Figurentheater

Bitte nur ganz leise klatschen: Im Figurentheater St. Gallen hat Maskottchen Filou die erste Adventskerze angesteckt

Orangenduft, Schneegestöber und Vorfreude auf herrlich unnütze Geschenke durchziehen die weihnachtlichen Kindheitserinnerungen des Dichters Dylan Thomas. Simon Deckert bringt sie auf die kleine Erzählbühne im Bistro des Figurentheaters, und dabei wird nicht nur der Klappmaulpuppe Filou warm ums Herz.

Bettina Kugler
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Maskottchen Filou lässt sich bei Kerzenschein im Bistro des Figurentheaters Geschichten erzählen und in Weihnachtsstimmung bringen - hier von Simon Deckert. Gäste jeden Alters sind willkommen.

Maskottchen Filou lässt sich bei Kerzenschein im Bistro des Figurentheaters Geschichten erzählen und in Weihnachtsstimmung bringen - hier von Simon Deckert. Gäste jeden Alters sind willkommen.

Bild: Stephan Zbinden

Summen darf man noch, lauthals frohlocken nicht - doch passt das Leise ohnehin viel besser zum Advent. Dieses Gefühl stellt sich alsbald ein, kaum hat man Platz genommen im nigelnagelneuen, gemütlich eingerichteten Bistro des Figurentheaters St.Gallen. Der Lärm des frühen Abends darf jetzt eine gute halbe Stunde lang draussen bleiben; vielleicht dämpfen ihn bald die zarten Flöckchen, die gerade wieder begonnen haben, die Stadt mit Puderzucker zu bestäuben.

Ein Hauch nur, verglichen mit den Massen an Schnee, von denen der walisische Dichter Dylan Thomas so lebhaft aus Kindheitstagen berichtet! Ein weisses Tuch, das sich von allen Seiten übers Land legt, die Spuren der Sängerknaben verwischt, die in der Kälte ihre weihnachtlichen Carols singen, «Hark! the Herald's Angels sing» zum Beispiel. Simon Deckert pfeift den weihnachtlichen Jubelchor vor sich hin, bevor er mit Gitarre und ein paar wenigen Figuren zum Aufstellen auf der Erzählbühne im Bistro sitzt und mit uns durch Zeit und Raum in entschwundene Weihnachtswelten reist.

Filou liebt «Sprüche, würzig aus der Weihnachtsküche»

Mit von der Partie und ganz Ohr ist Filou, Maskottchen des Figurentheaters, gespielt von Frauke Jacobi. Erst wundert er sich etwas, dass da noch andere sitzen: viele Erwachsene und auch ganz Kleine, insgesamt knapp zwanzig, also eine coronaverträgliche Zahl. Traute Zweisamkeit hat man schliesslich das ganze Jahr schon oft genug gehabt, und im Advent wärmt es das Herz, ein bisschen zusammenzurücken - natürlich hygienisch einwandfrei und mit genügend Abstand.

Im sanften Dämmerlicht verschwindet die Mühsal der Schutzmassnahmen eine Weile; schön, dass die erste Kerze brennt und Filou sich, als sei er Kobold Pumuckl, seinen Reim auf den Advent und seine Bräuche macht. Wer mag, darf dazu auch eine Tasse Tee trinken oder ein Glas Sirup und sich in der guten Stube des Theaters zu Hause fühlen.

Kratzige Wollgeschenke, glitzernde Weihnachtslichter

Was folgt, ist weniger eine zusammenhängende Geschichte, eher eine glitzernde Girlande kleiner Weihnachtslichter, ein Vorgeschmack auf Festfreuden für alle Sinne: auf Glöckchenklang, den Duft feiner Speisen (auch Wackelpudding, falls man den mag), auf die nützlichen Wollgeschenke und die viel besseren, weil unnützen Gaben.

Unnütz, nicht gerade lebensnotwendig sind denn wohl auch immaterielle Geschenke wie ein öffentlicher Erzählabend bei freiem Eintritt. Doch ohne solche Lichtblicke wären speziell der Advent und überhaupt das ganze Leben ziemlich trostlos. So klatscht man also, weil der Knabe Dylan Thomas gerade erinnerungsselig eingeschlummert ist, extra pianissimo und summt hinter der Maske das Lied vom lieben ersten Advent. Die zweite Strophe folgt schon bald.

Weitere Termine: 9.12. (mit Lukas Bollhalder), 16.12. (mit Simon Deckert), 23.12. (mit Lukas Bollhalder), jeweils 18 Uhr, Figurentheater St. Gallen. Keine Altersempfehlung, keine Reservation nötig. Eintritt frei, Kollekte.