CHORJUBILÄUM
Der Oratorienchor St.Gallen muss weiter auf seine grosse Geburtstagsfeier warten

Letztes Jahr wäre er 400 Jahre alt geworden: Der Oratorienchor St.Gallen hatte gehofft, das grosse Jubiläum jetzt nachfeiern zu können. Es wird aber 2022, bis auch die zum Fest geplante Uraufführung eines Werks von Alfons K. Zwicker über die Bühne gehen wird.

Martin Preisser
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Das offizielle Jubiläumsfoto des Oratorienchors St.Gallen in der Laurenzenkirche.

Das offizielle Jubiläumsfoto des Oratorienchors St.Gallen in der Laurenzenkirche.

Bild: PD

Es ist bitter, drei Wochen vor dem Festakt zum 400. Geburtstag ein sehr lange geplantes Konzert absagen zu müssen. Der erste Lockdown hatte die Feier zum aussergewöhnlichen Geburtstag des ältesten St.Galler und ältesten Schweizer Chores am Palmsonntag 2020 hinfällig gemacht. Vor einem Jahr schaute man dann hoffnungsvoll und mit viel Optimismus auf 2021. Aber auch diesen Palmsonntag gibt es kein Konzert mit dem Oratorienchor St.Gallen, dessen Markenzeichen ja die grossen Chorwerke zu Palmsonntag sind.

Geplant war neben dem «Deutschen Requiem» von Johannes Brahms zum Jubiläum auch eine Uraufführung eines extra für diesen Anlass komponierten Chorwerks des St.Galler Komponisten Alfons K. Zwicker. Unter den erschwerten Umständen und bei den aktuellen Abstandsregelungen wäre sein Werk auch per Streaming im Moment nicht zu realisieren. Seine Vertonungen von Texten von Nelly Sachs müssen ein weiteres Jahr warten.

Brahms-Requiem in einer Fassung ohne Orchester geplant

Untätig ist der Oratorienchor St.Gallen auch im Coronajahr aber nicht geblieben. Es gab eine kleine, aber feine Ausstellung zur vierhundertjährigen Chorgeschichte in der Vadiana. Letzten September hat der Chor zumindest zwei Nummern aus dem Brahms-Requiem gesungen. In der Christkatholischen Kirche in St. Gallen, wo auch noch das Nachtlied von Robert Schumann zur Aufführung kam. Das Brahms-Requiem hat der Chor im Kasten. Und plant voller Optimismus ein Konzert in der evangelischen Kirche in Rorschach, wo mit entsprechendem Abstand gesungen werden kann. Am 27. Juni soll das Requiem dort über die Bühne gehen, allerdings nicht mit Orchester, sondern in der von Brahms selbst eingerichteten Fassung für Chor und zwei Klaviere. Ein allfälliger Ausweichtermin könnte dann im September sein.

Der Dirigent des Oratorienchores St.Gallen, Uwe Münch, bei einer Probe im Jahr 2012.

Der Dirigent des Oratorienchores St.Gallen, Uwe Münch, bei einer Probe im Jahr 2012.

Bild: Hanspeter Schiess

Beim Oratorienchor konnten die Mitglieder im Corona-Jahr Einzelunterricht nehmen und jeweils für 30 Minuten Lektionen in Stimmbildung nehmen. Weiter gab es die Möglichkeit online in Übelektionen am Brahms zu arbeiten. Der Chor ist im Augenblick etwas kleiner. «Unsere älteren Mitglieder sind im Moment vorsichtig», sagt die Präsidentin des Oratorienchors, Ursula Frey.

Existenzängste plagen den Chor noch nicht, aber man schaue schon mit etwas Sorge in die Zukunft. Ihrem Dirigenten Uwe Münch, der Stimmbildnerin Isabell Marquardt und der Korrepetitorin Claire Pasquier hat der Chor bisher weiterhin die Löhne auszahlen können. «Wir haben viel Wohlwollen, auch seitens der offiziellen Kulturinstitutionen, gespürt», sagt Ursula Frey. Der Chor hofft, dass er im Sommer intensiv proben kann und lebt mit viel Zuversicht, dass der 400. Geburtstag dann endlich 2022, wenn der Chor schon wieder zwei Jahre älter ist, gebührend gefeiert werden und die Uraufführung von Alfons K. Zwickers Werk dann Wirklichkeit werden kann.