«Es tut gut, sich ausprobieren zu können»: Wie die Thurgauer Schauspielerin Maria Lisa Huber den Sprung ins Bregenzer Ensemble schaffte

Maria Lisa Huber kommt aus einer Thurgauer Theaterfamilie. Ihre Eltern haben das See-Burgtheater Kreuzlingen aufgebaut und leiten es bis heute. Trotzdem war Maria Lisa Hubers Weg auf die Bühne nicht vorgezeichnet. Jetzt ist sie im Ensemble des Vorarlberger Landestheater Bregenz.

Julia Nehmiz
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Maria Lisa Huber ist seit dieser Spielzeit im Ensemble des Vorarlberger Landestheater Bregenz.

Maria Lisa Huber ist seit dieser Spielzeit im Ensemble des Vorarlberger Landestheater Bregenz.

Bild: Anja Koehler

Zum Theater? Als Berufsziel? Nie und nimmer. Als Teenager war für Maria Lisa Huber vieles in der Schwebe, aber eines stand fest: Schauspielerin wird sie nicht. Auf keinen Fall wird sie am Theater arbeiten, so wie ihre Eltern, die das See-Burgtheater in Kreuzlingen aufgebaut haben und noch heute leiten.

Die Thurgauerin lacht herzlich, als sie diese Episode erzählt, wie sie überhaupt oft lachen muss im Gespräch. Da hat eine also doch ihr Glück gefunden, und zwar genau da, wo sie eigentlich nicht hin wollte: auf der Bühne.

Maria Lisa Huber ist Schauspielerin geworden. Als sie in Berlin «Peter Pan» des amerikanischen Avantgarde-Regisseurs Robert Wilson sah, wusste sie: Das will ich auch. Wie ihre Eltern studierte sie am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Zwei Jahre arbeitete sie anschliessend frei. Jetzt hat sie das erste Festengagement ergattert: am Landestheater Vorarlberg in Bregenz, am Bodensee ­– ein bisschen wie im alten Zuhause Altnau. Und doch ganz anders.

Maria Lisa Huber singt in Bregenz zur Spielzeiteröffnung «Bella Ciao».

Maria Lisa Huber singt in Bregenz zur Spielzeiteröffnung «Bella Ciao».

Bild: Anja Koehler

70 Bewerbungen, fast keine Antwort

Maria Lisa Huber freut sich ungemein über die Festanstellung. Aus ihrem Jahrgang an der Schauspielschule sind sie drei von dreizehn, die aktuell fest in einem Ensemble arbeiten. Die Berufsaussichten sind in der Coronakrise nicht besser geworden, im Gegenteil. Viele ihrer Freundinnen und Freunde wüssten gerade nicht, wie sie überleben sollten, sagt Huber. Produktionen werden abgesagt oder verschoben, Nebenjobs in Cafés oder Bars fielen im Lockdown auch weg. «Ich bin dankbar, dass ich mich gerade in einem Festvertrag befinde und mir auf kurze Zeit keine finanziellen Sorgen machen muss», sagt die 27-Jährige. Sie habe viel Glück gehabt.

Nach ihrem Abschluss (Master of Arts) am Max-Reinhardt-Seminar schrieb sie rund 70 Bewerbungen, die Hälfte davon sogar von Hand, um so vielleicht aus der Masse herauszustechen. Ein Trugschluss: Fast kein Theater reagierte. Vorsprechen ergatterte sie über persönliche Kontakte oder über die Schauspielschule. Sie sprach sogar am Landestheater Bregenz vor. «Eine sehr begabte junge Schauspielerin, leider konnten wir sie damals nicht engagieren, weil es schon eine ähnliche Schauspielerin im Ensemble gab», sagt Intendantin Stephanie Gräve.

Das See-Burgtheater Kreuzlingen zeigte diesen Sommer Shakespeares Komödie «Was ihr wollt», Maria Lisa Huber spielte die Maria.

Das See-Burgtheater Kreuzlingen zeigte diesen Sommer Shakespeares Komödie «Was ihr wollt», Maria Lisa Huber spielte die Maria.

Bild: Reto Martin

Auf einer Premierenfeier wird ihr ein Job angeboten

Maria Lisa Huber jobbte in Clubs, arbeitete am Phönix Theater Linz, am Neuen Wiener Volkstheater, am elterlichen See-Burgtheater in Kreuzlingen. Hier stand sie zuletzt im Sommer abends als Maria in «Was ihr wollt» auf der Bühne und pendelte tagsüber für Proben nach Bregenz. Intendantin Stephanie Gräve hatte sie an einer Premierenfeier angesprochen, erinnerte sich noch gut an ihr Vorsprechen, und bot ihr eine Stelle an. Die Schauspielerin, der Huber so ähnlich sah, ist nicht mehr im Festensemble.

Huber spielte bereits im Februar in Bregenz in «Hollenstein, ein Heimatbild», berührte mit einem emotionalen Schlussmonolog. Jetzt wirkte sie beim Eröffnungsfest des Theaters mit, sang kraftvoll revolutionäre Lieder. Ab 19. September ist sie in «Woyzeck» zu sehen.

Sie fühlt sich wohl im kleinen Ensemble (sechs Schauspielerinnen und Schauspieler) und in der kleinen Stadt.

«Es tut gut, anzukommen, Raum zu haben um sich ausprobieren zu können.»

Sie liebt es, wenn sie im Spiel alles rundherum vergessen kann und ein anderer Mensch wird. Als freie Schauspielerin sei es herausfordernd, in einer Produktion zu spielen und sich gleichzeitig Gedanken machen zu müssen, wie es danach weiter gehe. Das ist nun klar: Bregenz.

Maria Lisa Huber ist am Landestheater Bregenz ab 19.9.2020 in «Woyzeck» zu sehen.

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