FREIPASS #5
«Die ersten Konzerte nach der Live-Prohibition waren sehr intensiv»: Der Widnauer Musiker Sandro Heule im Fragebogen

Jede Woche spielen wir Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und fragen: Was lernen Sie gerade neu? Worauf freuen Sie sich? Heute mit Jazzbassist Sandro Heule aus Widnau.

Roger Berhalter
Drucken
Teilen
Sandro Heule, Jazzbassist und «Kulturattentäter».

Sandro Heule, Jazzbassist und «Kulturattentäter».

Bild: PD

Sandro Heule lebt und arbeitet in Widnau im St.Galler Rheintal. Seine Welt ist der Jazz, die freie Improvisation, die offene musikalische Begegnung. Der 36-Jährige beschäftigt sich aktuell mit seinem Soloprojekt, wo er das Live-Bass-Spiel mit den Klängen analoger Synthesizer verbindet. Anderseits ist er Mitglied der Krautrock-Band Subito Zeitlos. Auch als Veranstalter und «Kulturattentäter» ist Heule aktiv. Bis vor kurzem im St.Galler Jazzverein Gambrinus, aktuell spurt er ein neues Veranstalterprojekt namens «Amboss und Steigbügel» vor.

Zuletzt machte Heule mit einer Carte blanche des Kantons auf sich aufmerksam. Im Rahmen der Ausstellung «Jenseits» im Stellwerk Heerbrugg gestaltete er eine vierteilige Musik-Performance-Reihe unter freiem Himmel, für die er mit Musikerinnen und Musikern aus der Ostschweiz und Vorarlberg zusammenarbeitete.

Was lernen Sie gerade neu?

In der Musik gibt es immer neue Sachen zu entdecken und zu lernen. Das modulare Synthesizer-System zusammen mit meinem Solo-Bass-Spiel finde ich im Moment ein sehr spannendes Lernfeld.

Welche Musik haben Sie zuletzt für sich entdeckt?

Während der Winterzeit war es oft Jazz aus den 1920er- und 1930er-Jahren. Irgendwie passten die Tunes sehr gut zum Soundtrack dieser Zeit. In meiner Playlist findet sich auch eine gute Portion Schweizer Musik, es gibt in der Szene sehr viel zu entdecken. Sonst finde ich das New Wave Label Mannequin Records und die Neue Londoner Jazz- und Experimental-Szene sehr spannend.

Was hat Sie in den letzten Monaten am meisten beschäftigt?

In einer Industriehalle in der Viscose Widnau konnte ich einen Raum einrichten, welcher zu einem inspirierenden Creative Space geworden ist. Es wurde viel gejammt und experimentiert. Die neue Band Subito Zeitlos entwickelte sich dort vom Duo zu einer grösseren Formation. Anfang Sommer konnte ich bereits wieder einige Konzerte spielen. Unter anderem mit einer Carte blanche im Rahmen der Ausstellung «Jenseits» des Kantons St.Gallen im Stellwerk Heerbrugg.

Ein Freipass für Ostschweizer Kulturschaffende

Es ist Zeit für einen vorsichtig optimistischen Blick in die Zukunft. Deshalb erscheint jeden Freitag unser Fragebogen, den wir sportlich «Freipass» nennen. Jede Woche spielen wir einer oder einem Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und sind gespannt, welche Antworten sie uns geben. Den «Freipass» nehmen wir dabei wörtlich: Wir redigieren die Antworten nur minimal und kürzen allenfalls, bearbeiten sie aber nicht weiter.

Vervollständigen Sie den Satz: «Wenn ich nicht Musiker geworden wäre, wäre ich heute ...»

Gletschergeologe. Als Back-up habe ich mich damals für ein Geologiestudium eingeschrieben, falls das mit der Aufnahmeprüfung fürs Jazzstudium in die Hose gehen sollte.

Wird die Pandemie die Kulturbranche längerfristig verändern – und sehen Sie darin auch etwas Positives?

Ich denke, längerfristig nicht. Für mich hat sich gezeigt, dass sich Livemusik nicht einfach so digitalisieren lässt. Die ersten Konzerte nach der Live-Prohibition waren sehr intensiv. Ich spürte richtig, wie das Publikum jeden Ton aufsaugte und das Ambiente genoss.

Mit wem würden Sie gerne einmal zusammenarbeiten und warum?

Es gibt sehr viele Künstlerinnen und Künstler, die mich interessieren. Die spannendsten Begegnungen ergeben sich meistens zur richtigen Zeit.

Worauf freuen Sie sich?

Ich freue mich sehr auf die nächsten Konzerte. Am Samstag, 4. September, spiele ich mit Subito Zeitlos an der Bad Bonn Kilbi, das wird grossartig!

Aktuelle Nachrichten