Freipass #3
«Ich denke nicht in Ländergrenzen»: Die Ausserrhoder Regisseurin Danielle Fend-Strahm im Fragebogen

Jede Woche spielen wir Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und fragen: Was lernen Sie gerade neu? Worauf freuen Sie sich? Heute mit Danielle Fend-Strahm, Regisseurin und Theaterproduzentin aus Heiden.

Bettina Kugler
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Die Regisseurin Danielle Fend-Strahm inszeniert ausschliesslich an speziellen Theaterorten: im Bus, auf der Wiese oder im Schwimmbad.

Die Regisseurin Danielle Fend-Strahm inszeniert ausschliesslich an speziellen Theaterorten: im Bus, auf der Wiese oder im Schwimmbad.

Bild: Ronja Svaneborg

Die Regisseurin Danielle Fend-Strahm ist in Heiden aufgewachsen und hat in Wien studiert. Seit 2010 arbeitet sie freischaffend und inszeniert an Theatern in Österreich und Deutschland. Mit ihrem Mann, dem Vorarlberger Schauspieler Tobias Fend, gründete die heute 39-Jährige vor zehn Jahren das Erzähltheater Café Fuerte. Ihre Stücke greifen aktuelle ökologische und soziale Themen auf und spielen an dazu passenden Orten abseits konventioneller Theaterräume, oft im Freien. Derzeit ist Café Fuerte mit «Auf nach Alang!» in Vorarlberg und in der Ostschweiz unterwegs: einem Kammerspiel über die Einsamkeit und Tristesse auf einem riesigen Kreuzfahrtschiff.

2013 erhielt Danielle Fend-Strahm für ihre aussergewöhnlichen Inszenierungen einen Werkbeitrag der Ausserrhodischen Kulturstiftung. Sie lebt mit ihrer Familie in Hittisau im Bregenzerwald.

Was lernen Sie gerade neu?

Ich übe stetig, eins nach dem anderen zu tun.

Welches Buch haben Sie zuletzt für sich entdeckt?

Da liegen ein paar Bücher bereit. Romane. Aber ich komme nicht dazu. Die Arbeit und die Kinder in Kombination decken uns ein. Und wenn es still wird, schlafe ich ein. Zum Glück darf ich beruflich immer wieder viel lesen. Das tut gut. Zurzeit recherchieren wir über Grenzen, Europa, Bürokratie, Reisen, Trucker, Just-in-Time-Systeme, Globalisierung und Regionalität. Ein weites Feld. Spannend.

Was hat Sie in den letzten Monaten am meisten beschäftigt?

Eigentlich genau diese Themen. Ich hätte nicht gedacht, dass Grenzen geschlossen werden. Dass jeder Staat nur noch für sich selbst Lösungen sucht, wenn ein globales Problem auftaucht. Meine Familie ist in mehreren Ländern verteilt, meine Freunde auch, ich habe im Ausland studiert, unser Theater arbeitet überregional in zwei bis drei Ländern. Ich denke nicht in Ländergrenzen. Dass es während der Pandemie möglich war, Schlagbäume aufzustellen, überall, hat mich sehr erschreckt.

Jeanne Devos in «Auf nach Alang!», der aktuellen Produktion von Café Fuerte, inszeniert von Danielle Fend-Strahm – hier im Schwimmbad im Dorf Egg im Bregenzerwald.

Jeanne Devos in «Auf nach Alang!», der aktuellen Produktion von Café Fuerte, inszeniert von Danielle Fend-Strahm – hier im Schwimmbad im Dorf Egg im Bregenzerwald.

Bild: Nadine Schütz

Vervollständigen Sie den Satz: «Wenn ich nicht Theaterschaffende geworden wäre, wäre ich heute...»

…vermutlich trotzdem Theaterschaffende. Bei mir gab es nicht viele andere Möglichkeiten und Wünsche. Ich wusste schon immer, dass ich Geschichten erzählen und Bilder bauen will. Und das gemeinsam. Gemeinsam etwas entstehen zu lassen, das dann in einem gemeinsamen Erlebnis endet — das ist grossartig.

Ein Freipass für Ostschweizer Kulturschaffende

Es ist Zeit für einen vorsichtig optimistischen Blick in die Zukunft. Seit dem 2. Juli 2021 erscheint deshalb jeden Freitag unser Fragebogen, den wir sportlich «Freipass» nennen. Jede Woche spielen wir einer oder einem Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und sind gespannt, welche Antworten sie uns geben. Den «Freipass» nehmen wir dabei wörtlich: Wir redigieren die Antworten nur minimal und kürzen allenfalls, bearbeiten sie aber nicht weiter. 

Wird die Pandemie die Kulturbranche längerfristig verändern – und sehen Sie darin auch etwas Positives?

Die Beinfreiheit ist toll! Im Theater oder auch im Zug. Ich mag das, mehr Platz zu haben. Ansonsten glaube ich, dass die Kulturbranche gezeigt hat, dass sie flexibel ist, Lösungen finden und mit vielem umgehen kann. Sofern die Spielregeln klar sind! Und, es wurde allen mehr bewusst, dass vieles zusammengehört und sich gegenseitig bereichert: ohne offene Kultur kein Städtetourismus und somit auch weniger Käsekonsum. Das ist nur ein Beispiel, aber es gibt viele.

Theater ist überall: Tobias Fend im Stück «Bus», das auch in Herisau zu sehen war.

Theater ist überall: Tobias Fend im Stück «Bus», das auch in Herisau zu sehen war.

Bild: pd

Mit wem würden Sie gerne einmal zusammenarbeiten und warum?

Mit unterschiedlichen Gruppen aus unterschiedlichen Ländern. Ich würde gern hinein schnuppern in Theater- und Performance-Ensembles mit verschiedenen Erzähltraditionen, anderen Arbeitssystemen, eigenen Theatersprachen und neuen Denkmustern. Und somit Eigenes hinterfragen oder neu denken.

Worauf freuen Sie sich?

Im Moment freue ich mich auf die Ferien und aufs Wegfahren.

Derzeit spielt Café Fuerte das Stück «Auf nach Alang!» mit Jeanne Devos und Tobias Fend. Vorstellungen gibt es noch am 14./15.8. in Lustenau auf dem Gutshof Heidesand, Tickets unter cafefuerte.ch. Für 2021 geplant und in Vorbereitung sind die Produktionen «Truck Stop» und «Der schwarze Hund».