Freipass #1
«Erfreulich, überraschend, aber auch enttäuschend»: Der Frauenfelder Filmemacher O'Neil Bürgi im Fragebogen

Jede Woche spielen wir Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und fragen: Was lernen sie gerade neu? Worauf freuen Sie sich? Heute mit O'Neil Bürgi, Filmemacher aus Frauenfeld.

Roger Berhalter
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Der Frauenfelder Filmemacher O'Neil Bürgi.

Der Frauenfelder Filmemacher O'Neil Bürgi.

Bild: Pascale Florio

O'Neil Bürgi ist in Arbon aufgewachsen und hat an der F+F Schule für Kunst und Design in Zürich Film studiert. Heute lebt und arbeitet der Filmemacher in Frauenfeld, wo er seine eigene Firma «ONeil Entertainment Filmproductions» führt. Für seine Arbeiten ist der 40-Jährige mehrfach ausgezeichnet worden, etwa mit seinem animierten Kurzfilm «Cat Noir», den auch das Schweizer Fernsehen ausgestrahlt hat.

Sein neustes Werk «Ale» handelt von einer jungen Wrestlerin. Im Oktober 2020 feierte der Dokumentarfilm seine Weltpremiere beim renommierten Austin Film Festival, wo er für zwei Preise nominiert war. Auch an den diesjährigen Solothurner Filmtagen war «Ale» zu sehen. Schweizer Kinostart ist im kommenden Herbst.

Was lernen Sie gerade neu?

Aquarell malen. Derzeit bin ich auch jetzt öfters in der Küche und probiere immer wieder Neues aus.

Welches Buch haben Sie zuletzt für sich entdeckt?

«The Subtle Art of Not Giving a F**k» von Mark Manson. Die meisten Menschen wollen ausschliesslich die positiven Erfahrungen des Lebens auskosten. Aber es ist die Toleranz und Akzeptanz des Negativen, die zum Glück führt. Man sollte behutsam damit umgehen, was einem dem Buckel herunterrutschen soll und was nicht. Damit proklamiert der Autor, dass Negativität der Pfad zu Positivität ist, das fand ich interessant.

Was hat Sie in den letzten Monaten am meisten beschäftigt?

Die Krise hat das wahre Gesicht vieler Mitmenschen zum Vorschein gebracht. Das war erfreulich, überraschend, aber auch enttäuschend.

Vervollständigen Sie den Satz: «Wenn ich nicht Filmschaffender geworden wäre, wäre ich heute ...»

... Grafiker.

Ein Freipass für Ostschweizer Kulturschaffende

Es ist Zeit für einen vorsichtig optimistischen Blick in die Zukunft. Ab heute erscheint deshalb jeden Freitag unser Fragebogen, den wir sportlich «Freipass» nennen. Jede Woche spielen wir einer oder einem Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und sind gespannt, welche Antworten sie uns geben. Den «Freipass» nehmen wir dabei wörtlich: Wir redigieren die Antworten nur minimal und kürzen allenfalls, bearbeiten sie aber nicht weiter.

Wird die Pandemie die Kulturbranche längerfristig verändern – und sehen Sie darin auch etwas Positives?

Ich denke nicht, dass sich nach der Krise in der Kulturbranche gross etwas ändern wird. Die Digitalisierung hielt in vielen Bereichen schon vorher Einzug. Corona hat das einfach nur beschleunigt und gefestigt. Man wird aber trotzdem noch Konzerte, Kinos und das Theater besuchen wollen – vor allem jetzt, wo die Krise offenbar am Abklingen ist. Schliesslich hat Kultur auch sehr viel mit Erleben, Begegnung und Austausch zu tun. Da kommt man vor dem heimischen Bildschirm, in den eigenen vier Wänden, über eine längere Zeit schon mal an seine Grenzen.

Mit wem würden Sie gerne einmal zusammenarbeiten und warum?

Das möchte ich öffentlich nicht preisgeben.

Worauf freuen Sie sich?

Unbeschwert und ohne Einschränkungen leben und arbeiten zu können. Und natürlich auf den Kinostart meines Dokumentarfilms «Ale» am 2. September.

Trailer zu O'Neil Bürgis neuem Dokumentarfilm «Ale».

Quelle: Youtube

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