Interview
«Ich möchte den Vibe der 1980er-Jahre vermitteln»: Der Kreuzlinger Musiker Alex Nauva verbindet im neuen Clip Herzschmerz mit dem Telefon

In der Band OGMH singt er und spielt Gitarre. Aber auch solo ist der Kreuzlinger Musiker Alex Nauva aktiv. Im Interview zu seinem neuen Song «Ring Ring» erzählt er von alten Telefonen und schwärmt vom unberechenbaren Klang von Synthesizern.

Roger Berhalter
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Telefon-Herzschmerz in Violett: Alex Nauva bekennt sich seinem neuen Musikvideo «Ring Ring» zu leichtem Kitsch und zu Farbtönen der 1980er-Jahre.

Telefon-Herzschmerz in Violett: Alex Nauva bekennt sich seinem neuen Musikvideo «Ring Ring» zu leichtem Kitsch und zu Farbtönen der 1980er-Jahre.

Bild: PD/Jessica Fuchs

Alex Nauva meldet sich per Videocall aus Mannheim. Er sieht aus, als hätte er sich aus den 1980er-Jahren ins Jetzt gebeamt. Der 28-Jährige trägt Schnauz und jenes bunte Hemd, mit dem er auch auf einigen Pressebildern posiert.

Seine Stelle als Musiklehrer in Tägerwilen hat er im vergangenen Jahr aufgegeben. Jetzt studiert er an der Pop-Akademie in Mannheim und vertieft dort sein Wissen über die Musikindustrie. Als Sänger der Thurgauer Band OGMH sowie als Solokünstler Alex Nauva ist er weiterhin aktiv. Soeben hat er seine Single «Ring Ring» veröffentlicht; weitere sollen folgen.

In Ihrem neuen Song singen Sie von einer Geliebten, die nie zurückruft. Ist das eine wahre Geschichte?

Alex Nauva: Nein, das ist nicht eins zu eins so passiert. Ich habe eher versucht, ein Gefühl zu beschreiben: Wie geht es in dieser Zeit Liebespaaren, die sich nicht persönlich sehen können?

Ein sehr aktuelles Gefühl in der Pandemie.

Ja. Vielleicht war bei manchen die Beziehung gerade am Kriseln, und jetzt können sie ihre Probleme nur am Telefon lösen, statt Face to Face zu handeln. Vielleicht kann «Ring Ring» einigen das Gefühl geben: Ihr seid nicht allein.

Im Videoclip hantieren Sie mit alten Telefonen. Nutzen Sie solche Geräte noch?

Eins davon habe ich tatsächlich schon selber benutzt. Und alle Telefone, die im Videoclip zu sehen sind, funktionieren noch. Ich habe sie selber gesammelt und aus verstaubten Kellern geholt. Die Telefone passen zum Song: Ich möchte den Vibe der 1980er-Jahre vermitteln.

Warum?

Ich habe die 1980er-Jahre nicht selber miterlebt, spiele aber als Künstler gerne mit den Elementen jener Zeit. Der Clip zu «Ring Ring» ist zum Beispiel in Blau und Violett gehalten, weil diese Farbtöne damals beliebt waren. Und natürlich die Synthesizer. Mich faszinieren diese nostalgischen Klänge. Mit ihnen zu spielen, das hat mich gepackt.

Sie sind auch als Sänger und Gitarrist der Band OGMH bekannt. Haben Sie die Gitarre wegen der Synthesizer zur Seite gelegt?

Nein, ich spiele nach wie vor sehr gerne Gitarre! Um es hart abzugrenzen: Die Band ist eher für Gitarrenmusik da, als Solokünstler verwende ich vor allem Synthiesounds. Aber es vermischt sich. Ich bringe die Synthesizerklänge vermehrt auch in die Band ein, das macht den Sound spannender.

Gitarre statt Synthesizer: In der Band OGMH singt Alex Nauva und zupft die Saiten.

Was gefällt Ihnen so an Synthesizern?

Im Vergleich zu Gitarren ist vieles dem Zufall überlassen. Man weiss nicht immer genau, was passiert, wenn man einen bestimmten Knopf drückt. Spätestens, wenn man mehrere Geräte miteinander verbindet, wird es ein Stückweit unberechenbar. Es ist faszinierend, in diese Welt einzutauchen. Da erwartet einen Unbekanntes, ein Mysterium.

Arbeiten Sie mit Originalgeräten aus den 1980er-Jahren?

Nein, aber das hat vor allem finanzielle Gründe. Diese Geräte sind sehr teuer. Mein ältester Synthesizer ist von 2002. Ich arbeite mit simpler Hardware, um meine Klänge zusammenzustellen. Ich mag diesen Do-it-yourself-Ansatz in der Musik.

Haben Sie auch den Videoclip zu «Ring Ring» selber gedreht?

Nein, das hat eine Freundin gemacht. Es wäre sehr cool, einmal einen Clip mit einer analogen 8-mm-Kamera zu Filmen. Noch sind meine Musikvideos digital.