CORONAFRAGEBOGEN #25
Wie meistern Kulturschaffende die Pandemie? «Es war im ersten Moment hart», sagt der St.Galler Kabarettist Manuel Stahlberger

In einer Serie bieten wir jeden Freitag Ostschweizer Kulturschaffenden eine Bühne und stellen ihre Projekte vor. Heute Folge 25 mit dem St.Galler Kabarettisten und Liedermacher Manuel Stahlberger. Wegen Corona musste er seine Soloauftritte im dümmsten Moment abbrechen. Dafür fand er so viel Zeit für die Band wie noch nie.

Roger Berhalter
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Manuel Stahlberger posiert mit Gitarre in seinem St.Galler Atelier.

Manuel Stahlberger posiert mit Gitarre in seinem St.Galler Atelier.

Bild: Michel Canonica (6. Februar 2020)

Seit bald 30 Jahren steht Manuel Stahlberger als Kabarettist auf Schweizer Kleinkunstbühnen. Zunächst im Duo Mölä & Stahli, später zusammen mit Stefan Heuss unter dem Namen Stahlbergerheuss. Zudem machte er sich als Zeichner einen Namen, etwa mit den «Herr Mäder»-Comics im Ostschweizer Kulturmagazin «Saiten».

Heute konzentriert sich der 46-Jährige auf seine Arbeit als Solokünstler; derzeit tritt er mit dem Programm «Eigener Schatten» auf. Zum anderen singt Stahlberger in der gleichnamigen Band, mit der er schon vier Alben veröffentlicht hat.

Was hat sich für Sie seit Ausbruch der Pandemie verändert?

Im Februar 2020 startete mein neues Soloprogramm, vier Wochen nach der Premiere kam der Lockdown. Das war im ersten Moment hart, denn ich hatte über ein Jahr auf diese Premiere hingearbeitet und mich sehr auf die Tournee gefreut. Stattdessen habe ich viel Zeit mit meiner Band im Proberaum verbracht, und wir haben Songs für ein neues Album komponiert. Mittlerweile kann ich wieder auftreten vor 50 Leuten, das tut gut.

Können Sie trotz der Einschränkungen Ihrer Kunst nachgehen?

Ja. Schreiben und Neues kreieren kann ich jederzeit. Und im Herbst, ein paar Wochen, bevor alles zum zweiten Mal zuging, habe ich zusammen mit Bit-Tuner ein Album veröffentlicht. Darauf sind die Songs aus meinem Soloprogramm, die so doch noch etwas weitere Kreise gezogen haben.

Wie hoch sind Ihre Einbussen wegen Corona? Was fällt für Sie alles ins Wasser?

Ich weiss nicht, wie hoch die Einbussen sind. Natürlich verdiene ich mehr, wenn ich Konzerte spiele und dabei noch Bücher und Platten verkaufe. Aber ich kann mich nicht beklagen, denn ein guter Teil der entfallenen Gagen wird mir entschädigt. So komme ich durch. An den Gagen verdienen auch meine Bookerin und mein Techniker.

Manuel Stahlberger an der Taufe seines Albums «Dini Zwei Wänd» im St.Galler Palace.

Manuel Stahlberger an der Taufe seines Albums «Dini Zwei Wänd» im St.Galler Palace.

Bild: Benjamin Manser (19. April 2019)

Denken Sie manchmal ans Aufhören?

Nein.

Was spornt Sie an, weiterzumachen?

Ich habe den besten Beruf, den ich mir denken kann. Die Ungewissheit gehört sowieso ein Stück weit zu diesem Beruf. Wenn mich plötzlich niemand mehr buchen wollte, dann müsste ich etwas anderes anfangen, aber nicht wegen Corona, zum Glück.

Gibt es für Sie auch positive Coronaeffekte?

Corona hat mir Zeit freigesprengt, die ich mit der Band genutzt habe. Wir haben noch nie so viel Musik zusammen gemacht wie in den letzten Monaten. Das war für mich das Beste.

Was wünschen Sie sich für die nächsten Monate?

Dass wieder mehr Zufälle möglich sind. Ungeplante Bewegungen und Begegnungen. Wenn man sich nicht von Zeit zu Zeit ins Durcheinander begeben kann, wenn man sich nur organisiert oder am Bildschirm treffen darf, wird man auf die Länge seltsam und matt, dünkt mich.

Manuel Stahlberger und sein Mitmusiker Bit-Tuner.

Manuel Stahlberger und sein Mitmusiker Bit-Tuner.

Bild: PD/Michael Bodenmann

Aktuelle Projekte: Endlich wieder Soloauftritte und bald wieder Bandmusik

Manuel Stahlberger ist nach einer Bühnenpause wieder auf Tour (aktuelle Spieldaten siehe hier). Einerseits mit seinem Soloprogramm «Eigener Schatten». Von Zeit zu Zeit tritt er aber auch im Duo mit dem St.Galler Beatproduzenten Bit-Tuner auf. Dieser hat die Songs des Soloprogramms produziert, und er spielt Bass in Stahlbergers Band. Aus dieser musikalischen Ecke ist ebenfalls bald Neues zu hören: Die fünfköpfige Band steht kurz vor Aufnahmen für ein neues Album.

«Mengmol hät sie Angscht» von Manuel Stahlberger und Bit-Tuner.

Quelle: Youtube

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