Ausstellung
Elvis lebt immer noch: Der Thurgauer Valentin Magaro zeigt ein Faltbuch zu Verschwörungstheorien

Im Kunsthaus Elsau stellt der Künstler seine über zwei Meter lange Lithografie aus. Es ist ein Bilderbuch für Erwachsene, in welchem neben den Verschwörungsklassikern Chemtrails, Flacherde oder Mondlandung auch neue Zusammenhänge aufgezeigt werden.

Dieter Langhart
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Valentin Magaro und seine Lithografie «HCON REMMI TBEL SIVLE», die sich zu einem Leporello falten lässt.

Valentin Magaro und seine Lithografie «HCON REMMI TBEL SIVLE», die sich zu einem Leporello falten lässt.

Bilder: Donato Caspari

Verstehen Sie diesen Werktitel? Mit «HCON REMMI TBEL SIVLE», einer Litografie, greift der Thurgauer Künstler Valentin Magaro ein aktuelles, wenn nicht akutes Thema auf. Es treibt ihn seit Monaten um, stimmt ihn nachdenklich, inspiriert ihn. «ELVIS LEBT IMMER NOCH» dient ihm als Metapher für all die Verschwörungstheorien, die gar manche Hirne besetzen, deren dumpfbackigen Deutungshoheiten Debatten und gesellschaftliche Verwerfungen auslösen. Er begann zu recherchieren, las sich tief ins Thema ein, stiess auf Abstrusitäten und auch auf die rechtsextreme Bewegung QAnon in den USA.

QAnon behauptet, dass eine internationale, pädophile Elite Kinder verschleppt und misshandelt, um aus ihrem Blut eine Verjüngungsdroge zu gewinnen.

QAnon behauptet, dass eine internationale, pädophile Elite Kinder verschleppt und misshandelt, um aus ihrem Blut eine Verjüngungsdroge zu gewinnen.

Bild: Donato Caspari

«Als Künstler interessieren mich alle möglichen Arten von fiktionalen Geschichten», sagt Magaro. Er beschäftigt sich seit Jahren mit Erzählstrukturen in der Zeichnung und Malerei; ihm ist es wichtig, mit seinen Bildern Geschichten zu erzählen – noch besser: Geschichten im Betrachter auszulösen.

Der 1972 in Münsterlingen geborene und in Winterthur lebende und arbeitende Künstler hat sich eine unverwechselbare Bildsprache erarbeitet: Sujets aus unserer Welt treffen auf Motive aus der Kunst- und Kulturgeschichte, und alles verwebt Magaro zu einem labyrinthischen Kosmos voller Rätsel und Anspielungen. Seine Bildwelt wird zum Hybrid, zur rätselhaften Sphinx; sie lässt jegliche Sinndeutung ins Leere laufen, sodass der Betrachter letztlich auf sich selbst zurückgeworfen ist. Er sagt: «Ich mag krude, fantastische Geschichten.»

Brandgefährliche Theorien

Fiktion ist seit Jahren Magaros Hauptthema, also die Vorstellungen, die wir uns von der Welt machen. Früher habe er viel probiert und improvisiert, heute arbeite er sehr konzentriert an seinen Themen. Die «Elvis»-Lithografie (42 x 240 cm), die sich zu einem Leporello falten lässt, ist ein Reigen der Verschwörungstheorien und wirkt wie ein Kondensat aus Magaros Schaffen und den Theorien, denen er begegnet ist und die er als gesellschaftlich relevant und «brandgefährlich» erachtet. Magaro zeigt auf eine bekanntes Gesicht:

«Als ich im Januar vom Sturm auf das Kapitol erfuhr, wusste ich: Trump muss noch rein!»

An den Wänden hinter der Litho hängen weitere Werke, in denen er einzelne Themen daraus weiterentwickelt.

Details aus Valentin Magaros Leporello: Für Verschwörungstheoretiker ist der ehemalige US-Präsident Donald Trump ein Held.

Details aus Valentin Magaros Leporello: Für Verschwörungstheoretiker ist der ehemalige US-Präsident Donald Trump ein Held.

Bild: Donato Caspari

Valentin Magaro bespielt ganz allein das ganze Kunsthaus Elsau. Jürg Bischofberger, früherer Präsident der Joh. Jakob Rieter-Stiftung in Winterthur, betreibt es seit elf Jahren mit seiner Frau Margrit. Dazu gehören ein Konzertsaal und ein Skulpturenweg, auf dem unter anderen Werke von Mattioli oder Luginbühl anzutreffen sind.

Im Kunsthaus Elsau ist auch ein Leporello mit Nonnen zu sehen.

Im Kunsthaus Elsau ist auch ein Leporello mit Nonnen zu sehen.

Bild: Donato Caspari

Das besondere an der Ausstellung ist jedoch Werner Kempfs Privatsammlung. Der Arzt und Professor an der Universität Zürich sah erstmals 2002 einen Magaro, war begeistert von der «packenden Intensität», erwarb bald eine ganze Werkgruppe, kauft ihn seither gezielt, statt wie so manche Sammler auf internationale Kunst zu setzen.

Kempf bedauerte, «dass die Werke nur mir zugänglich sind», und fand in Elsau den richtigen Ort. Nun bespielt er drei der sechs Räume mit einem Querschnitt seiner Magaro-Sammlung: Teile der Serie «Das letzte Abendmahl», das Konvolut «27 Schutzmantelmadonnen» oder ein weiteres Leporello mit Nonnen. Aber auch geometrische und leuchtende Studien, die wunderbar mit neueren Arbeiten aus des Künstlers Atelier kontrastieren.

27 Schutzmantelmadonnen von Valentin Magaro.

27 Schutzmantelmadonnen von Valentin Magaro.

Bild: Donato Caspari

In dieser Ausstellung ergänzen sich Sammler und Künstler hervorragend für eine umfassende Werkschau. Und wer ausserdem sehen will, was Jürg und Margrit Bischofberger unter anderem sammeln, der besuche die Ausstellung «Fritz Preisig: Zwischen Bodenhaftung und Reiselust» im Museum kunst + wissen in Diessenhofen (bis 13.6.).

Valentin Magaro: Kunsthaus Elsau, Strehlgasse 10, 8352 Elsau, bis 4.7. kunsthauselsau.ch