FREILUFTAUSSTELLUNG
Kunst wirbt für den Südthurgau: Die «Orbit»-Schau in Eschlikon

Rund um Eschlikon sind mit der Kunstaktion «Orbit» bis Anfang Oktober Werke von 13 Kunstschaffenden aus der Ostschweiz zu entdecken. Ein spannender und oftmals überraschender Kunstgenuss in freier Natur. Zu Fuss oder per Velo.

Martin Preisser
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«Le mouvement végétatif» : Eine Arbeit von Victorine Müller im Wald von Josafatstal bei Eschlikon.

«Le mouvement végétatif» : Eine Arbeit von Victorine Müller im Wald von Josafatstal bei Eschlikon.

Bilder: Martin Preisser

Dort, wo die Tafeln des Grenzwegs rund um Eschlikon an den Zusammenschluss der drei Orte Eschlikon, Wallenwil und Hurnen vor über zwanzig Jahren erinnern, ist jetzt auch ein Kunstweg entstanden. «Die einzelnen Kunststationen kreisen wie geostationäre Satelliten auf dem Orbit um Eschlikon», beschreiben die Organisatoren die für ein halbes Jahr bestehende Kunstaktion «Orbit».

«Zone»: Der Beitrag von steffenschöni zur Ausstellung «Orbit» (Standort: Passhöhe).

«Zone»: Der Beitrag von steffenschöni zur Ausstellung «Orbit» (Standort: Passhöhe).

Hinter dem Projekt stehen die beiden Galeristen Werner Widmer und Jordanis Theodoridis (beide selbst in Eschlikon wohnhaft), welche die Ausstellung im Aussenraum auch kuratiert und in Zusammenarbeit mit der Gemeinde realisiert haben. Dreizehn Ostschweizer Kunstschaffende hatten freie Hand bei der Wahl ihres Themas. Und wer wo seine Kunst im Aussenraum platzieren würde? «Wir haben den Künstlerinnen und Künstlern die möglichen Plätze beschrieben. Die Standorte haben sich dann ganz organisch fast wie von selbst ergeben», sagt Werner Widmer, ebenfalls mit einem Kunstwerk präsent.

«Splice»: Eine Arbeit von Sonja Rüegg im Hurnerwald.

«Splice»: Eine Arbeit von Sonja Rüegg im Hurnerwald.

Junge Kunst trifft auf bekannte Grössen

Fünfzehn Kilometer lang ist der komplette Weg. Das ist zu Fuss nicht an einem Tag zu machen und daher auch eine Einladung, bis Oktober vielleicht öfters nach Eschlikon zu kommen, um dort Natur und Kunst zu erleben. «Orbit» lohnt den Ausflug in den Südthurgau. Die Standorte der Kunstwerke schenken zusätzlich zum Kunstgenuss vor allem auf der Nordseite auch wundervolle Panoramausblicke auf den Alpstein und die Churfirsten, aber auch in anderer Richtung in den nördlichen Thurgau.

Das künstlerische Niveau der Arbeiten ist durchwegs hoch, der Fantasiereichtum spannend. Junge Kunstschaffende sind genauso vertreten wie bekannte Namen (etwa Ursula Palla oder Christoph Rütimann). Einige Arbeiten nehmen Bezug auf die Geschichte Eschlikons oder das Thema Grenze. Der Wanderer oder Velofahrer wird mit oftmals überraschender Kunst belohnt, für die er manchmal auch bewusst den Wald oder den Horizont absuchen muss. Neue Perspektiven tun sich auf neben dem reinen Unterwegssein.

«W.A.S.P.». Eine Arbeit von Guido von Stürler im Chlosterholz.

«W.A.S.P.». Eine Arbeit von Guido von Stürler im Chlosterholz.

Vom leuchtenden Gelb einer gefährlich wirkenden Wespe am Laternenmast (Guido von Stürler) über die Poesie von mit Gold bemalten Bäumen (Joëlle Allet) bis zu einer mit Marmorpulver überzogenen Aussichtszone (steffenschöni) oder zu einer Ziegelmauer (Almira Medaric), die an die Ziegelproduktion in Eschlikon erinnert: Die Arbeiten sind reizvoll und schulen nicht zuletzt die Aufmerksamkeit des Besuchers.

Hauchzart und durchsichtig ist die Installation von Victorine Müller im Josafatstal, dagegen kräftig und archaisch ein aus 800 Meter Hanfseilen gefertigtes riesiges Makramee im Hurnerwald (Sonja Rüegg): Der Reiz der Gegensätze ist nur ein Reiz dieser gelungenen Kunstschau.

Die beteiligten Kunstschaffenden

Orbit wird bestritten von: Joëlle Allet, ckö, Stefan Kreier, Almira Medaric, Victorine Müller, Elisabeth Nembrini, Ursula Palla, Sonja Rüegg, Christoph Rütimann, steffenschöni, Guido von Stürler, Nicolas Vionnet und Werner Widmer. 

Bis 3. Oktober, Grenzweg Eschlikon; Infos: www.orbit12.ch; Freitag, 28.5., 20 Uhr: Konzert mit Tobias Preisig; Freitag, 6.8., 20 Uhr: Tanz mit Naomi Schwarz (jeweils beim Standort Passhöhe/Station steffenschöni)