CD-Tipp

Inniges Verschmelzen: Neue Duo-Klänge aus der Ostschweiz

Stilvielfalt, Hingabe und Sich-Finden im gemeinsamen Klang: Das ist der rote Faden durch eine gelungene, abwechslungsreiche neue CD der beiden Ostschweizer Musiker Stefan Baumann (Violoncello) und Goran Kovacevic (Akkordeon). «Twogether» ist sie betitelt.

Martin Preisser
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Stefan Baumann und Goran Kovacevic sind seit über zehn Jahren musikalisch immer mal wieder zu zweit unterwegs.

Stefan Baumann und Goran Kovacevic sind seit über zehn Jahren musikalisch immer mal wieder zu zweit unterwegs.

Bild: Thomas Flück

Die CD-Taufe war bereits ausgebucht und fällt jetzt den erneut strengeren Corona-Regeln zum Opfer. Der Trost: Diese Musik lässt sich wunderbar im adventlichen Zuhause geniessen. Auch wenn Stefan Baumann und Goran Kovacevic beim Startstück fast so beginnen, als wollten sie Baumaschinengeräusche nachahmen. Dann geht es aber übers Improvisieren und einen kleinen Minimal Music-Anklang in ein spannendes Abtasten, in eine Auslegeordnung, wie man die Klänge von Cello und Akkordeon denn variantenreich verschmelzen lassen könnte.

Direkt geht es dann in Jodel und Walzer über. Baumann und Kovacevic können auch Volkstümliches wunderbar zu Herzen gehend spielen. Das Verschmelzen ist das klanglich Fesselnde dieser neuen CD, da sind oft Akkordeon und Cello kaum noch zu unterscheiden. Der Akkordeonist scheint zu streichen, der Cellist zu blasen und zu atmen. Von lüpfig zu wehmütig: Ein melancholisches Stück des frühbarocken John Dowland geht völlig sinnvoll in ein armenisches Wiegenlied über, das auch perkussiv eingerahmt wird. Der Stil wird immer nebensächlicher auf dieser farbigen CD. Wie die beiden Künstler den Kern des jeweiligen Stils im Sinne von etwas universal Übergeordnetem freilegen, ist das spannende Hörerlebnis.

Alles ist sehr gesanglich und emotional gedacht

Wie Goran Kovacevic mit dem Eingangsstück und einer souligen Blues-Ballade hat auch Stefan Baumann zwei Eigenkompositionen zum neuen Album beigesteuert. «Happy» heisst der erste Beitrag und verführt zu Tango, wo ja das subtile Verschmelzen die hohe Kunst ist, welche die beiden Musiker bei diesem Stück mit ihren Instrumenten erneut beweisen. In Baumanns Beitrag «Gelbspötter» ist es die rhythmische Kraft, die beide Instrumente faszinierend vorantreibt.

Das Arrangement von Saint-Saens «Schwan» klingt bei Baumann und Kovacevic bisweilen so, als hätte es Astor Piazzolla mit argentinischem Kolorit unter die Lupe genommen. Nach einem Bach-Adagio runden zwei Kompositionen mit dem jüdischen Hintergrund von Ernest Bloch diese sehr gesanglich und emotional gedachte CD ab. Die traumwandlerische Verbindung von Streich- und Blasinstrument lässt sich mit jedem Titel geniessen. Und kann als Präsent unter dem Weihnachtsbaum nur empfohlen werden.

CD erhältlich via Websites der Künstler: www.stefanbaumann.ch und
www.goran-kovacevic.com