Drei Genfer Jugendliche wollen sich nicht länger verstecken: Einfühlsamer Dokfilm über Transgender im St.Galler Kinok

Regisseur Robin Hirsch ist ein behutsames Dokument gelungen: Seine Kamera begleitet die kleinen und grossen Schritte von drei Genfer Transjugendlichen zu ihrer wahren Identität.

Regina Grüter
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Wenn die angeborenen Geschlechtsattribute nicht zur eigenen Person passen: Filmstill aus «Sous la peau».

Wenn die angeborenen Geschlechtsattribute nicht zur eigenen Person passen: Filmstill aus «Sous la peau».

Bild: Aardvark Film Emporium

Das belgisch-niederländische Drama «Girl» handelt von Lara. Sie strebt eine Karriere als Balletttänzerin an. Doch noch ist sie gefangen im Körper eines Jungen. Der Film beschreibt ihren inneren Kampf ohne künstliche Dramatik. «Sie beschliesst, sich selbst zu sein», haben wir damals getitelt. Näher und unmittelbarer greift nun der Dokumentarfilm «Sous la peau» des Genfers Robin Harsch das Thema Transgender auf. Auch Söan, Logan und Mixair beschliessen, sich selber zu sein. Die Geschlechtsattribute, mit denen sie geboren sind, passen nicht zu ihrer Person.

Der Filmtitel ist Programm. Man soll die Protagonisten so wahrnehmen, wie sie sich unter der Haut fühlen. Das «Refuge» (Zuflucht) in Genf ist der Ort, wo die Jugendlichen sich so geben und zeigen können, wie sie sind. Die Sozialpädagoginnen Alexia und Manon unterstützen sie auf dem Weg der Veränderung.

Das Thema hat an ­Dringlichkeit gewonnen

Im Dokumentarfilmgenre ist Vertrauen essenziell. Robin Harsch hat viel Zeit investiert, nimmt seine Protagonisten ernst, macht es ihnen aber offensichtlich leicht. Er ist behutsam und feinfühlig und fasst sie doch nicht mit Samthandschuhen an. Nähe und aufrichtiges Interesse lassen das zu. Selbst Vater, hat Robin Harsch sich auch gefragt, wie Eltern damit umgehen.

Das Refuge hat in den letzten Jahren immer mehr Zulauf bekommen, das Thema an Dringlichkeit gewonnen. Söan, Logan, Effie Alexandra alias Mixair und alle anderen würden ihnen Kraft geben, gegen Intoleranz, Dummheit und Unwissenheit zu kämpfen, sagt Manon vom Refuge. «Sous la peau» ist ein äusserst sensibler Beitrag zu diesem Kampf, der sich bewusst an ein breites Publikum richtet.

«Sous la peau» läuft im Kinok St.Gallen, am 9.Oktober2020 findet im Anschluss an die 18.30-Uhr-Vorstellung eine Publikumsdiskussion statt mit dem Regisseur Robin Harsch. Das Gespräch moderiert Carmen Jeanguenat, Mitorganisatorin des «Pride Month @HSG».