Digitales Konzert
Youtube statt Kathedrale: Die Chöre der Domsingschule St.Gallen haben für ein Videokonzert jede Stimme einzeln aufgenommen

Monatelang konnten die Kinder- und Jugendchöre der Domsingschule nur online proben; solo aber war Präsenzunterricht erlaubt. Das hat die Kreativität befeuert ‒ zu hören und zu sehen ist das Resultat eine Woche lang auf der Website der Diözesanen Kirchenmusikschule.

Bettina Kugler
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Anita Leimgruber-Mauchle, Leiterin der Domsingschule, ermutigt zum Singen am Mikrofon.

Anita Leimgruber-Mauchle, Leiterin der Domsingschule, ermutigt zum Singen am Mikrofon.

Bild: pd

Die Zahlen im Abspann des rund zwanzigminütigen Musikvideos erzählen davon, was trotz Singverbot für Chöre in den letzten Monaten möglich war. Acht Zoom-Proben, 67 Sängerinnen und Sänger zwischen acht und zwanzig Jahren. Rund 100 Stunden Aufnahmezeit im Einzelunterricht und mehr als 150 Videos und Bilder. Daraus ist am Ende ein Gemeinschaftswerk geworden: Ein digitales Konzert, für das die Kinder- und Jugendchöre der Domsingschule im Fotoalbum vergangener Jahr geblättert, Bilder gemalt, Videos gedreht und diese dann zu einem Film geschnitten haben.

Da sieht man die Kleinsten aus dem Kinderchor dort, wo sonst quirliges Leben war – im Foyer des Centrums der Diözesanen Kirchenmusikschule –, bei Flugübungen vom Stuhl herab, und hört dazu ein Lied, das sich an Ostern gut in der Kathedrale machen würde: «Welcher Engel wird uns sagen, dass das Leben weitergeht? Welcher Engel wird wohl kommen, der den Stein vom Grabe trägt?» Die über hundert Engel nebenan im Dom werden es irgendwann live hören: Ebenso wie die Songs der Jugendlichen, «I Am His Child» oder «Give Us Hope». Sie passen gut in die lange, manchmal unendlich zähe Zeit des Hoffens und Wartens auf Normalität.

Zu Hause singen und proben – und dennoch an etwas Gemeinsamem arbeiten

Das Video ging schon einmal über die Leinwand, an einem Sonntag Ende März in der Kathedrale – coronabedingt jedoch nicht öffentlich und nur im Rahmen der Besichtigungszeiten. Dennoch war das Kommen und Gehen bei laufendem Video für die Beteiligten beinahe so beflügelnd wie ein Auftritt vor Publikum. Das Projekt, entstanden aus der Not des Lockdown und aus den ersten, völlig neuen Erfahrungen mit Onlineproben, hat dazu beigetragen, trotz Isolation zu Hause miteinander in Kontakt zu bleiben.

Proben via Zoom – inzwischen können die Jugendlichen wieder mit Maske und Abstand zusammen singen.

Proben via Zoom – inzwischen können die Jugendlichen wieder mit Maske und Abstand zusammen singen.

Bild: pd

Sich einzubringen mit Ideen und Videos, etwas zum Ganzen beizusteuern, hat nicht nur die Kreativität in Gang gebracht. Sondern in einer Zeit eingeschränkter Freizeitangebote den Zusammenhalt der Chorgruppen gestärkt. «Wir mussten eine Form finden, neue Lieder einzustudieren, auch wenn wir einander nicht sehen können», sagt Anita Leimgruber-Mauchle, Leiterin der Domsingschule und der beiden Kinder- und Jugendchöre:

«Für alle entstand so das Gefühl, an etwas Gemeinsamem zu arbeiten und selbst wirksam zu sein.»
Jede Stimme zählt: Hier Stimmbildner Paulo Medeiros bei der Aufnahme im Einzelunterricht.

Jede Stimme zählt: Hier Stimmbildner Paulo Medeiros bei der Aufnahme im Einzelunterricht.

Bild: pd

Einzelstimmbildung war weiterhin im Präsenzunterricht möglich; so haben die fünf Stimmbildner von jedem Kind und jedem Jugendlichen Aufnahmen im Centrum der Diözesanen Kirchenmusikschule gemacht: insgesamt mehr als 200. Den Mix übernahm mit Reto Knaus von der Tonzelle Wil ein professioneller Tontechniker, den Videoschnitt machten zwei Jugendliche der Domsingschule, Hanna-Mo Krejci und Dominik Fürer – rund 50 Stunden Arbeit stecken in den 20 Minuten Film.

50 Stunden Fleissarbeit für das digitale Konzert: Die Jugendlichen haben in Eigeninitiative mitgearbeitet und unter anderem den Videoschnitt gemacht.

50 Stunden Fleissarbeit für das digitale Konzert: Die Jugendlichen haben in Eigeninitiative mitgearbeitet und unter anderem den Videoschnitt gemacht.

Bild: pd

Entstanden ist dabei zum einen ein digitaler Ersatz für die vielen abgesagten Liveauftritte des vergangenen Jahres. Zum anderen eine Art filmische Visitenkarte der Domsingschule. Eine Woche lang wird sie auf der Website der Diözesanen Kirchenmusikschule St.Gallen zu sehen sein: Am Ostersonntag Morgen wird das Youtube-Video freigeschaltet. Dann gehen nicht nur Eltern, Verwandte und Freunde online, sondern sicher auch die Engel. Und sie wissen, dass das Leben und das Singen weitergeht.