Freipass #13
«Ich würde gerne mit Beyoncé an einem Weihnachtssong arbeiten»: Der Kabarettist Jan Rutishauser im Fragebogen

Jede Woche spielen wir Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und fragen: Was lernen Sie gerade neu? Worauf freuen Sie sich? Heute mit dem Kabarettisten Jan Rutishauser aus Güttingen.

Claudio Weder
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Das aktuelle Soloprogramm «Absolute Perfektion» von Jan Rutishauser handelt vom Zusammenziehen mit der Freundin.

Das aktuelle Soloprogramm «Absolute Perfektion» von Jan Rutishauser handelt vom Zusammenziehen mit der Freundin.

Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 8. Januar 2020)

Jan Rutishauser, geboren 1987, ist Kabarettist, Kolumnist und «Koach für Rechtschreibung». Er wuchs in Güttingen auf und zog vor rund drei Jahren mit seiner Freundin in St.Gallen zusammen. Diesen Umstand macht er zum Thema seines aktuellen Soloprogramms «Absolute Perfektion»
– nach «Burnout» und «Gepflegte Langeweile» bereits sein drittes abendfüllendes Kabarettprogramm. Rutishauser schildert darin auf humorvolle Art die «Ängste, Bedenken und Möglichkeiten», die sich durch die erste gemeinsame Wohnung mit der Freundin ergeben.

Nach der Matura bildete sich Rutishauser zum Bühnenprofi aus, absolvierte zunächst die Theaterschule Dimitri und studierte danach Pantomimenkunst in London. Mit seinem «Kabarett für schöne Menschen» gewann Rutishauser unter anderem das Oltner Kabarett-Casting, den Kabarettwettbewerb Sprungfeder und das Kleinkunstfestival «Die Krönung» in Burgdorf. Auch ist er bekannt für seine Kolumnen, die monatlich im Kulturmagazin «Saiten» erscheinen.

Was lernen Sie gerade neu?

Die alten Texte meiner Shows. Ich hatte die Premiere meines Programms «Absolute Perfektion» im Januar 2020. Inzwischen habe ich alles wieder vergessen. Sonst lasse ich mich zurzeit zum Radioredaktor ausbilden, um auf die nächste Pandemie vorbereitet zu sein. Schliesslich gibt es immer mehr News, also muss auch immer mehr Geld in der Branche zu machen sein, oder? Daneben lerne ich Fragen weniger ironisch zu beantworten, aber bis jetzt mit bescheidenem Erfolg.

Was haben Sie zuletzt für sich entdeckt?

Meditationsvideos auf Youtube. Wann immer ich ein paar Minuten frei habe, lasse ich eines ablaufen. Um Zeit zu sparen, meist in doppelter Geschwindigkeit.

Video: Youtube

Was hat Sie in den letzten Monaten am meisten beschäftigt?

Atmen. Das lief eigentlich rund um die Uhr. Auch merke ich, je älter ich werde, desto mehr beschäftige ich mich mit meiner Zukunft. Was leicht paradox ist, habe ich doch immer weniger davon. Geldfragen waren ebenfalls so ein Thema: Wie kommt es rein, wo geht es raus und davon abgeleitet: Wann ist der beste Moment für den Banküberfall?

Vervollständigen Sie den Satz: «Wenn ich nicht Kabarettist geworden wäre, wäre ich heute …»

… Komiker … gelangweilt … nicht an diesen Interviewfragen dran … alles von dem. Oder vielleicht wäre ich Primarlehrer geworden. Obwohl das wieder das Gleiche ist wie Kleinkünstler. Als Kind wollte ich, inspiriert von Dagobert Duck, Multimilliardär werden. Als Teenager schwebte mir kurz eine Karriere als Zauberkünstler vor. Was quasi das gleiche ist wie Multimilliardär: Sind doch beides Berufe, die darauf basieren, dass die breite Masse den Betrug nicht bemerkt.

Jan Rutishauser wuchs in Güttingen auf; heute lebt er in St.Gallen.

Jan Rutishauser wuchs in Güttingen auf; heute lebt er in St.Gallen.

Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 8. Januar 2020)

Wird die Pandemie die Kulturbranche längerfristig verändern – und sehen Sie darin auch etwas Positives?

Die Pandemie hat die Kulturbranche doch schon längst verändert: All die Auftritte, die entfallen sind. All die Künstlerinnen und Künstler, die davor von ihrem Job leben konnten und jetzt auf etwas anderes ausweichen mussten. All die Ideen, die nie das Licht der Welt erblickten. All die Erfahrung, all das Lernen, was nicht stattgefunden hat. Wie viele Künstlerinnen und Künstler haben wir wegen Corona verloren? Nein, ich sehe nichts Positives an einer Pandemie.

Ein Freipass für Ostschweizer Kulturschaffende

Es ist Zeit für einen vorsichtig optimistischen Blick in die Zukunft. Deshalb erscheint jeden Freitag unser Fragebogen, den wir sportlich «Freipass» nennen. Jede Woche spielen wir einer oder einem Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und sind gespannt, welche Antworten sie uns geben. Den «Freipass» nehmen wir dabei wörtlich: Wir redigieren die Antworten nur minimal und kürzen allenfalls, bearbeiten sie aber nicht weiter.

Mit wem würden Sie gerne einmal zusammenarbeiten und warum?

Am liebsten mit einem Superstar wie Beyoncé und zwar an einem Weihnachtssong. Das gäbe jedes Jahr Tantiemen. Ansonsten arbeite ich schon mit ganz tollen Menschen zusammen. Zum Beispiel das St.Galler Steueramt möchte schon seit Monaten eine Kooperation mit mir eingehen. Aber die ehrliche Antwort lautet, mit dem Menschen, der die Lottogewinne aushändigt. Bin grosser Fan seiner Arbeit! Falls du das lesen solltest: Ruf an!

Worauf freuen Sie sich?

Auf Tomaten-Spaghetti. Das geht immer. Oder meinten Sie, wo rauf ich mich freue? Eigentlich nirgendwo rauf, ich mag das Flachland. Im Flachland geht es nämlich nie abwärts. Man lebt im Bewusstsein, dass man schon da ist.

Nächste Auftritte: 1. Oktober: KiK-Festival Kreuzlingen; 19. Oktober: Poetry Slam, Tibits St.Gallen.