Herbstsaison
Über 50 Veranstaltungen bis Ende Jahr: Das Eisenwerk in Frauenfeld präsentiert ein mutiges Programm

Konzerte, Theater, Kabarett, Kunst: Der Kulturbetrieb im Eisenwerk nimmt wieder Fahrt auf. Mehrfach Verschobenes soll nun endlich stattfinden. Zudem starten die Betreiber mitten in der Krise ein neues Angebot.

Roger Berhalter
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Kultur macht flexibel: Claudia Rüegsegger, Katrin Widmer, Marco Kern und Mike Surer (von links) vom Eisenwerk-Team sind bereit für die neue Saison.

Kultur macht flexibel: Claudia Rüegsegger, Katrin Widmer, Marco Kern und Mike Surer (von links) vom Eisenwerk-Team sind bereit für die neue Saison.

Bild: Andrea Tina Stalder

Es ist mutig, just dann ein neues Kulturprogramm zu präsentieren, wenn die nächste Coronawelle droht. Doch das Team des Eisenwerks in Frauenfeld lässt sich nun einmal nicht entmutigen, auch nach eineinhalb Jahren des konstanten Verschiebens und Umplanens von Veranstaltungen nicht. «Wir hoffen auf neuen Schwung», sagt Claudia Rüegsegger von der Geschäftsstelle des Kulturlokals bei der Präsentation des neuen Saisonprogramms. Dieses hat es in sich: Nicht weniger als 54 Veranstaltungen sind von August bis Ende Jahr geplant.

Das Eisenwerk von aussen.

Das Eisenwerk von aussen.

Bild: Andrea Tina Stalder

Ein Blick ins Programm zeigt die bewährte Mischung aus lauten und leisen Konzerten, Theateraufführungen, Kabarettabenden, Kunstausstellungen sowie Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche. Mit Covid-Zertifikat kann man sie besuchen.

Nach und nach soll der vielfältige Kulturbetrieb wieder Fahrt aufnehmen: Am 25. August startet die Konzertreihe Jazz:now in die neue Saison, mit einem Auftritt des Trios um Gitarristin Mareille Merck. Am 27. August führt die Freie Bühne Thurgau ihr Stück «Optima Forma» zum ersten Mal auf. Am 2. September eröffnet die Künstlerin Tamara Janes ihre Ausstellung «The Super Zoom Edition» in der Shedhalle.

Jugendliche wollen Theater machen

Schon am kommenden Montag können Interessierte zum ersten Mal in das sogenannte Co-Labor blicken. Die leer stehenden Räume des Waldgut-Verlags sollen zu einer Gemeinschaftswerkstatt werden. «Mitten in der Krise fangen wir etwas Neues an», sagt Claudia Rüegsegger.

Co-Labor: Vom Verlag zur Werkstatt

Den Waldgut Verlag und das Atelier Bodoni gibt es nicht mehr. Nach 40 Jahren hat Beat Brechbühl seinen Verlag im Keller des Eisenwerks geräumt. Nun soll dort das Co-Labor entstehen. Eine Werkstatt, die gemeinschaftlich genutzt wird und zu günstigen Konditionen allen offen steht. «Miteinander arbeiten und Ideen entwickeln statt nur zu konsumieren», so beschreiben Katrin Widmer und Mike Surer vor den Medien die Idee. Zusammen nähen oder schreinern, Werkzeuge ausleihen: All das und mehr soll im Co-Labor möglich sein. Was genau dort passiert, sollen die Nutzerinnen und Nutzer selber bestimmen. Um die Bedürfnisse zu klären, findet am Montag, 23. August, 19.30 Uhr, ein erster Infoabend statt. 

Selbst während des Lockdowns war im Eisenwerk immer Betrieb: Kurse und Workshops konnten weiterhin stattfinden, jene für Kinder und Jugendliche sowieso, jene für Erwachsene in coronakonformen Kleingruppen. «Das Kursangebot hat sich als am stabilsten erwiesen», sagt Rüegsegger im Rückblick auf die vergangenen eineinhalb Jahre. Die Kurse würden geradezu boomen, für das Junge Theater Thurgau beispielsweise seien mehr Anmeldungen eingegangen als Kapazitäten vorhanden sind.

«Es gibt unter Jugendlichen eine grosse Nachfrage nach gemeinsamem Theaterspiel. Das ist sicher auch eine Folge der Pandemie.»

Nach wie vor macht der kurze Planungshorizont den Eisenwerk-Betreibern zu schaffen. «Es ist wahnsinnig schwierig, Anlässe zu programmieren», sagt Rüegsegger. Bei manchen Konzerten von internationalen Bands plane man mittlerweile mit dem «vierten oder fünften Verschiebedatum».

Immerhin: Die Frauenfelder Rock-Urgesteine The Circles sollen am 11. September nun endlich ihr Abschiedskonzert spielen können. Apropos Urgesteine: Die Frauenfelder Mundartband Galgevögel meldet sich am 22. Oktober mit dem selbstironischen Programm «Endlich en Hit» zurück.

Finanziell werde man als subventionierter Betrieb die Pandemie wohl mit einem blauen Auge überstehen, sagt Rüegsegger. 2020 habe man zwar 39 Anlässe absagen, aber weder Kurzarbeit noch Ausfallentschädigung beantragen müssen.

«Doch dieses Jahr wird’s eng, da wir nach wie vor keine grossen Einnahmen generieren können.»

Aber eben: Entmutigen lässt sich das Eisenwerk-Team nicht. «Wir bleiben dran, denn wir wollen den Künstlerinnen und Künstlern eine Perspektive bieten.»

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