Andrea Winkler, die mit textiler Materialisierung experimentiert, musste ihre Teilnahme absagen. Sie hatte zu viele Projekte verschieben müssen, die sie jetzt alle abarbeiten muss. Programmleiterin Marianne Burki sagt, man versuche beiden zu ermöglichen, den Aufenthalt im kommenden Jahr in der Ostschweiz nachzuholen.

Schon erste Ideen entwickelt

Stipendiat Quang Vinh Nguyen.

Stipendiat Quang Vinh Nguyen.

Bild: instagram.com/tadaresidency

Die fünf Kunstschaffenden, die jetzt in Arbon ihr Stipendium starteten, kommen aus Bregenz, Lausanne, Berlin, Wien und Amsterdam. Bevor sie nach Arbon reisten, fragte Marianne Burki bei den Beteiligten sowie allen zwölf Partnerfirmen nach, ob eine Zusammenarbeit trotz Corona möglich wäre.

«Seit letztem Dienstag sind wir unterwegs und besuchen die Partnerfirmen», sagt Marianne Burki. Die Begegnungen der Residenten mit den hiesigen Textilunternehmen seien intensiv, von beiden Seiten würden interessierte, neugierige Fragen gestellt und schon erste Ideen entwickelt. Das soll in der nächsten Zeit vertieft werden.

Die Partnerunternehmen sind:
– Brubo GmbH, Speicher
– Empa, St.Gallen
– Filtex AG, St.Gallen
– Lobra AG, Thal
– Rigotex AG, Bütschwil
– Saurer AG, Arbon
– Schoeller Textil AG, Sevelen
– Sitterwerk, St.Gallen
– Textilcolor AG, Sevelen
– Textildruckerei GmbH, Arbon
– Textilmuseum, St.Gallen
– Tisca Tischhauser AG, Bühler

Buchvernissage und Talk-Formate

Stipendiatin Stéphanie Baechler.

Stipendiatin Stéphanie Baechler.

Bild: Instagram.com/tadaresidency

Wenn die Stipendiatinnen und Stipendiaten alle zwölf Firmen und Institutionen kennengelernt haben, werde es zur individuellen Zusammenarbeit kommen, erläutert Burki das Ziel des Programms. Diese Zusammenarbeit habe zum Teil schon begonnen. Die Kunstschaffenden entwickeln Projekte und Ideen gemeinsam mit ihrem «Wunschunternehmen» weiter.

Die ersten Kontakte seien spannend verlaufen. Mit welchen reflektierenden Materialien funktioniert eine bestimmte Art der Lasertechnik, wie können Textilien mit Keramik auf eine andere Weise genutzt werden? Es habe sich gezeigt, dass der Austausch beide Seiten befruchte, sagt Burki.

Die Residenten wohnen und arbeiten im ZIK-Areal in Arbon, dort sind die fünf in einer Wohnung untergebracht, und auch ein Arbeitsraum steht ihnen zur Verfügung. Am 24.September treffen sich alle Beteiligten des Programms zu einer nicht-öffentlichen Auftaktveranstaltung.

Doch es seien auch öffentliche Anlässe geplant, sagt Marianne Burki. So steht am 26.9. eine Buchvernissage im St.Galler Vexer Verlag an, Stipendiatin Alexandra Hopf präsentiert dort ihr Buch «Becoming Siren». Zudem seien Gesprächs-Formate und Präsentationen geplant – je nachdem wie die Covid-Situation es zulasse. Am 3. und 4.Dezember werden die Residenten ihre Projekte im Rahmen der ersten «TaDa-Spinnerei» öffentlich vorstellen und in die Diskussion mit Expertinnen und Experten zum Thema Nachhaltigkeit einbringen.

Informationen über das Residenzprogramm «Textile and Design Alliance»: tada-residency.ch

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