Freipass #22
«Ich lerne, gendergerecht zu reden»: Die Schauspielerin Diana Dengler im Fragebogen

Jede Woche spielen wir Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und fragen: Was lernen Sie gerade neu? Worauf freuen Sie sich? Heute mit der St.Galler Schauspielerin Diana Dengler. Sie steht ab Dezember in der Komödie «Frau Müller muss weg» auf der Bühne – und hofft, dass auch nach der Pandemie Besprechungen und Castings per Video durchgeführt werden.

Bettina Kugler
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Die St.Galler Schauspielerin Diana Dengler, seit 2001 Mitglied im Schauspielensemble des Theaters St.Gallen.

Die St.Galler Schauspielerin Diana Dengler, seit 2001 Mitglied im Schauspielensemble des Theaters St.Gallen.

Bild: Niklaus Stauss

Diana Dengler wurde 1967 in Zürich geboren; ihre Ausbildung absolvierte sie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Währenddessen spielte sie unter anderem in Robert Wilsons Faust-Projekt am Berliner Hebbel-Theater. Ab 1993 war sie am Hans Otto Theater in Potsdam engagiert; weitere Gastengagements führten sie an die Volksbühne Berlin und an die Kampnagel Fabrik Hamburg, wo sie für das Stück «Faust» mit der Band Einstürzende Neubauten auf der Bühne stand. Im Jahr 2000 erhielt Diana Dengler den Theaterpreis Brandenburg.

Seit 2001 ist sie Mitglied des Schauspielensembles des Theaters St.Gallen; aktuell probt sie «Frau Müller muss weg», eine Komödie von Lutz Hübner. Das Stück, in dem eine Gruppe ehrgeiziger Eltern einen Psychokrieg gegen die Lehrerin ihrer Kinder anzettelt, ist eine bitterböse Satire auf die Leistungsgesellschaft.

Neben ihrer Tätigkeit auf der Bühne als Schauspielerin und Moderatorin von Konzerten spielte Diana Dengler in diversen Filmproduktionen in Deutschland und der Schweiz und leitete mehrere Jahre zusammen mit Mario Franchi den Jugendtheaterclub am Theater St.Gallen.

Was lernen Sie gerade neu?

Diana Dengler: Gendergerecht zu reden. Dies im Alltag umzusetzen, erfordert in meinem Kopf auch ein Umdenken. Es ist aber nicht nur eine Herausforderung, sondern bereitet Freude und öffnet mir neue Törchen. Zum Glück helfen mir dabei all die jungen Menschen in meinem Umfeld. Überhaupt lerne ich von den Jungen gerade sehr viel, sie sind einfach toll.

Was haben Sie zuletzt für sich entdeckt?

Die Arbeit von Alexander Giesche, einem deutschen Theaterregisseur und Performance-Kollektiv-Leiter. Seine Art, mit Schauspielerinnen und Schauspielern und mit Text umzugehen, interessiert und berührt mich. Zudem kann ich mich zurzeit täglich an den von ihm gestalteten Schaufenstern in der St. Galler Innenstadt erfreuen.

Was hat Sie in den letzten Monaten am meisten beschäftigt?

Die Me-too-Debatte, die im Theater und in der Filmbranche endlich, endlich, endlich an den eingefahrenen Strukturen rüttelt.

Diana Dengler als Mutter Helvetia in Brigitte Schmid-Guglers «HotSpotOst» in der Lokremise St. Gallen.

Diana Dengler als Mutter Helvetia in Brigitte Schmid-Guglers «HotSpotOst» in der Lokremise St. Gallen.

Bild: Tanja Dorendorf

Vervollständigen Sie bitte den folgenden Satz: «Wenn ich nicht Schauspielerin geworden wäre...»

... wäre ich gerne Chirurgin.

Ein Freipass für Ostschweizer Kulturschaffende

Jeden Freitag erscheint unser Fragebogen, den wir sportlich «Freipass» nennen. Woche für Woche spielen wir einer oder einem Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und sind gespannt, welche Antworten sie uns geben. Den «Freipass» nehmen wir dabei wörtlich: Wir redigieren die Antworten nur minimal und kürzen allenfalls, bearbeiten sie aber nicht weiter.

Wird die Pandemie die Kulturbranche längerfristig verändern – und sehen Sie darin auch etwas Positives?

Eines vorweg: Meine ganze Bewunderung gilt all den freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern, die sich durch diese schwierige Zeit kämpfen mussten und noch immer müssen. Allgemein hoffe ich, dass für Schauspielerinnen und Schauspieler die E-Castings per Video bleiben und so künftig verhindern, dass wir wegen eines 30-minütigen Castings in den Flieger steigen. Konzeptionen, Bühnen- und Kostümbesprechungen könnten doch auch weiterhin per Videokonferenz stattfinden, oder nicht?

Diana Dengler vor dem Auftritt als Moderatorin eines Konzertes der Reihe «Die musikalische Moderne».

Diana Dengler vor dem Auftritt als Moderatorin eines Konzertes der Reihe «Die musikalische Moderne».

Mit wem würden Sie gerne einmal zusammenarbeiten und warum?

Ich habe bis jetzt das Glück gehabt, dass ich immer wieder mit tollen und engagierten und positiven und leidenschaftlichen Menschen zusammenarbeiten durfte. Dafür bin ich sehr dankbar.

Worauf freuen Sie sich?

Auf meine täglichen Proben zur Produktion «Frau Müller muss weg», das am 9. Dezember Premiere haben wird. Auf meine nächste Konzert-Moderation am 18. Dezember in der Tonhalle. Auf mein nächstes Stück «Mitte der Welt». Auf die nächste Runde der Talkreihe «Kubik & Fässler» in der Grabenhalle. Auf den Film «Behördenhasser». Auf meine Kolleginnen und Kollegen. Auf meine Freundinnen und Freunde. Auf… Auf… Auf…

Premiere «Frau Müller muss weg»: 9.12., 20 Uhr, Lokremise St.Gallen. Konzert «Die Hoffnung» in der Reihe «Die musikalische Moderne», veranstaltet vom Verein Cosmokultur und moderiert von Diana Dengler: 18.12., 19.30 Uhr, Tonhalle St.Gallen.

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