Crossover
«Die Musik muss von Herzen kommen, sonst ist sie wertlos»: Der St.Galler Musiker Emanuel Riederer kombiniert im Album «Freequency Of Da Sun» gekonnt afrikanische Klänge mit Jazz, Soul und Hip-Hop

Der Schlagzeuger und Produzent Emanuel Riederer war Teil der Hip-Hop-Band Sektion Kuchikäschtli. Mit seiner Band Noumuso will er über die Musik auch die afrikanische Kultur vermitteln.

Emil Keller
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Musiker Emanuel Riederer in seinem Studio im St.Galler Güterbahnhof.

Musiker Emanuel Riederer in seinem Studio im St.Galler Güterbahnhof.

Bild: Tobias Garcia

Doundouns, Djembes, Kalimbas und ein Balafon – Emanuel Riederers Musikstudio quillt über mit westafrikanischen Instrumenten. In den vergangenen neun Jahren gingen bei ihm im St.Galler Güterbahnhof Musikerinnen und Musiker aus Südafrika, Senegal, Guinea und der Schweiz ein und aus und haben gemeinsam an einer ganz neuen Mischung afrikanischer Musik gearbeitet.

«Nouvelle musique solar (Noumuso)» heisst das Projekt, das der Schlagzeuger zusammen mit dem Djembéspieler Yamoussa Sylla 2012 gründete. Mit dem Album «Freequency Of Da Sun» präsentieren sie nun die ersten Früchte ihrer Arbeit, an dem insgesamt 21 Künstlerinnen und Künstler mitgewirkt haben.

Entstanden ist eine Platte, welche die Ur-Klänge afrikanischer Instrumente paart mit den modernen Errungenschaften aus Jazz und Neo-Soul. Unaufgeregt tänzelt dabei der viel gefeierte Jazzpianist Nduduzo Makhathini über melodiöse Rhythmen. Auch die Hip-Hop-Einflüsse von Riederer, der als Schlagzeuger der Hip-Hop-Band Sektion Kuchikäschtli in der Schweizer Musiklandschaft für Furore sorgte, scheinen dabei immer wieder durch. Angst, Genregrenzen zu übertreten, hat Riederer dabei keine. Über einen vom Hip-Hop-Musiker J Dilla inspirierten Beat legen sich plötzlich die Klänge einer Kora, des westafrikanischen Saiteninstruments, und harmonieren ganz natürlich zusammen. «Da kann man in ganz neue Welten eintauchen», schwärmt der 38-Jährige, welcher schon lange vom afrikanischen Groove fasziniert ist.

Black Music aus dem Wasserhahn

Noumuso (von links): Sadio Cissokho, Emanuel Riederer, Nduduzo Makhathini und Yamoussa Sylla.

Noumuso (von links): Sadio Cissokho, Emanuel Riederer, Nduduzo Makhathini und Yamoussa Sylla.

Bild: PD

Richtig in Berührung mit afrikanischer Musik kam Riederer erstmals in New York, wo er nach seiner Ausbildung an der Jazzschule St.Gallen sein erstes Album aufnahm. «Black Music kommt dort quasi aus dem Wasserhahn», erzählt Riederer. Sein Eintrittsticket in die Welt der afrikanischen Rhythmen erhielt er wieder zurück am St.Galler Bahnhof, als er ein paar Jungs ansprach, die auf ihren Basstrommeln musizierten.

Begeistert erzählt Riederer von seinen Erlebnissen und Bekanntschaften, die er seither auf seinen Reisen in Senegal und Guinea gemacht hat. «Dort geht es nicht darum, dass du am schnellsten Spielen kannst oder am meisten geübt hast. Die Musik muss von Herzen kommen und eine Botschaft übermitteln, sonst ist sie wertlos», berichtet Riederer von seinen Erfahrungen. Auch als Musiklehrer hat er dabei dazugelernt:

«Wir üben jahrelang, Triolen und Sechzehntel zu spielen, nur um am Ende zu merken, dass die Magie dazwischen abspielt.»

Eindrücklich war dabei der Besuch einer Griotfamilie, welche in mündlichen Überlieferungen jahrhundertealte Geschichten und historische Begebenheiten wiedergibt. «Wenn ein Griot stirbt, brennt eine Bibliothek», berichtet Riederer von einem afrikanischen Sprichwort. Mit Sadio Cissokho an der Kora konnte er einen Griot für sein Projekt gewinnen.

Für eine erfolgreiche Integration braucht es gegenseitiges Interesse

Solche Begegnungen haben «Freequency Of Da Sun» über die Jahre Stück für Stück mit aufgebaut und es zu einem vielschichtigen Werk gemacht. «Für mich ist das der Weg, langlebige Musik zu produzieren», erzählt Riederer, der in der westlichen Musikindustrie oft ein Kopieren von erfolgreichen Konzepten beobachtet. Zwar sei die Musik dadurch schnell eingängig, jedoch auch schnell wieder ausgelutscht. Tatsächlich: Auf «Freequency Of Da Sun» gibt es selbst nach vielfachem Hören immer neue Nuancen zu entdecken, ohne dass das Album überladen wirkt.

Album-Cover von «Freequency Of Da Sun».

Album-Cover von «Freequency Of Da Sun».

Bild: PD

Als nächster Schritt im Projekt Noumuso soll nun ein Film mit Tanz, Musik und Interviews folgen, um Einheimischen die westafrikanische Kultur näherzubringen. Riederer ist überzeugt, dass für eine erfolgreiche Integration nicht nur die Zuzüger die neue Sprache und Gepflogenheiten lernen, sondern auch Schweizer sich für ihre neuen Nachbarn interessieren müssen.

Gleichzeitig erhofft er sich, mit dem Film Entwicklungshilfe und Spenden für Schulen in Guinea generieren zu können. Dass dieser interkulturelle Austausch gut über die Musik funktioniert, beweist «Freequency Of Da Sun».