CORONA-FRAGEBOGEN #28
Wie meistern Kulturschaffende die Pandemie? «Ich beschäftigte mich mehr mit Zurückgestelltem», sagt der Kabarettist Joachim Rittmeyer.

In einer Serie bieten wir jeden Freitag Ostschweizer Kulturschaffenden eine Bühne und stellen ihre Projekte vor. Heute Folge 28 mit dem Kabarettisten Joachim Rittmeyer, der in St.Gallen aufgewachsen ist. Die Pandemie verhilft ihm zu schärferen Einsichten in die menschliche Natur. Und er hat scheinbar Selbstverständliches wie einen Restaurantbesuch schätzen gelernt.

Christina Genova
Merken
Drucken
Teilen
Kabarettist Joachim Rittmeyer tritt vom 8. bis 12. Juni 2021 in der Kellerbühne St.Gallen auf.

Kabarettist Joachim Rittmeyer tritt vom 8. bis 12. Juni 2021 in der Kellerbühne St.Gallen auf.

Bild: Patrick Luethy, Olten, 21. Mai 2021

«Der Grossmeister der skurrilen Rituale und wunderlichen Denkmanöver». So wird der Kabarettist Joachim Rittmeyer von der Jury des Kleinkunstpreises Salzburger Stier bezeichnet. Sie hat den gebürtigen St.Galler mit dem Salzburger Ehrenstier 2021 ausgezeichnet. Er wird Rittmeyer am 25. Juni in Karlsruhe verliehen. Der 70-Jährige brachte mit 23 Jahren sein erstes Solo-Programm «Lachen und Pfützen» heraus. Bis heute sind 20 weitere Soloprogramme dazugekommen, Aktuell ist er mit die «Neue Geheimnische» auf Tournee.

Neben seinen Soloabende führt Rittmeyer auch Regie, zum Beispiel bei Karl's Kühne Gassenschau, und erfindet Gesellschaftsspiele. Er lebt und arbeitet in Basel und Delémont. Auf der Bühne verkörpert der
Kabarettist schrullige Alltagsfiguren. Zu seinen dienstältesten und bekanntesten Figuren zählen der unbeholfene Hanspeter Brauchle mit dem gelben Strickpulli und Theo Metzler mit der verrückten Brille.

Was hat sich für Sie seit Ausbruch der Pandemie verändert?

Ich beschäftigte mich mehr mit Zurückgestelltem – Spieleerfindungen, der Erlernung eines Instruments, literarischen Hochgebirgstouren.

Können Sie trotz der Einschränkungen Ihrer Kunst nachgehen?

Ja, weil ich wohl wie eine Wolke funktioniere: sich aufladend aber nicht sich immer entleeren müssend!

Wie hoch sind Ihre Einbussen wegen Corona? Was fällt für Sie alles ins Wasser?

Ich kann sie nicht beziffern, aber sie sind natürlich da. Die AHV-Zahlungen wirken in meinem Fall entschärfend.

Joachim Rittmeyer mit seinem aktuellen Soloprogramm «Neue Geheimnische».

Quelle: Youtube

Denken Sie manchmal ans Aufhören?

Nein. Und wenn manchmal, dann nicht beeinflusst durch Corona!

Gibt es auch positive Corona-Effekte?

Siehe oben, sowie: Wertbewusstsein in absentia von vorher selbstverständlichen Einrichtungen wie zum Beispiel Restaurants oder Cafés. Und: schärfere Einsichten in die menschliche Natur – man will nichts vom Schatten wissen, der uns Lebende stets begleitet. Grundsätzlich: Was vor Corona verdeckt da war, zeigte sich jetzt besonders deutlich.

Was wünsche Sie sich für die nächsten Monate?

Sommerwetter wie früher.

Aktuelles Projekt

Parallel zu seinem neuen Soloprogramm «Neue Geheimnische» spielt Joachim Rittmeyer zusammen mit Patrick Frey die Duo-Komödie «Der letzte Piepser». Darin inszenieren die beiden gestandenen Kabarettisten mit viel Selbstironie ein mögliches Sterben auf der Bühne. Es geht um's Lachen auf Leben und Tod.

In den Rollen eines beruflich angeschlagenen Komikers und seines erfolgsgierigen Managers entwickeln Frey und Rittmeyer eine riskante Geschäftsidee, bei der die gesundheitliche Krise des Altstars, die Skrupellosigkeit des Managers, vor allem aber die Sensationsgier des Publikums die entscheidende Rolle spielen.

Vom Dienstag, 8. Juni, bis Samstag, 12. Juni, treten die beiden die beiden Kabarettisten mit «Der letzte Piepser» in der Kellerbühne St. Gallen auf.