FREIPASS #8
«Unser junger Rauhaardackel beschäftigt mich auch»: Die St.Galler Theaterleiterin Frauke Jacobi im Fragebogen

Jede Woche spielen wir Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und fragen: Was lernen Sie gerade neu? Worauf freuen Sie sich? Heute mit Frauke Jacobi, Puppenspielerin und Leiterin des Figurentheaters St.Gallen.

Bettina Kugler
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Frauke Jacobi mit einem Mitglied der Bremer Stadtmusikanten, zu sehen in der gleichnamigen Eigenproduktion am Figurentheater St.Gallen.

Frauke Jacobi mit einem Mitglied der Bremer Stadtmusikanten, zu sehen in der gleichnamigen Eigenproduktion am Figurentheater St.Gallen.

Bild: Ralph Ribi

Frauke Jacobi spielt, zeichnet, führt Regie und leitet seit 2014 zusammen mit ihrem Mann Stephan Zbinden das Figurentheater St.Gallen. Dort programmiert sie nicht nur Stücke für Kleine und Theatereinsteiger ab drei oder vier Jahren, sondern hat auch älteres und erwachsenes Publikum im Visier: mit Stücken wie «Das doppelte Lottchen», «Der kleine Prinz» – oder «Die Bremer Stadtmusikanten», die es im unfreiwilligen Ruhestand noch einmal wissen wollen.

Endgültig in den Ruhestand geschickt hat die Co-Leiterin dagegen Gertrud, das eigensinnige Maskottchen des Figurentheaters: jahrelang beliebt wie berüchtigt für das Format «Bei Gertrud auf dem Schleudersitz». Dort haben sich lokale und schweizweit bekannte Persönlichkeiten gegen Gertruds grosse Klappe behauptet.

Jacobi hat an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin studiert und einen Abschluss in zeitgenössischem Puppenspiel. Sie ist Mitglied der Programmkommission des Schweizer Kinder- und Jugendtheaterfestivals Jungspund, das alle zwei Jahre in St.Gallen stattfindet.

Was lernen Sie gerade neu?

Schon immer spielt das Zeichnen in meinem Leben eine grosse Rolle. Momentan lerne ich verschiedene Techniken auf Papier und dem iPad pro. Ja, und natürlich lerne ich den Text für unsere nächste Premiere «Romeo und Julia».

Was haben Sie zuletzt für sich entdeckt?

Die verschiedensten Dinge: Eine Zucchetti im Beet, den Philosophen Gunnar Kaiser, die Collagetechnik und, und, und…

Was hat Sie in den letzten Monaten am meisten beschäftigt?

Die Coronaauswirkungen auf den Kulturbetrieb und die Gesellschaft haben mich natürlich beschäftigt und auch belastet. Umso mehr habe ich versucht ein Herzensprojekt umzusetzen. Zusammen mit einer Grafikerin ist ein Kinderbuch entstanden mit Bildern und Gedichten von mir. Ausserdem haben mein Mann und ich seit fünf Monaten einen jungen Rauhaardackel. Der beschäftigt einen auch.

Rette sich, wer kann: Drei Pinguine (Sebastian Ryser, Frauke Jacobi, Lukas Bollhalder) im Stück «An der Arche um acht» von Ulrich Hub.

Video: YouTube/Figurentheater St. Gallen

Vervollständigen Sie den Satz: «Wenn ich nicht Puppenspielerin geworden wäre, wäre ich heute...»

Ich wollte schon mit zehn Jahren Puppenspielerin werden. Zwischendrin änderte sich der Wunsch mal kurz zur Schriftstellerin. Vor dem Studium an der Hochschule für Schauspielkunst musste oder durfte ich dann aber erst einmal einen «vernünftigen» Beruf erlernen: den der Krankenschwester. Wenn ich noch einmal studieren würde, wäre das heute Illustration oder Animationsfilm.

Ein Freipass für Ostschweizer Kulturschaffende

Es ist Zeit für einen vorsichtig optimistischen Blick in die Zukunft. Deshalb erscheint jeden Freitag unser Fragebogen, den wir sportlich «Freipass» nennen. Jede Woche spielen wir einer oder einem Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und sind gespannt, welche Antworten sie uns geben. Den «Freipass» nehmen wir dabei wörtlich: Wir redigieren die Antworten nur minimal und kürzen allenfalls, bearbeiten sie aber nicht weiter.

Wird die Pandemie die Kulturbranche längerfristig verändern – und sehen Sie darin auch etwas Positives?

Ich finde es schwierig, in dieser Hinsicht Prognosen abzugeben. Wir hoffen, dass die Familien, Schulen, Kinder und Jugendlichen nach wie vor Theatererlebnisse vor Ort geniessen. Das Erzählen von guten Geschichten und der Austausch darüber ist für unser heranwachsendes Publikum auch in Zukunft wichtig, vielleicht noch wichtiger. Wir haben unsere Spielzeit nach der langen Schliessungsphase bis in den Juni verlängert und waren über den Zuspruch der Zuschauer sehr erfreut.

Frauke Jacobi als Flieger Antoine in «Der kleine Prinz», inszeniert von Katja Langenbach am Figurentheater St. Gallen.

Video:YouTube/Figurentheater St. Gallen

Mit wem würden Sie gerne einmal zusammenarbeiten und warum?

Mit Tim Burton. Ich mag seine Animationsfilme und seine traurig schaurigen Figuren. Es wäre interessant, ein Theaterstück damit zu beleben. Der Theaterberuf ermöglicht mir aber generell viele neue spannende Begegnungen mit Künstlern aus verschiedenen Sparten.

Worauf freuen Sie sich?

Auf unseren Spielstart am 17. September. Ich darf auf der Bühne mit der Cellistin Lorena Dorizzi stehen und die verschiedensten Rollen in «Romeo und Julia» spielen.

Mehr über den neuen Spielplan des Figurentheaters St. Gallen und das Programm im Theaterbistro unter figurentheater-sg.ch

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