Baugesuch
Kaum eröffnet, schon zu klein: Warum das Theater St. Gallen sein Provisorium um drei Container erweitert

Vorstellungen sind verboten, seit Wochen ist das Theaterprovisorium in St. Gallen fürs Publikum geschlossen. Trotzdem hat das Theater ein Baugesuch eingereicht. Denn das Provisorium ist zu klein.

Julia Nehmiz
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Jede Vorstellung ein kleiner Umzug: Das Bühnenbild für das Musical «Wüstenblume» wird im November 2020 vom Lager in Wittenbach ans Theaterprovisorium in St. Gallen gebracht.

Jede Vorstellung ein kleiner Umzug: Das Bühnenbild für das Musical «Wüstenblume» wird im November 2020 vom Lager in Wittenbach ans Theaterprovisorium in St. Gallen gebracht.

Bild: Benjamin Manser

So richtig in Betrieb genommen werden konnte es noch gar nicht. Das Theaterprovisorium, in welchem das Theater St. Gallen während der zweieinhalbjährigen Umbaupause eine temporäre Heim- und Spielstätte findet, wurde zwar plangemäss im Oktober 2020 mit einer Opernpremiere eröffnet. Doch weder die Bar im Foyer (laut Theater die längste Theke der Stadt) noch sämtliche Zuschauerplätze konnten je genutzt werden. Und nur zwei Premieren und eine Wiederaufnahme später war dann komplett Schluss – geschlossen wegen Corona.

Seit Mitte Dezember ruht der Spielbetrieb gezwungenermassen. Trotzdem hat das Theater bei der Stadt ein Baugesuch eingereicht. Wenige Meter neben dem Theaterprovisorium sollen drei Seecontainer aufgestellt werden. Zwölf Meter lang, fast acht Meter breit, knapp drei Meter hoch. Bausumme: 20'000 Franken. Aber wozu braucht es die?

Die nächtlichen Umbauten nach den Vorstellungen waren zu laut

Georges Hanimann, Technischer Leiter Theater St.Gallen.

Georges Hanimann, Technischer Leiter Theater St.Gallen.

Bild: Michel Canonica

Georges Hanimann, der Technische Leiter des Theaters, klärt auf: Die Container sollen als Kulissenlager dienen.

«In den drei grossen Schiffscontainern werden Ausstattungsteile gelagert, welche auf der Bühne im Theaterprovisorium eingesetzt werden.»

So könnten die Ausstattungsteile direkt neben dem Provisorium aufbewahrt werden, der lange und umständliche Transport ins Aussenlager nach Wittenbach entfalle. Denn im Theaterprovisorium gibt es – anders als im Theatergebäude – keine Hinter- oder Seitenbühne, auf welcher die Kulissen mehrerer Inszenierungen bis zur jeweiligen Vorstellung aufbewahrt werden.

Hier, zwischen Theaterprovisorium und Schulhaus, sollen die drei Schiffscontainer aufgestellt werden.

Hier, zwischen Theaterprovisorium und Schulhaus, sollen die drei Schiffscontainer aufgestellt werden.

Visualisierung: PD

Doch warum wurde das erst jetzt bemerkt? Ein Kulissenlager hätte man ja von Anfang an fürs Provisorium mit einplanen können. «Ursprünglich war geplant, die Bühnenbilder jeweils im Anschluss an die Vorstellungen abzubauen und das Material wegzutransportieren», sagt Georges Hanimann. Dies habe sich aber nicht umsetzen lassen, weil durch diese Verladearbeiten die Lärmimmissionen auf die Umgebung zu gross waren.

Durch die drei Schiffscontainer soll das nun alles einfacher werden. Auch, was die Immissionen auf die Umgebung angeht: Laut Baugesuch wird das neue Container-Kulissenlager montags bis samstags von 8 bis 20 Uhr genutzt, sonntags von 9 bis 19 Uhr. Und wenn alles klappt und keine Einsprachen eingehen, kann das Theater sein neues temporäres Kulissenlager bereits Mitte oder Ende Februar in Betrieb nehmen.