CORONAFRAGEBOGEN #18
Wie meistern Kulturschaffende die Pandemie? «Corona hat meine Sicht auf weltweite Zusammenhänge geschärft», sagt die St.Galler Künstlerin Andrea Vogel

In einer Serie bieten wir jeden Freitag Ostschweizer Kulturschaffenden eine Bühne und stellen ihre Projekte vor. Heute Folge 18 mit Andrea Vogel, einer Künstlerin, die oft die Atmosphäre von Räumen und Orten auslotet und deren Besonderheiten auf den Grund geht.

Martin Preisser
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Die St.Galler Künstlerin Andrea Vogel.

Die St.Galler Künstlerin Andrea Vogel.

Bilder: PD

Im Coronajahr 2020 war Andrea Vogel in Arbon in der Gruppenausstellung «Geiler Block» vertreten. In Frauenfeld gestaltete sie letzten August im Shed im Eisenwerk das Sommeratelier unter dem Motto «Es brennt mir unter den Nägeln». Geboren 1974 im Kanton Bern, lebt Andrea Vogel heute in St.Gallen. Die Künstlerin lote auch Grenzen zwischen Anmut und Stolpern, zwischen Schönheit und Gefahr aus. Auch das Vergängliche spiele eine wichtige Rolle in Andrea Vogels Werk, schreibt die Kunsthistorikerin Kristin Schmidt: «Vergänglich sind auch die Arbeiten der Künstlerin mit Wasser. Es ist ein wiederkehrendes Element, das sehr unterschiedlich genutzt wird. Andrea Vogel schätzt insbesondere die performativen Qualitäten des Wassers.» Verwandlung und Transformation sind weitere wichtige Merkmale des Schaffens von Andrea Vogel.

Was hat sich für Sie seit Ausbruch der Pandemie verändert?

Andrea Vogel: Anfangs war ich einfach nur baff von der weltweiten Auswirkung dieser Pandemie. Normalerweise sind wir gut behüteten Schweizerinnen und Schweizer ja gewohnt, dass wir Katastrophen einfach wegzappen können. Die Leere, Stille und auch die Maskierung von uns Menschen liess mich staunen und ich musste mir immer wieder aufs Neue bewusst werden, hey das ist real, das ist nicht Science-Fiction. Das hat meine Sicht auf weltweite Zusammenhänge verändert und ich bin so oft zu Hause und im Atelier wie noch nie. Vor allem abends!

Können Sie trotz der Einschränkungen Ihrer Kunst nachgehen?

2020 war für mich trotz Corona ein sehr aktives Kunstjahr und ich hatte Glück, dass all die geplanten Ausstellungen in den Sommer- und Herbstmonaten stattfinden konnten. Der Kunst nachgehen kann ich grundsätzlich immer und ich habe selten einen fürs ganze Jahr durchgeplanten Terminkalender. Viele Anfragen passieren oft auch relativ kurzfristig, und das hat Vor- und Nachteile.

Wie hoch sind Ihre Einbussen wegen Corona? Was fällt für Sie alles ins Wasser?

Für mein international angelegtes Projekt «Sculpture Massage» wäre ich gerne diesen Frühling wieder ins Ausland gereist. Da dies in diesem Jahr bis jetzt nicht möglich war, war ich, wie bereits letzten Frühling, in der Schweiz unterwegs. So habe ich am 8. März, dem internationalen Tag der Frau, die Statue «Frau» von Alis Guggenheim (1896–1958) in Zürich und die Helvetia von Bettina Eichin in Basel massiert. Es war wie ein Erwachen aus dem Winterschlaf.

Denken Sie manchmal ans Aufhören?

Nein, immer wieder ans «Wie weiter?».

Was spornt Sie an, weiterzumachen?

Das Unvorhersehbare.

Die Künstlerin bei der Massage einer Skulptur.

Die Künstlerin bei der Massage einer Skulptur.

Bild: PD

Gibt es für Sie auch positive Coronaeffekte?

Ich nutze die Off-Zeit als On-Zeit für mich ganz persönlich. Das führt zuweilen zu anstrengenden Grübeleien, aber auch zu neuen Impulsen und Gelüsten und sei es nur, dass ich zum Beispiel jetzt Brot nur noch selber backe.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Dass wir bald wieder unbeschwert zusammen essen, tanzen und die ganze kulturelle Palette live geniessen und gestalten können, und dass sich die weltweite Pandemieerfahrung im besten Fall solidarisch in unserem Zusammenleben widerspiegeln wird.

Aktuelle Projekte:

Im August ist in der Arboner Galerie Bleisch eine Einzelausstellung mit Werken von Andrea Vogel geplant. Die Website www.frauvogel.ch informiert über das facettenreiche Schaffen der Künstlerin.