«Hoffentlich ist es nicht für lange Zeit die letzte Premiere gewesen»: Wie Prominente in Zeiten der Pandemie die erste Opernaufführung im St.Galler Theaterprovisorium erleben

Eigentlich hätte die Händel-Oper «Giulio Cesare in Egitto» schon im März Premiere feiern sollen. Doch sie fiel dem Virus zum Opfer. Nun endlich kommt sie zur Freude der Premierenbesucher auf die Bühne. Vor dem Opernbesuch haben sie Respekt, aber keine Angst.

Christina Genova
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Schick mit Maske: Das Premierenpublikum strömt ins Theaterprovisorium.

Schick mit Maske: Das Premierenpublikum strömt ins Theaterprovisorium.

Benjamin Manser

Die Premierenbesucher strömen am Samstagabend trotz alarmierender Meldungen erstaunlich zahlreich ins Provisorium des Theaters St.Gallen. Viele lassen sich die Freude am Opernbesuch trotz Pandemie nicht nehmen.

Werner Signer.

Werner Signer.

Benjamin Manser

Werner Signer, geschäftsführender Direktor des Theaters St.Gallen, freut sich, dass die Premiere von «Giulio Cesare in Egitto» endlich Tatsache wird, nachdem sie im März als erste Produktion der Pandemie zum Opfer gefallen ist. Für jene, die angesichts der aktuellen Ansteckungszahlen von einem Opernbesuch absehen, hat er Verständnis, doch ist er vom Schutzkonzept des Theaters überzeugt: «Wir können die Sicherheit optimal gewährleisten.» Die Lüftung verfüge über einen Virenfilter und in der Pause werde der Raum komplett durchgelüftet: «Angst ist ein schlechter Lebensbegleiter.»

Markus Buschor.

Markus Buschor.

Benjamin Manser

Der St.Galler Stadtrat Markus Buschor, mit obligatem Hut und Schutzmaske des Sinfonieorchesters St.Gallen, hofft, dass im Provisorium auch technisch alles klappt bei der Premiere. Und er freut sich auf gute Musik: «Es ist jedes Mal ein Genuss.» Er habe kein Problem damit, dass das Publikum dicht an dicht sitze im Saal und zwischen den einzelnen Besuchern kein Platz frei bleibe. Während des Lockdowns hat Buschor Kultur gefehlt, er sei richtiggehend auf Entzug gewesen:

«In schwierigen Zeiten tut künstlerische Nahrung gut.»
Kathrin Hilber.

Kathrin Hilber.

Benjamin Manser

Kathrin Hilber, alt Regierungsrätin des Kantons St.Gallen, schaut der Premiere in Zeiten der Pandemie zwar mit gemischten Gefühlen entgegen, Angst aber hat sie keine: «Wir machen das Beste daraus, auch wenn es schwierig ist.» Gerade jetzt müsse man der Kultur ein Feedback geben, zeigen, dass sie wichtig sei.

Konstruktiven Umgang finden mit der Pandemie

Gabriela Manser.

Gabriela Manser.

Benjamin Manser

In der Pause treffen wir auf eine begeisterte Gabriela Manser. Die kulturaffine Chefin des Innerrhoder Getränkeunternehmens Goba findet die Inszenierung «ganz wunderbar». Sie fühle sich total privilegiert, dabei sein zu können. Vor dem Opernbesuch, jetzt, da die Coronafallzahlen in die Höhe schiessen, habe sie Respekt, aber keine Angst. Das Leben sei lebensgefährlich: «Wir können uns nicht nur zurückziehen. Wir müssen weiterleben und einen konstruktiven Umgang mit der Pandemie finden.» Es tue ihr in der Seele weh zu sehen, wie sehr Kulturunternehmen und Kulturschaffende unter der Pandemie litten. «Ich besuche die Oper sehr bewusst, um ein Zeichen zu setzen. Vorsicht gehört natürlich dazu.» Ausserdem komme man dank Kultur auf andere Gedanken.

Peter Heilker.

Peter Heilker.

Benjamin Manser

Peter Heilker, Operndirektor des Theaters St.Gallen, ist einfach nur heilfroh, dass «Giulio Cesare» überhaupt stattfinden kann. «Es scheint auch ein grosses Bedürfnis des Publikums zu sein», sagt er mit Blick auf das gut gefüllte Foyer des Theaterprovisoriums. Er gibt zu, dass er nicht immer sicher war, wie viele Leute kommen würden. Sehr angetan zeigt er sich von der Akustik des Holzbaus. Sie sei voll und rund und er schwärmt von der Brillanz des Klangs. Die Akustik sei besser als im Paillardbau, habe ein Bekannter zu ihm gesagt. Dem könne er nur zustimmen. Weiter in die Zukunft blicken und Prognosen über den künftigen Theaterbetrieb anstellen, mag er nicht: «Wir leben im heute, im Moment.»

Yvonne und Fredy Brunner während der Pause im Foyer des Theaterprovisoriums.

Yvonne und Fredy Brunner während der Pause im Foyer des Theaterprovisoriums.

Benjamin Manser

Der St.Galler alt Stadtrat Fredy Brunner und seine Yvonne Brunner sind ein hochelegantes Paar. Fredy Brunners Maske hat seine Frau selbst genäht. «Dank der schönen Aufführung konnte ich sie vergessen», sagt Fredy Brunner. Im Sitzen sei die Maske gar kein Problem, ergänzt seine Frau. Die Lüftung im Saal sei so stark, dass sie sogar etwas gefroren habe, und jetzt in der Pause ihren Mantel holen gegangen sei:

«Hoffentlich ist es nicht für lange Zeit die letzte Premiere gewesen.»