Festival
Lesen und Lesenlassen: Die Literaturtage Arbon schauen in die Nachbarschaft und bieten viele Zugänge zu Büchern

Vom 26. Juni bis zum 4. Juli wird rund um das Haus Max Burkhardt in Arbon gelesen – in einer Fülle von Formaten; auf der Bühne, auf dem Sofa, gemeinsam beim «Shared Reading». Gäste sind unter anderem Franz Hohler und die Vorarlberger Bestsellerautorin Monika Helfer.

Bettina Kugler
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Ruth Erat, zusammen mit Andrea Gerster Kuratorin der Literaturtage Arbon, im Haus Max Burkhardt. Gelesen wird allerdings im Garten.

Ruth Erat, zusammen mit Andrea Gerster Kuratorin der Literaturtage Arbon, im Haus Max Burkhardt. Gelesen wird allerdings im Garten.

Bild: Andrea Stalder

Lebensfroh und sonnengelb ist das Plakat. Doch einer der darauf angekündigten Gäste wird nicht mehr dabeisein beim Eröffnungsprogramm «In bester Gesellschaft» am 26. Juni unter dem Zeltdach in Arbon. Fred Kurer, St.Galler Lyriker, Übersetzer, Theaterautor und vieles mehr, musste schon vor Wochen seine Teilnahme absagen. Letzte Woche ist er nach schwerer Krankheit verstorben. So wird der Reigen kurzer Lesungen zum Auftakt des Festivals ihm gewidmet sein: eine literarische Hommage mit Suppe, Brot und Wein und Beiträgen von Christine Fischer, Clemens Umbricht und anderen.

Hohler und Helfer lesen bei Suppe, Brot und Wein

Das Haus Max Burkhardt in Arbon.

Das Haus Max Burkhardt in Arbon.

Bild: Andrea Stalder

Abgesehen von diesem traurigen Todesfall haben Andrea Gerster und Ruth Erat, die beiden Kuratorinnen der Literaturtage Arbon, allen Grund zur Freude. Nach zähen Monaten ohne Lesungen und ohne direkten Austausch unter Literaturbegeisterten fällt das kleine Festival im Garten des Hauses Max Burkhardt just auf den Beginn der zurückgewonnenen Leichtigkeit. Mag auch Lesen, ebenso wie Schreiben im stillen Kämmerlein, etwas sein, das geradezu nach Alleinsein ruft – immerzu Social Distancing tut der Literatur nicht gut. Veranstaltungen mit etwa 50 Personen passen perfekt.

Die Nachbarschaft hat während der Pandemie eine neue Bedeutung bekommen; das Thema «Nachbarschaft» stellen die insgesamt sieben Veranstaltungen deshalb in den Mittelpunkt. Bewusst setzen die Kuratorinnen auf eine Vielfalt an Formaten – von der klassischen Lesung über die szenische Variante «Books on Stage» bis hin zur fast privaten Form der Sofalesung: Samira El-Maawi wird zum Abschluss am 4. Juli aus ihrem Roman «In der Heimat meines Vaters riecht die Erde wie der Himmel» lesen. Ruth Erat sagt:

«Wir wollen viele verschiedene Zugänge zu Texten bieten. Neben der Begegnung und Vertiefung im Gespräch mit den Autorinnen und Autoren soll auch Zeit für die persönliche Lektüre sein und zum Blättern in Neuerscheinungen.»

Aktuelle Bücher von Ostschweizer Schriftstellern werden im Haus aufliegen. Zudem gibt es am Sonntag ein «Shared Reading»: Gemeinsam liest eine Gruppe von etwa zehn Personen den Roman «Während wir feiern» von Ulrike Ulrich – in Auszügen. Erwartet werden auch Gäste aus der Nachbarschaft: neben der Vorarlberger Bestsellerautorin Monika Helfer (1. Juli) liest Franz Hohler seine Erzählung «Die neue Nachbarin» (2. Juli)

Mehr als Wasserglaslesungen: Die Kuratorinnen Ruth Erat (2. v.l.) und Andrea Gerster (rechts) mit Tanja Kummer (links) und Tabea Steiner.

Mehr als Wasserglaslesungen: Die Kuratorinnen Ruth Erat (2. v.l.) und Andrea Gerster (rechts) mit Tanja Kummer (links) und Tabea Steiner.

Bild: Max Eichenberger

Wichtig ist den beiden Kuratorinnen eine «sanfte Rotation», wie Ruth Erat es formuliert: mehr als ein Wiedersehen unter alten Bekannten. Als neues, jüngeres Gesicht wird die in Frauenfeld aufgewachsene Autorin Tanja Kummer in Arbon mitreden und mitlesen - und in bester Gesellschaft sein.

26.6.-4.7., Garten und Haus Max Burkhardt, Arbon. Beschränkte Platzzahl, Anmeldung per Mail unter rutherat@hotmail.ch