Interview
Salsa con Aerosol: Der Thurgauer Musiker Jan Geiger heizt mit südamerikanischen Coronaliedern ein

Seine Lieder heissen «Salsa con Aerosol» oder «Latino Quarantino» und sie sind gespickt mit Ausrufen wie «Ay, Corona!». Der in Steinebrunn lebende Jazzmusiker Jan Geiger komponiert, textet, spielt und singt Songs, die der Pandemie mit Humor begegnen.

Roger Berhalter
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«Die Idee kam mir beim Kochen»: Jan Geiger als trommelnder Saucenkoch in seinem Proberaum.

«Die Idee kam mir beim Kochen»: Jan Geiger als trommelnder Saucenkoch in seinem Proberaum.

Bild: PD

Ihre Lieder tragen Namen wie «Latino Quarantino» oder «Salsa con Aerosol». Finden Sie die Coronazeit derart lustig?

Nein, natürlich nicht. Aber die Krise ist durchaus auch eine Inspirationsquelle. Ich begegne plötzlich Wörtern, die ich vorher nicht kannte: Inkubationszeit, Aerosol, R-Wert. Wenn ich so etwas höre, kommen mir sofort Wortspiele in den Sinn. Meine Lieder sind mein Ventil, um diese Ideen zu verarbeiten.

Als Musiker können Sie derzeit nicht auftreten. Finden Sie deshalb die Zeit, um solche Songs aufzunehmen?

Nein. Ich habe nicht unbedingt mehr Freiräume, vor allem der erste Lockdown im Frühling war mit Homeschooling und musikalischem Fernunterricht sehr stressig. Auch die Proben mit meinen Bands laufen weiter. Nein, die Lieder entstanden in vielen Nachtschichten.

Sie haben nicht nur komponiert und getextet, sondern auch alle Instrumente eingespielt und gesungen und die Videoclips produziert.

Ja, alles ist von mir. Mittlerweile habe ich aber einen schnellen Workflow. Die Songs und Videos entstehen nicht am Stück, sondern ich arbeite immer wieder nebenbei daran. Notiere hier eine Idee, mache da ein Foto: So stückelt sich das Ganze dann zusammen. Die Idee zu «Salsa con Aerosol» kam mir zum Beispiel beim Kochen.

Zur Person

Jan Geiger ist vor allem als Jazzschlagzeuger bekannt. Seit über 20 Jahren bildet er zusammen mit Josquin Rosset und Gabriel Meyer das international bekannte Jazztrio Rosset-Meyer-Geiger. Der 39-Jährige trommelt auch in der Band des Rheintaler Jazzsaxofonisten Peter Lenzin. Geiger wohnt mit seiner Familie in Steinebrunn und unterrichtet Schlagzeug an der Musikschule Toggenburg und an der Kanti in Wattwil. Unter dem Soloprojekt-Namen Klebeband veröffentlicht er seit 2010 eigene Lieder mit Augenzwinkern.

Warum eigentlich Salsa? Sie sind vor allem als Jazzmusiker bekannt.

Ich liebe alle Stilrichtungen!

Deshalb machen Sie manchmal auch Reggae oder posieren im Song «Rocklette» als käse-essender Heavy-Metal-Musiker?

Ja. Ich habe aber schon den Anspruch, dass es möglichst authentisch tönen soll, egal in welcher Stilrichtung. Bei «Salsa con Aerosol» kamen mir sofort Blasinstrumente in den Sinn. Das sind ja, unter anderem, wahre Aerosol-Bomben! So kam es zum Salsamotiv. Salsa ist Lebensfreude pur und voller positiver Energie.

Das kann in diesen Zeiten sicher nicht schaden. Aber darf man sich über eine Pandemie lustig machen?

Ich möchte nicht lustig sein wie ein Clown oder ein Comedian. Ich kann übrigens auch sehr ernst sein! Aber Musik braucht immer eine Portion Humor und Ironie, um die Leute zu erreichen. Klar gibt es auch Hörer, die in der Musik vor allem das Ernste oder Melancholische suchen und mögen. Ich ja manchmal auch, doch habe ich gemerkt, dass mir das auf Dauer emotional nicht gut tut.