Im neuen Krimi der St.Gallerin Isabel Rohner kommt ein Toter selten allein

Nach ihrem Erstling «Schöner morden», der 2019 erschienen ist, legt die Wahlberlinerin Isabel Rohner ihren zweiten Krimi «Taugenixen» vor, in welchem wiederum Frauen die tragenden Rollen spielen. Der Autorin ist ihr ein lustvoll-unterhaltsames Buch gelungen, dessen Reiz in seinen Überraschungen und einem locker-ironischen Ton liegt.

Rolf App
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Isabel Rohner ist in St.Gallen aufgewachsen und lebt heute in Berlin.

Isabel Rohner ist in St.Gallen aufgewachsen und lebt heute in Berlin.

PD

Am Ende ist alles wieder anders, doch das Ende verraten wir hier nicht. Auch nicht die Spitzkehren auf dem Weg dorthin. Dann nämlich würde «Taugenixen», der zweite Kriminalroman der in Berlin lebenden St.Gallerin Isabel Rohner, doch einen Teil seines Reizes einbüssen, der in den Überraschungen liegt – und in einem locker-ironischen Ton.

Dass die studierte Germanistin sich viel vorgenommen hat, das zeigen schon die ersten Seiten mit ihrer opulenten Liste an Protagonisten – und Protagonistinnen, denn wie schon bei «Schöner morden», dem kriminalistischen Erstling, spielen Frauen die tragenden Rollen. Vor allem zwei: die Kriminalschriftstellerin Linn Kegel und ihre Freundin Bettina Heidenreich, Geschäftsführerin einer Künstleragentur.

Sie wollen Ferien machen in einem schnuckeligen kleinen Hotel an der spanischen Küste, und landen prompt in einem Kriminalfall, bei dem Edgar Wallace und Agatha Christie Pate gestanden haben. Isabel Rohner liebt solche Anleihen, auch die 1919 verstorbene Journalistin und Frauenrechtlerin Hedwig Dohm, deren Biografie sie verfasst hat, darf nicht fehlen. Ob die auch so eine spitze Feder geführt hat?

«Nein, wir sind kein Paar»

Jedenfalls ist das kleine Hotel bevölkert von ziemlich seltsamen, mit groteskem Pinsel gemalten Figuren aus der gleichgeschlechtlichen Community. Da nützt es nichts, wenn Linn Kegel am Empfang sagt: «Nein, wir sind kein Paar». Getrennte Zimmer bekommen sie trotzdem nicht.

Was aber seine Vorteile hat. Denn ein lauter Schrei weckt sie beide gleich in der ersten Nacht. Unten im Bistro liegt der schwerreiche Erpresser Vinzent Fischer, niemand weint ihm eine Träne nach. Doch jeder und jede fragt sich: Wer hat den Mann erschlagen, der sich beim Abendessen aufgeführt hat wie der Elefant im Porzellanladen? An einem Motiv mangelt es bei diesem oder jenem Hotelgast nicht. Was aber fehlt, das ist die Polizei. Denn ein Sturm hat den Ort abgeschnitten und auch die Telefonverbindungen gekappt. Das ist umso prekärer, weil noch so einiges passiert – was wir hier jedoch nicht verraten.

Isabel Rohner: Taugenixen. Ulrike Helmer Verlag, 138 S., Fr.16.-

Isabel Rohner: Taugenixen. Ulrike Helmer Verlag, 138 S., Fr.16.-

Etwas freilich kann man sagen: Nicht jeder ist in dieser kleinen Welt, was er – oder sie - zu sein scheint. So dass an Ferien für unsere zwei Damen nicht zu denken ist. Denn ein Toter kommt selten allein. Mag sein, dass Isabel Rohner es da am Ende ein wenig übertreibt mit den unerwarteten Wendungen. Lustvoll unterhaltsam aber bleibt Linn Kegels zweites Kriminal-Abenteuer allemal. Was will man mehr in diesen wirren Zeiten?