EXTRAKONZERT
Eine echte Sensation: Fast heimlich kommt Martha Argerich, die «Löwin» am Klavier, nach St.Gallen

Die argentinische Starpianistin Martha Argerich macht überraschend in der Tonhalle St.Gallen Halt, im Duo mit ihrem Landsmann Dario Ntaca. Er hat den Abend privat organisiert und ist selbst ein begeisterter Fan seiner Klavierkollegin.

Martin Preisser
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Fulminantes Klavierduo: Martha Argerich und Dario Ntaca bei einem Auftritt in Singapur.

Fulminantes Klavierduo: Martha Argerich und Dario Ntaca bei einem Auftritt in Singapur.

Bild: PD

Nirgends ein Plakat in der Stadt, erst seit kurzem ein kleiner Eintrag auf der Veranstaltungsübersicht der Tonhalle: Dabei ist es eine echte Sensation, dass Martha Argerich, oft als amtierende Königin des Klaviers betitelt, St.Gallen einen Besuch abstattet. Achtzig Jahre ist die argentinische Meisterpianistin dieses Jahr geworden und tritt am 1. Dezember zusammen mit ihrem Landsmann Dario Ntaca auf. Ntaca kommt wie Martha Argerich aus Buenos Aires. Er hat sie vor vierzig Jahren in Paris getroffen, seitdem verbindet die beiden eine Freundschaft. Seit 25 Jahren spielen sie immer wieder als Klavierduo zusammen.

Dario Ntaca, selbst ein international renommierter Pianist und Dirigent, lebt seit vier Jahren im Schweizer Jura. Er hat den Auftritt in St.Gallen selbst organisiert und die Kosten dafür übernommen. Als 14-Jähriger konnte er bereits mit dem legendären Pianisten Earl Wild studieren. «Seine Sicht von romantischem Klavierspiel hat mich sehr geprägt», sagt Ntaca, «aber den grössten Eindruck hat bei mir Martha Argerich selbst hinterlassen.»

«Sie ist grosszügig, flexibel und respektvoll»

Martha Argerich wird oft als «Löwin» am Klavier bezeichnet, ihre unbändige musikalische Energie ist legendär. Und ansteckend, wie Dario Ntaca verrät. «Ich liebe neben der energischen auch die intime Seite ihres Musizierens. Duo-Spiel mit Martha ist echte Kammermusik.» Grosszügig, respektvoll und flexibel sei sie beim gemeinsamen Arbeiten, sagt der Pianist, der 2019 sein Début in der Berliner Philharmonie feierte, mit Sergei Rachmaninows «Erstem Klavierkonzert» und den Berliner Symphonikern.

Martha Argerich und Dario Ntaca spielen den Walzer aus Sergei Rachmaninows «2. Suite».

Quelle: Youtube

Rachmaninow ist auch einer der beiden Komponisten des St.Galler Programms. Wenn Argerich und Ntaca seine drei «Symphonischen Tänze» spielen, dürfte das ein fulminantes Feuerwerk geben. Sergei Rachmaninow hat das packende Orchesterwerk selbst für zwei Klaviere gesetzt, damals für sich und den legendären Vladimir Horowitz.

Der farbige, facettenreiche Klang sei es, der Martha Argerichs faszinierendes Spiel immer wieder auszeichne, sagt Dario Ntaca, der seit 2004 auch musikalischer Direktor der Sinfonietta Argerich ist und dabei als Dirigent die Solistin begleitet. Kammermusik und Musik im Klavierduo, das sind Bereiche, in denen sich Martha Argerich seit vielen Jahren aber deutlich wohler zu fühlen scheint als beim rein solistischen Spiel, das sie als Pianistin in jüngeren Jahren auf so unverwechselbar zupackende Art gezeigt hat.

Martha Argerich und Dario Ntaca spielen Claude Debussys «Prélude à l’après-midi d’un faune».

Quelle: Youtube

Neben Rachmaninow stehen zwei Werke von W. A. Mozart auf dem Programm: Die Variationen G-Dur KV 501 an einem und die Sonate D-Dur KV 448 an zwei Klavieren. Der Abend in der Tonhalle St.Gallen bietet die einmalige Gelegenheit, zwei temperamentvolle südamerikanische Pianisten in Duo-Perfektion und mit Martha Argerich eine lebende Legende der heutigen Klavierwelt zu erleben.

Mi, 1.12., 19.30 Uhr, Tonhalle St.Gallen, Karten nur über www.ticketcorner.ch.

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