FREIPASS #6
«Da gerate ich ins Sprudeln»: Die Schauspielerin Suramira Vos im Fragebogen

Jede Woche spielen wir Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und fragen: Was lernen Sie gerade neu? Worauf freuen Sie sich? Heute mit Schauspielerin Suramira Vos aus Trogen.

Kathrin Signer
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Die Schauspielerin Suramira Vos.

Die Schauspielerin Suramira Vos.

Bild: Linda Rosa Saal

Suramira Vos ist in Trogen aufgewachsen und hat in Bern und Ludwigsburg Theater- und Filmschauspiel studiert. Sie arbeitet als freischaffende Schauspielerin. Regelmässig steht die 28-Jährige auf der Bühne, unter anderem im Luzerner Theater Südpol und mit dem Ensemble «Theater Aeternam». Ausserdem ist sie in verschiedenen Filmen zu sehen. Momentan probt sie mit der Theaterwerkstatt Gleis 5 für «Moby Dick» im Innenhof des Naturmuseums Frauenfeld.

2020 gewann sie mit ihrem Solostück «Ausbauchen» den Jungseglerpreis des Nordart-Theaterfestivals. Mit Sprachwitz und schelmischer Eleganz gestaltet Vos eine humorvolle Reise durch den Kosmos des Essens und Verdauens. Aktuell tourt sie mit dem Ein-Frau-Stück durch 18 Kleintheater in der Schweiz.

Was lernen Sie gerade neu?

Ich lerne, immer länger kalt zu duschen. Ausserdem mache ich gerade ein Webinar mit Valerie van Roey über die Stimme als eine Begegnung mit sich selbst.

Was haben Sie zuletzt für sich entdeckt?

Oh, da gerate ich ins Sprudeln. Ich habe gerade einen zeitlosen Nachmittag mit Deborah Levys «The Cost of Living» verbracht, ein beglückendes Buch, jeder Satz eine Perle! Weitere wunderbare Entdeckungen der letzten Zeit waren: «Spagat», ein Film vom Schweizer Regisseur Christian Johannes Koch und Elisabeth Days Podcast «How to Fail», bei dem ich schon manchen Abwasch pausiert habe, um mir inspiriert Notizen zu machen.

Was hat Sie in den letzten Monaten am meisten beschäftigt?

Verschiedenes! Für den Kurzfilm «das Fahrrad» habe ich mich mit Paraplegie und dem Umgang mit lebendigen Verlusten auseinandergesetzt. Das hat etwas mit meinem Blick auf die Welt gemacht. Ausserdem beschäftige ich mich mit Ambiguitätstoleranz – also Komplexitäten wahrnehmen und anerkennen – in mir und um mich.

Ein Freipass für Ostschweizer Kulturschaffende

Es ist Zeit für einen vorsichtig optimistischen Blick in die Zukunft. Deshalb erscheint jeden Freitag unser Fragebogen, den wir sportlich «Freipass» nennen. Jede Woche spielen wir einer oder einem Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und sind gespannt, welche Antworten sie uns geben. Den «Freipass» nehmen wir dabei wörtlich: Wir redigieren die Antworten nur minimal und kürzen allenfalls, bearbeiten sie aber nicht weiter.

Vervollständigen Sie den Satz: «Wenn ich nicht Schauspielerin geworden wäre, wäre ich heute ...»

Oh, das erinnert mich an einen alten Freundschaftsbucheintrag, den mir kürzlich jemand geschickt hat. Auf die Frage «Was ich später werden möchte», hatte das zehnjährige Ich geantwortet: «Etwas, das der Natur, den Menschen und den Tieren hilft, ODER Schauspielerin und Schriftstellerin». Also, vielleicht etwas mit Kommunikation, mit Sprache, Stimme… unbedingt mit künstlerischem Ausdruck... Schauspielerin!

Vos wünscht sich Projekte, bei denen Herz und Bauch anspringen.

Vos wünscht sich Projekte, bei denen Herz und Bauch anspringen.

Bild: Ingo Hoehn

Wird die Pandemie die Kulturbranche längerfristig verändern – und sehen Sie darin auch etwas Positives?

Ich wünsche uns, dass wir, wenn alles wieder losgeht, Kultur umso mehr mit all unseren Sinnen als Nahrung erfahren. Und dass wir erleben, wie sie uns mit unserer Lebendigkeit und Menschlichkeit verbinden kann.

Mit wem würden Sie gerne einmal zusammenarbeiten und warum?

Spontan fällt mir ein: der Regisseur Yorgos Lanthimos, wegen seiner ganz eigenwilligen künstlerischen Sprache. Doch grundsätzlich: Mit Menschen, mit denen es künstlerisch und menschlich funkt und schwingt.

Worauf freuen Sie sich?

Ich freue mich auf einen reichen Spielherbst: Auf die Wiederaufnahme meiner Jungseglertournée mit meinem Solo «Ausbauchen», auf einen sprachgewaltigen «Moby Dick», im Museumshof Frauenfeld. Und auf Aareschwümme, auf Begegnungen und Zwischenatmen und neu gestrickte Schals aus feiner Wolle.

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