Interview
«Wir proben acht bis zehn Stunden am Tag»: Sänger Matthias Arn tritt mit seiner A-cappella-Band Bliss zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren wieder auf

Nach eineinhalb Jahren ist die A-cappella-Band Bliss zurück auf der Bühne. Am 23. August zeigen die Musiker ihr Programm «Volljährig» in Heerbrugg. Sänger und Arrangeur Matthias Arn erzählt von Stimmmarathons, grandioser Probenstimmung und von Coronafrust.

Kathrin Signer
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A cappella, Comedy und Choreografie: das ist die Band Bliss. Seit eineinhalb Jahren standen die fünf Sänger pandemiebedingt nicht mehr auf der Bühne. Das Comeback findet am 23. August mit der Show «Volljährig» in Heerbrugg im Kinotheater Madlen statt – ein Heimspiel für die gebürtigen Rheintaler Matthias Arn und Claudio Tolfo. Das nostalgische Bühnenprogramm «Volljährig» blickt zurück auf die Helden ihrer Jugend, auf den Familienurlaub in San Benedetto, und auf die Zeit, als die Musik noch ab Kassette kam. Ein Gespräch mit dem musikalischen Leiter Matthias Arn.

Tom Baumann, Claudio Tolfo, Matthias Arn, Viktor Szlovak und Lukas Hobi (von links nach rechts).

Tom Baumann, Claudio Tolfo, Matthias Arn, Viktor Szlovak und Lukas Hobi (von links nach rechts).

Bild: Christian Knecht

Im April hat Bliss in einem A-cappella-Cover auf Mundart gesungen: «Mir hend so lang planget uf de Moment; nöd uf Publikum, nöd uf Applaus und üsi Shows – endli dörf mer wieder ine Gartebeiz!» Ein bisschen haben Sie aber auch auf Live-Momente «geplangt» oder?

Klar – fast so sehr wie auf die Gartenbeiz. Spass beiseite: Bliss ist eine zweite Familie für uns und wegen der Pandemie konnten wir uns nicht mehr treffen. So haben wir die Songs einzeln daheim eingesungen, das war schon speziell. Jetzt wieder zusammen auf der Bühne zu stehen, ist Heaven! Die Stimmung bei den Proben ist grandios. Wir haben es saulustig.

Welche Herausforderungen stellen sich Ihnen nach dieser langen Singpause?

Die Stimmbänder sind Muskeln, die man nach über einem Jahr Pause wieder trainieren muss. Es ist, als ob man ein Instrument neu erlernt. Nächste Woche haben wir vier Konzerte in Serie gefolgt von einer Gala. Das wird heftig für die Stimme.

Trailer zur Bühnenshow «Volljährig».

Video: Youtube

Wie hat die Band die Zwangspause überbrückt?

Sehr unterschiedlich. Ein paar nutzten die freie Zeit, um ihre Hobbys zu pflegen, andere genossen mehr Familienzeit und wieder andere jobbten da und dort. Ich hab mich daheim in meinem Homestudio eingerichtet und viel Musik produziert.

War der Lockdown eine ermüdende Zeit oder konnten Sie das Time-out auch ein bisschen geniessen?

Irgendwann reichte es dann mal mit dem Geniessen. Teils war es frustrierend, dieses Gefühl von Bodenlosigkeit. Richtig schwierig wurde es im Dezember, als wir mit Kurzarbeit ein fixfertiges Programm in der Pipeline hatten. Wegen dem erneuten Lockdown konnte es dann doch nie aufgeführt werden.

Singen ist aerosoltechnisch besonders heikel. Wie haben Sie geprobt?

Jeder musste für sich alleine üben. Seit Mai treffen wir uns wieder regelmässig – fast wie früher. Erst letzte Woche haben wir begonnen, intensiv für «Volljährig» zu proben. Wir sind eine speditive Truppe, trotzdem üben wir bisweilen schon acht bis zehn Stunden am Tag. Parallel zu der Tour schreiben wir ab nächster Woche an der Weihnachtsshow «Merry Blissmas».

Wie kommt so eine Bühnenshow wie «Volljährig» zustande?

Matthias Arn ist in der neuen Show noch nicht ganz «volljährig».

Matthias Arn ist in der neuen Show noch nicht ganz «volljährig».

Bild: PD

2019 feierten wir unser 20-jähriges Bühnenjubiläum. Also sassen wir zusammen und haben uns gefragt: Wie war die Welt eigentlich, als wir mit der Band angefangen haben? Was hat uns umgetrieben und bewegt? All diese Themen sind in den Schreibprozess eingeflossen. Bevor es auf die Bühne geht, machen wir jeweils noch 15 Testshows mit Publikum. Dann merkt man manchmal bei einer Stelle: Oh, die finden das ja lustig. Und bei einem Gag, den man selbst super fand, lacht keiner.

Bei Bliss gab es auch schon Wechsel in der Besetzung. Wie halten Sie den guten Teamgeist?

Bliss ist seit zehn Jahren in der gleichen Formation unterwegs, das ist absolut essenziell. Wir kennen uns in- und auswendig. Sollte je ein neues Mitglied dazukommen, schauen wir einfach, ob das ein glatter Siech ist. Wenn wir Glück haben, kann er dann auch noch singen.

23.–26. Heerbrugg (Kino Madlen), 15.9 in Jona (Kreuz), 16.9 in Frauenfeld (Casino), am 17.9 in Herisau (Casino).

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