Freipass #21
«Es muss nicht immer James Bond sein»: Der Filmemacher Iwan Schumacher im Fragebogen

Jede Woche spielen wir Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und fragen: Was lernen Sie gerade neu? Worauf freuen Sie sich? Heute mit dem Filmemacher Iwan Schumacher aus Frauenfeld. Er hat einen Film über die Künstlerin Zilla Leutenegger gedreht.

Claudio Weder
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Filmemacher Iwan Schumacher und Künstlerin Zilla Leutenegger.

Filmemacher Iwan Schumacher und Künstlerin Zilla Leutenegger.

Bild: Niklaus Stauss

Iwan Schumacher wurde 1947 geboren. In den 60er-Jahren liess er sich an der Kunstgewerbeschule in Zürich zum Fotografen ausbilden – er fotografierte später für die «Schweizer Illustrierte», das Kulturmagazin «Du» oder die «Weltwoche». Ab 1972 begann er seine kontinuierliche Filmtätigkeit als Kameramann, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent.

Im Jahr 2000 gründete der Frauenfelder die Schumacher & Frey GmbH mit Sitz in Zürich, produzierte mehrere Dokumentarfilme, etwa über den Künstler Jean Odermatt («Der Wolkensammler») oder die St.Galler Kunstgiesserei («Feuer & Flamme»). Zusammen mit Patrick Frey entwickelte er auch die SRF-Talkshow «C'est la vie!».

In seinem neuesten Film («Zilla») porträtiert Schumacher die Bündnerin Zilla Leutenegger, eine der erfolgreichsten Schweizer Künstlerinnen. Der Regisseur hat sie drei Jahre lang mit der Kamera begleitet. Der Film geht der Frage nach, was es bedeutet, heute Künstlerin zu sein, jenseits aller romantischen Künstlerklischees.

Was lernen Sie gerade neu?

Iwan Schumacher: Kürzlich hat mir jemand beigebracht, wie man in einem Mail ein Wort mit einer Website verlinkt. Mir geht es auch darum, einmal Erlerntes nicht mehr zu vergessen.

Was haben Sie zuletzt für sich entdeckt?

Dass es nicht immer James Bond sein muss. Auch mit einem Film über eine Künstlerin wie Zilla Leutenegger kann man Kinosäle füllen. So erlebt am vergangenen Sonntag an der Premiere von «Zilla» in Zürich und am Montag in Chur.

Was hat Sie in den letzten Monaten am meisten beschäftigt?

Meinen Film fertigzustellen und zu schauen, dass er möglichst viele Leute erreichen wird.

Vervollständigen Sie bitte den folgenden Satz: «Wenn ich nicht Filmemacher geworden wäre...»

... wäre ich heute wahrscheinlich sehr unglücklich.

Ein Freipass für Ostschweizer Kulturschaffende

Es ist Zeit für einen vorsichtig optimistischen Blick in die Zukunft. Deshalb erscheint jeden Freitag unser Fragebogen, den wir sportlich «Freipass» nennen. Jede Woche spielen wir einer oder einem Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und sind gespannt, welche Antworten sie uns geben. Den «Freipass» nehmen wir dabei wörtlich: Wir redigieren die Antworten nur minimal und kürzen allenfalls, bearbeiten sie aber nicht weiter.

Wird die Pandemie die Kulturbranche längerfristig verändern – und sehen Sie darin auch etwas Positives?

Wie alle Lebensbereiche verändert sich auch die Kulturbranche permanent. Die Pandemie wirkt da höchstens als Verstärker. Zu viele Kolleginnen und Kollegen, die Gesellschaft allgemein, leiden unter der momentanen Situation, ich kann da nicht viel Positives erkennen.

Mit wem würden Sie gerne einmal zusammenarbeiten und warum?

Das Thema für meinen nächsten Film steht noch in den Sternen. Deshalb lege ich erst einmal ein Sabbatical ein. Ich habe vor, mehr Zeit mit meiner Enkelin zu verbringen und mit ihr die Welt neu zu entdecken.

Worauf freuen Sie sich?

Auf die Premiere von «Zilla» im Cinema Luna und das anschliessende Gespräch zwischen Zilla Leutenegger und mir, moderiert von Markus Landert, und natürlich auf all die weiteren Premieren.

«Zilla» wird am Sonntag, 21. November, im Cinema Luna in Frauenfeld gezeigt (Beginn 11 Uhr). Im Anschluss folgt ein moderiertes Gespräch mit Schumacher und Leutenegger. Infos unter cinemaluna.ch