Corona-Fragebogen #4
Wie meistern Kulturschaffende die Pandemie? «Ich bin sehr oft in einer Art Quarantäne», sagt der St.Galler Künstler Beni Bischof

In einer Serie bieten wir jeden Freitag Ostschweizer Kulturschaffenden eine Bühne und stellen ihre Projekte vor. Heute Folge 4 mit dem St.Galler Künstler Beni Bischof. Ausstellungen zu planen macht ihn momentan etwas nervös, weil er nie weiss, ob sie auch eröffnet werden können.

Christina Genova
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Beni Bischof, Künstler.

Beni Bischof, Künstler.

Bild: Urs Bucher

«Corona nervt und regt zum Nachdenken an», sagt der St.Galler Künstler Beni Bischof. Soziale Medien, Werbung und Populärkultur liefern dem 44-jährigen Rheintaler Material in Hülle und Fülle für seine Kunst. Je trashiger seine Fundstücke ausfallen, umso besser.

Im Geist des Dadaismus und mit einer Neopunk-Attitüde kommentiert Bischof mit seinen ironischen und skurrilen Interventionen zeitgenössische Phänomene. In den letzten Monaten wurde zwar einige seiner Ausstellungen verschoben, vorzeitig geschlossen oder abgesagt. Dennoch ging ihm die Arbeit nicht aus, auch weil sich dank der Pandemie neue Projekte ergaben.

Was hat sich für Sie seit Ausbruch der Pandemie verändert?

Beni Bischof: Ich öffne Türen mit einem seltsamen verknorzten Klemmen mit dem Unterarm und dem Handgelenk. Sonst hat sich für mich persönlich eigentlich nicht extrem viel geändert. Ausstellungen zu planen macht mich etwas nervös. Weil man nie weiss, ob sie dann auch eröffnet werden können. Und im Hinterkopf ist immer der Gedanke, dass sie vorzeitig geschlossen werden könnten. Die allgemeine Stimmung der Leute ist gedrückt. Alle sind irgendwie abgelenkt. Das hat auch Auswirkungen auf die Stimmung einer Ausstellung.

Können Sie trotz der Einschränkungen Ihrer Kunst nachgehen?

Ja klar. Es gibt bis jetzt wenig Unterschiede. Ich bin ja sowieso meistens alleine im Studio. Ich bin quasi sehr oft in einer Art Quarantäne. Ein Atelier ist im besten Fall ein autarker Raum mit eigenen Regeln. So ein bisschen abgeschlossen von der Welt. Hier kann man gut arbeiten.

Filmstill aus der neuen Videoarbeit «Intensity Intensifies» von Beni Bischof, die ein Produkt des Lockdowns ist.

Filmstill aus der neuen Videoarbeit «Intensity Intensifies» von Beni Bischof, die ein Produkt des Lockdowns ist.

Bld: PD

Wie hoch sind Ihre Einbussen wegen Corona? Was fällt für Sie alles ins Wasser?

Ich weiss nicht, wer sich wegen Corona nicht bei mir gemeldet hat und deswegen ein Projekt nicht entstanden ist. Einige meiner Ausstellungen und Projekte wurden um ein Jahr verschoben, frühzeitig geschlossen oder abgesagt. Frühzeitig geschlossen wurde zum Beispiel die Ausstellung «Perspectives – la Collection d'art Helvetia» im Kunstmuseum von Pully. Dort habe ich eine ziemlich aufwendige Rauminstallation gemacht. Die Swiss Art Awards, bei welchen ich zu den Finalisten gehörte, wurden abgesagt und durch ein Alternativprogramm ersetzt. Trotz allem geht es mir den Umständen entsprechend gut und ich hatte dieses Jahr viel am Hut.

Denken Sie manchmal ans Aufhören?

Nein. Den Nervenkitzel würde ich vermissen.

Was spornt Sie an weiterzumachen?

Die Vorzüge meiner Arbeit schätze ich sehr. Sehr viel Zeit zu haben, um meinen eigenen absurden Ideen nachzugehen, finde ich super. Etwas Interessantes zu kreieren ist einfach ein herrliches Gefühl. Auch keinen Chef zu haben finde ich grandios. Obwohl es manchmal praktisch wäre, ihm alles Schiefgelaufene in die Schuhe zu schieben!

«Hässliche aber freundliche Teekannen» von Beni Bischof im Schaufenster der Confiserie Roggwiller. Die Werke wurden im Rahmen des Coronaprojekts «Another long evening» ausgestellt.

«Hässliche aber freundliche Teekannen» von Beni Bischof im Schaufenster der Confiserie Roggwiller. Die Werke wurden im Rahmen des Coronaprojekts «Another long evening» ausgestellt.

PD/Sebastian Stadler

Gibt es für Sie auch positive Coronaeffekte?

Es gab im letzten Jahr auch Projekte, die ohne Pandemie nicht entstanden wären. Ich war zum Beispiel bei «Another long evening» beteiligt. Dabei wurde Kunst in Schaufenstern der St.Galler Innenstadt gezeigt. Corona wird politisch noch viel zu diskutieren geben und sehr viel ins Rollen bringen. Aber sonst gibt es Covid-19 nicht viel Positives abzugewinnen. Corona knackt gerade unser Alltagsleben und vieles mehr. Es nervt und regt zum Nachdenken an.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Dass sich alles wieder normalisiert. Vor allem für meine Kulturfreunde aus Kunst, Musik und Theater.

Aktuelles Projekt: Beni Bischof stellt im MASI Lugano aus

Filmstill aus der neuen Videoarbeit «Intensity Intensifies», die im MASI Lugano zu sehen ist. Sie setzt sich aus verschiedenen Gif-Animationen zusammen.

Filmstill aus der neuen Videoarbeit «Intensity Intensifies», die im MASI Lugano zu sehen ist. Sie setzt sich aus verschiedenen Gif-Animationen zusammen.

Bild: PD

Instagram war vor allem während des Lockdowns im Frühling für Beni Bischof ein Ersatz für die geschlossenen Museen und Galerien. In den letzten zehn Monaten publizierte der Künstler dort jeden Tag ein paar Kurzanimationen – ein bis zwei Sekunden lange Stories, die existenzielle Themen behandeln, insgesamt etwa 550.

Diese Gif-Animationen wurden in der Plus-One Gallery in Antwerpen gezeigt und im September in Vevey beim Festival Images. Die Animationen sind jetzt auch Teil seiner aktuellen Ausstellung «Intensity Intensifies» im MASI in Lugano, dem Kunstmuseum der italienischsprachigen Schweiz (bis 10.1.21) . Aktuell ist ausserdem in der Zürcher Galerie Nicola von Senger die Soloshow «Clever & Smart» zu sehen.

Beni Bischof verleiht der Ausstellung im MASI Lugano unter vollem Körpereinsatz den letzten Schliff.

Beni Bischof verleiht der Ausstellung im MASI Lugano unter vollem Körpereinsatz den letzten Schliff.

Bild: PD