Corona-Fragebogen #10
Wie meistern Kulturschaffende die Pandemie? «Das Sterben gehört auch zur Kultur», sagt der Volksmusiker und Komponist Noldi Alder

In einer Serie bieten wir jeden Freitag Ostschweizer Kulturschaffenden eine Bühne und stellen ihre Projekte vor. Heute Folge 10 mit dem Musiker und Erneuerer der Appenzeller Volksmusik, Noldi Alder aus Urnäsch.

Martin Preisser
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Noldi Alder

Noldi Alder

Bild: PD

Noldi Alder gilt als profunder Kenner der Appenzeller Volksmusik und als ihr radikaler Erneuerer. Geboren 1953 in Urnäsch und einst Mitglied der legendären «Alderbuebe», experimentiert er seit 1996 als Komponist und Arrangeur, als Geiger, Hackbrettspieler und Naturjodler mit Volksmusik, Klassik und neuen Tönen. In wegweisenden Formationen wie «Das Neue Original Appenzeller Streichmusik Projekt», in Filmen wie «Heimatklänge», als Feldforscher, Opernkomponist oder Improvisator findet Noldi Alder seinen ganz eigenen, einzigartigen Weg zwischen starrer Konvention und lebendiger Moderne. 2018 erhielt den Schweizer Musikpreis.

Was hat sich für Sie seit Ausbruch der Pandemie verändert?

Noldi Alder: Die Menschen sind eingenommen von einer Angst, welche das Durchführen sämtlicher kultureller Tätigkeiten verunmöglicht.

Können Sie trotz der Einschränkungen Ihrer Kunst nachgehen?

Nein.

Wie hoch sind Ihre Einbussen wegen Corona?

95 Prozent aller Auftritte sind abgesagt oder verschoben worden. Durch die Vorschriften, die fast an einen Kriegszustand erinnern, darf man nicht einmal mehr proben.

Denken Sie manchmal ans Aufhören?

Aufhören? Nein. Jeder Mensch braucht Kultur, aber die wenigsten wissen das. Zur Kultur gehört aber mehr als nur das Musizieren, Malen, Fotografieren etc..

Was spornt Sie an weiterzumachen?

Wer aufhört, hat verloren. Das tue ich der Menschheit nicht zuliebe. Ich möchte mich nicht zu einer Subventionsgestalt degradieren lassen.

Gibt es für Sie auch positive Coronaeffekte?

Für mich gibt es keine positiven Effekte. Für einige andere vielleicht schon. Konzerte in der Öffentlichkeit sind für mich keine Belastung, da ich immer nur so viel annehme. wie ich bewältigen kann. Zeit für mich selbst habe ich mir immer genug eingerichtet.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Dass unsere Gesellschaft begreifen kann, dass das Sterben auch zu unserer Kultur gehört.