«Die Botschaft ‹dignity› gibt den Näherinnen wie den Trägerinnen der Kleider Hoffnung»: Wie ein Kreuzlinger Label mit sozialer Mode durchstartet

Dignity Fashion gibt es erst seit einem Jahr, und doch erhalten Dank des Kreuzlinger Start-Ups indische Näherinnen einen fairen Lohn und ein Leben in Würde. Das junge Label wächst – und will auch den deutschen Markt erobern. Jetzt haben die Kreuzlingerinnen ihre erste Herbst/Winter-Kollektion in einer Modenschau präsentiert, pandemiebedingt in einer online-Show.

Inka Grabowsky
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Sara Wörner (links) und Melanie Lutz von Dignity Fashion aus Kreuzlingen präsentieren die neue Kollektion.

Sara Wörner (links) und Melanie Lutz von Dignity Fashion aus Kreuzlingen präsentieren die neue Kollektion.

Bild: Andrea Stalder

«Mir sind soooo ufgregt», postet eine Zuschauerin. Eine andere antwortet: «Yes! ich kann es kaum abwarten.» Doch die Live-Übertragung auf Youtube verzögert sich etwas. Rund sechzig Menschen betrachten schliesslich die Online-Modenschau – mehr als in Pandemiezeiten direkt vor Ort im Bodmanhaus hätten teilnehmen dürfen. Nach 17 Minuten ist es geschafft. «De Pulli is so coool», heisst es im Chat. «Sehr schöne Sweater.» – «Richtig schick!»

Das Kreuzlinger Label Dignity Fashion ergänzt die T-Shirts, mit denen es vergangenes Jahr das Debüt gefeiert hat, mit Sweatshirts und Kapuzenpullis. Der Schriftzug «Dignity» - Würde - ist mal mehr, mal weniger prominent angebracht. Das Besondere an der Kleidung sind die Bedingungen, unter denen sie hergestellt wird.

Die Models präsentieren die neuen Sweater in der Online-Modenschau.

Die Models präsentieren die neuen Sweater in der Online-Modenschau.

Bild: Screenshot

Das Mode-Start-Up arbeitet mit der Organisation Chaiim zusammen, die in Indien derzeit sechzig ehemaligen Zwangsprostituierten eine Zukunft als Näherin eröffnet. In einem vierjährigen Rehabilitationsprogramm werden die Frauen ausgebildet und gleichzeitig therapiert. Rahel Bitzer hatte das Projekt bei einer privaten Reise kennengelernt und wollte es unterstützen, indem sie – wie andere Firmen aus aller Welt auch - Nähaufträge erteilt und die dort genähte Ware vertreibt.

Anfangs kannten die Gründerinnen alle Kundinnen persönlich

Mit einem einfachen Beutel fing es an, mit T-Shirts ging es weiter. «Kommendes Jahr wollen wir die Produktpalette um Hosen und Kleider erweitern. Jeder Profit wird in die nächste Kollektion investiert», sagt Sara Wörner. Sie ist die einzige Festangestellte von Dignity Fashion. Ein Verein sorgt für ihr Gehalt. Als gelernte Modedesignerin und Schneiderin, die ausserdem bereits im Produktmanagement einer Textilagentur gearbeitet hat, bringt sie die nötigen Fachkenntnisse mit.

Sara Wörner (links) hat die Kollektion entworfen, sie und Melanie Lutz präsentieren Mode von Dignity Fashion im Bodmanhaus Thurgau – und streamen die Laufsteg-Show in alle Welt.

Sara Wörner (links) hat die Kollektion entworfen, sie und Melanie Lutz präsentieren Mode von Dignity Fashion im Bodmanhaus Thurgau – und streamen die Laufsteg-Show in alle Welt.

Bild: Andrea Stalder

Im Augenblick versenden die Kreuzlingerinnen ihre Shirts und Sweater ausschliesslich in die Schweiz, doch noch vor Weihnachten soll Deutschland dazu kommen. Sara Wörner sagt:

«Anfangs kannten wir tatsächlich noch alle unsere Kunden persönlich. Das ist schon lange nicht mehr so.»

«Viele Kunden kaufen unsere Mode, um eine gute Sache zu unterstützen», sagt Melanie Lutz, die dritte Aktivistin in Kreuzlingen, «aber wir bekommen auch tolles Feedback zur Qualität. Das Material ist sehr hochwertig und die Sachen sitzen gut.» Dignity Fashion hat die gesamte Produktionskette unter Kontrolle. «Wir kümmern uns um die Schnitterstellung, den Stoff- und Zutateneinkauf und auch um die Logistik. Chaiim ist die Nähwerksstatt, die unsere Produkte dann nach unseren Vorgaben anfertigt», erklärt Sara Wörner.

Sie pflegen die Freundschaft zwischen Kreuzlingen und Mumbai

Erleichtert waren die drei Frauen, als die jüngste Lieferung eintraf. Rahel Bitzer sagt:

«Indien hatte wegen der Corona-Pandemie einen vollständigen Shut-Down. Deshalb war nicht klar, ob die neue Kollektion überhaupt rechtzeitig ankommt.»

Sie war inzwischen mehrfach vor Ort und pflegt die Freundschaft zwischen Kreuzlingen und Mumbai. Alle drei Gründerinnen freuen sich, dass sie mit ihren Produkten dazu beitragen, dass die Frauen in Indien ihre Würde zurückbekommen.

«Wir wissen, dass unsere Shirts aber auch hier bei uns gerne an Frauen verschenkt werden, die gerade eine schwierige Zeit durchleben», so Wörner. «Die Botschaft ‹dignity› gibt den Näherinnen wie den Trägerinnen der Kleider Hoffnung.»

Auf www.dignityfashion.ch findet man Infos, Shop und die Aufzeichnung der Online-Modenschau.