Freipass #2
«Analog statt digital kommunizieren ist reizvoll»: Der Trogner Künstler H.R. Fricker im Fragebogen

Jede Woche spielen wir Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und fragen: Was lernen Sie gerade neu? Worauf freuen Sie sich? Heute mit H.R. Fricker, Künstler aus Trogen.

Christina Genova
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Der Trogner Künstler H.R. Fricker.

Der Trogner Künstler H.R. Fricker.

Bild: Stefan Beusch

Der Künstler Hans Ruedi Fricker ist gebürtiger Zürcher und lebt seit 1975 in Trogen. Der 73-Jährige gehört zu den bedeutendsten Ostschweizer Kunstschaffenden seiner Generation. Bekannt geworden ist er vor allem mit seinen Arbeiten im öffentlichen Raum, darunter das Orte-Kataster mit dem Titel «Rückgrat», das er 1996 über die Stadt St. Gallen legte. Die in den Boden eingelassenen 14 Metalltafeln beschriftete er mit Begriffen der menschlichen Existenz: Ort der Wut, Ort der Scham oder Ort der Illusion.

H.R. Fricker ist auch ein fleissiger Museumsgründer. Ab 2003 baute er das Alpsteinmuseum auf, 2005 gewann er mit dem Projekt eines «Museums der Lebensgeschichten» den Wettbewerb für «Kunst am Bau» des Alterszentrums Hof Speicher. Im selben Jahr initiierte er den Trogener Kunstpreis für Menschen mit Beeinträchtigung. 2015 entwickelte er den Steingarten Murgtal. Dabei gab er 140 Findlingen in der Landschaft einen Namen.

Arbeit von H.R. Fricker an der Arte Castasegna im Bergell im Sommer 2018.

Arbeit von H.R. Fricker an der Arte Castasegna im Bergell im Sommer 2018.

Bild: Ralph Feiner

Was lernen Sie gerade neu?

Mit Schmerzen umzugehen ( Mein Arzt meinte dazu: «Herr Fricker sie werded halt älter»).

Welches Buch haben Sie zuletzt für sich entdeckt?

Geschenke eines Archäologen: Bücher über archäologische Funde aus der Steinzeit. Diese Art Bücher sind sehr anregend. Zum Beispiel fand ich in einem Bericht über die Ausgrabung eines Frauengrabes in Zürich (200 vor Christus) einen Beschrieb über ein Säckchen als Grabbeigabe, welches eine Handvoll Kieselsteine enthielt.

Was hat Sie in den letzten Monaten am meisten beschäftigt?

Welche Vögel mich am Futterhäuschen vor dem Fenster wohl besuchen werden: Specht, Stieglitz, Dompfaff, Blaumeise oder Buchfink? Wenn schon keine menschlichen Besucher ins Haus kommen dürfen, freue ich mich halt an den Vögeln auf dem Fenstersims.

Vervollständigen Sie den Satz: «Wenn ich nicht Künstler geworden wäre, wäre ich heute...»

Steintisch von H.R. Fricker in der Ausstellung «App'n'Cell now» in der Kunsthalle Ziegelhütte 2020.

Steintisch von H.R. Fricker in der Ausstellung «App'n'Cell now» in der Kunsthalle Ziegelhütte 2020.

Bild: Tobias Garcia

.....wahrscheinlich doch nicht Priester geworden, obwohl dies als Jugendlicher mein Berufsziel war. Aber weil es mir als Ministrant wegen der Weihrauchdüfte hundsmiserabel schlecht wurde, kam Priester werden doch nicht in Frage.

Ein Freipass für Ostschweizer Kulturschaffende

Es ist Zeit für einen vorsichtig optimistischen Blick in die Zukunft. Seit dem 2. Juli 2021 erscheint deshalb jeden Freitag unser Fragebogen, den wir sportlich «Freipass» nennen. Jede Woche spielen wir einer oder einem Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und sind gespannt, welche Antworten sie uns geben. Den «Freipass» nehmen wir dabei wörtlich: Wir redigieren die Antworten nur minimal und kürzen allenfalls, bearbeiten sie aber nicht weiter. 

Wird die Pandemie die Kulturbranche längerfristig verändern – und sehen Sie darin auch etwas Positives?

Hoffentlich werden sich zukünftig vermehrt Künstlerinnen und Künstler für das bedingungslose Grundeinkommen einsetzen. Viele Kollegen und Kolleginnen wurden wohl auch gezwungen Neues zu versuchen, das tut allen gut. Ich besann mich auf den Austausch per Briefpost wie in den 1980er und 1990er Jahren. Analog statt digital kommunizieren ist reizvoll.

Mit wem würden Sie gerne einmal zusammenarbeiten und warum?

Mit einem Archäologen mit Schwerpunkt Steinzeit. Ich wäre gerne dabei, wenn er oder sie eine steinzeitliche Feuerstelle ausgräbt. Fragestellung: «Ist es möglich, dass die Steinzeitleute auch Steine aus ästhetischen Gründen auswählten und zu ihrer Feuerstelle trugen?

Worauf freuen Sie sich?

Auf die Treffen mit Freundinnen und Freunden.

H.R. Fricker stellt noch bis am 18. Juli seine Arbeit «Steinzeichen» am Kunstspaziergang des Festivals «Kultur verussen» im Städtchen Lichtensteig aus. Das PDF zum Kunstspaziergang findet man hier.

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