CORONAFRAGEBOGEN #30
Wie meistern Kulturschaffende die Pandemie? «Manchmal denke ich an meinen früheren Job zurück», sagt der Uzwiler Musiker Emanuel Reiter

In einer Serie bieten wir jeden Freitag Ostschweizer Kulturschaffenden eine Bühne und stellen ihre Projekte vor. Heute Folge 30 mit dem Uzwiler Singer-Songwriter Emanuel Reiter. Der 36-Jährige konnte sich unter anderem dank seines Tonstudios finanziell über Wasser halten. Und er weiss jetzt wieder, was Solidarität heisst.

Roger Berhalter
Drucken
Teilen
Emanuel Reiter in seinem Studio in Uzwil.

Emanuel Reiter in seinem Studio in Uzwil.

Bild: Hanspeter Schiess (11. Dezember 2017)

Der Singer-Songwriter Emanuel Reiter ist in Oberbayern aufgewachsen, kam mit 19 Jahren in die Schweiz und lebt heute in Uzwil. Seine ersten Lieder veröffentlichte er 2008, seither ist sein Deutsch-Pop regelmässig auf diversen Radiosendern zu hören. Inzwischen lebt Reiter ganz von der Musik; seinen Job als Projektleiter in der Forschung und Entwicklung hat der 36-Jährige gekündigt.

Was hat sich für Sie seit Ausbruch der Pandemie verändert?

Zum einen war da plötzlich eine finanzielle Ungewissheit, weil ich den Hauptteil meines Lebensunterhalts durch Konzerte bestreite. Von heute auf morgen war hier keine Planungssicherheit mehr gegeben. Durch Musikunterricht und die Arbeit in meinem Tonstudio in Uzwil konnte ich die Einbrüche teilweise kompensieren. Zum anderen fehlte die Energie, welche man als Künstler aus der Begegnung mit seinem Publikum zieht. Auf die Dauer habe ich den Kontakt zu den Fans sehr vermisst. In dieser Zeit war ich sehr froh, dass ich eine grosse Solidarität in meinem Umfeld gespürt habe. Mir ist wieder bewusst geworden, wie wichtig es ist, gute Menschen in seiner Nähe zu haben.

Können Sie trotz der Einschränkungen Ihrer Kunst nachgehen?

Wie erwähnt, betreibe ich auch ein Tonstudio in Uzwil und konnte durch das Schreiben von Firmensongs oder für andere Künstler gewisse Lücken kompensieren. Zusätzlich habe ich die Zeit genutzt, an meinem zweiten Album zu arbeiten. Kürzlich ist die erste Single «Auf & Davon» erschienen, die auch bereits in einigen Radios in der Schweiz und Deutschland läuft.

Wie hoch sind Ihre Einbussen wegen Corona? Was fällt für Sie alles ins Wasser?

Dies schwankt von Monat zu Monat. Zu Spitzenzeiten waren es bis 80 Prozent, die an Umsatz weggefallen sind. Durchschnittlich dürften es etwa 50 Prozent gewesen sein. An dieser Stelle möchte ich mich beim Amt für Kultur in St.Gallen bedanken, das mir hier mit Rat und Tat zur Seite gestanden ist. Und ebenfalls bei den vielen Menschen in meinem Umfeld, die mich durch diese Zeit getragen haben. Ohne sie wäre es sehr schwierig geworden.

Denken Sie manchmal ans Aufhören?

Einen Traum kann man natürlich immer nur solange verfolgen, wie auch die finanziellen Ressourcen da sind. Es wäre gelogen zu sagen, dass ich nicht manchmal an meinen früheren Job bei der Firma Bühler als Projektleiter in der Forschung zurückdenke. Diesen hatte ich übrigens nicht verlassen, weil mir die Arbeit keine Freude bereitet hätte – im Gegenteil. Ich habe einfach damals gemerkt, dass ich nicht mit geteiltem Herzen an zwei Dingen arbeiten kann.

Was spornt Sie an, weiterzumachen?

Die Leidenschaft, Lieder zu schreiben, und diese mit meinem Publikum zu teilen, treibt mich auch heute noch an.

Gibt es für Sie auch positive Coronaeffekte?

Ja, auf jeden Fall. In der Regel spiele ich pro Jahr 60 bis 80 Konzerte. Diese brauchen jeweils Vorbereitung und natürlich auch Kraft. Durch die freie Zeit konnte ich mich auf neue Songs fokussieren, so dass ich meinen Fans bald wieder neue Musik vorstellen kann.

Was wünschen Sie sich für die nächsten Monate?

Ich glaube, dass es langsam wieder möglich ist, an Konzerte zu denken. Mein Tourbus und ich sind bereit, um zum Beispiel Gartenkonzerte zu spielen. Alles, was ich brauche, sind eine Steckdose und ein paar gekühlte Getränke.

Video zur neuen Single «Auf & Davon» von Emanuel Reiter.

Quelle: Youtube

Aktuelles Projekt: Eine neue Single und bald ein neues Album

«Auf & Davon» heisst die neue Single, die Emanuel Reiter soeben veröffentlicht hat. Der Titel passt bestens in diesen Sommer, in dem das Reisen nach längerer Zeit wieder erlaubt ist. «Es geht um Fernweh, Sommer und Berlin. Und um Reykjavík», schreibt Reiter zu seinem Song. Und schliesslich gehe es darum, «das Leben wieder zu spüren. Ihr wisst bestimmt, was ich meine.» «Auf & Davon» ist der erste Vorbote von Reiters neuem Album, das im Frühling 2022 erscheinen soll.

Auch live ist Emanuel Reiter bald wieder zu erleben. In der Region etwa am 19. August am Open-Air-Kino in Uzwil. Zudem kann man den Singer-Songwriter für Gartenkonzerte buchen (Kontakt unter www.emanuelreiter.com).

Aktuelle Nachrichten