Auf einen Kaffee mit
«St.Gallen ist eine Stadt, in der man kleben bleibt», sagt Schauspieler Matthias Albold

Er arbeitet seit über 20 Jahren am Theater St.Gallen. In dieser Zeit hat Matthias Albold die Gallusstadt liebgewonnen und in zahlreichen Produktionen mitgespielt. Abseits der Bühne setzt er sich für die Rechte seiner Berufskolleginnen und -kollegen ein.

Mirjam Bächtold
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Matthias Albold ist seit dem Jahr 2000 Mitglied des Ensembles des Theaters St.Gallen: «Ich gehörte sozusagen zum Inventar.»

Matthias Albold ist seit dem Jahr 2000 Mitglied des Ensembles des Theaters St.Gallen: «Ich gehörte sozusagen zum Inventar.»

Bild: Michel Canonica

«Drama Queen» steht auf Matthias Albolds Tasse mit dem Milchkaffee. Trifft das auf ihn zu? «Da müssen Sie meine Frau fragen», sagt der Schauspieler und lacht. «Welcher Schauspieler hat nicht eine gewisse Dramatik in sich? Ohne sie würde er ja nicht auf die Bühne gehen», erwidert Nanna Rittgardt.

Auf die Bühne zog es Matthias Albold schon als Kind. Nach dem Schauspielstudium war er vier Jahre Ensemblemitglied am Jungen Staatstheater in Wiesbaden und seit 2000 ist er am Theater St.Gallen angestellt. «Ich gehöre sozusagen zum Inventar», sagt der 51-Jährige. Seit kurzem ist er nun Präsident von «SzeneSchweiz», dem Berufsverband für darstellende Künstler, der nach einer Fusion aus dem Verband der Deutschschweiz und jenem im Tessin entstand. Für diesen Zusammenschluss hat Albold sich bereits als Vorstandsmitglied stark gemacht.

Gleichberechtigung fördern

Für eine Vereinigung der Verbände in der ganzen Schweiz will er sich weiterhin engagieren. Ebenso im Auge behalten will er die Themen Gleichberechtigung und sexuelle Belästigung. Die #Metoo-Bewegung hat etwas ausgelöst, es werden mehr Fälle publik. Albold sagt:

«Die stark hierarchische Struktur an Theatern kann ein Grund sein, dass Missbräuche sich in unserer Branche häufen. Es ist erschreckend, wie gang und gäbe solche Vorkommnisse in Theaterbetrieben sind.»

Als Präsident will er etwas dagegen unternehmen. «Im Theater reden wir oft von Humanismus und Gleichberechtigung, die Realität sieht aber oft so aus, dass Frauen weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.»

Matthias Albold hat sich schon immer für höhere Gagen für darstellende Künstler eingesetzt. Als Mitglied der Tarifkommission des Generalarbeitsvertrags hat er erreicht, dass Theater, die dem GAV unterstellt sind, 4000 Franken Mindestgage bezahlen. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die Mindestgage 2000 Euro. «Wenn wir so etwas erreichen und ich sehe, wie wir jetzt während der Pandemie viele freie Schauspieler mit Rechtsberatung unterstützen können, dann merke ich, wie sinnvoll diese Aufgabe ist», sagt er.

Viel Neues ausprobiert

In seinen 21 Jahren, die Matthias Albold nun schon im Ensemble des Theaters St.Gallen ist, hat er vier Intendanten und viele Wechsel im Team erlebt. «Das war nicht immer schön, einige meiner Kollegen gingen nicht freiwillig», erinnert er sich. «Dafür musste ich nicht wegziehen, um neue künstlerische Handschriften kennen zu lernen. Dass ich mit jedem Intendantenwechsel Neues ausprobieren durfte, ist ein Geschenk.»

Nach all den Jahren ist ihm die Arbeit auf der gleichen Bühne nicht verleidet:

«Es sind ja immer neue Rollen, unterschiedliche Regisseure, die Arbeit ist nie die gleiche.»

Er sei auch nie auf ein Rollenbild beschränkt, sondern immer sehr unterschiedlich eingesetzt worden. Auf die Frage, welche Rollentypen er am liebsten spiele, fällt ihm die Antwort nicht leicht: «Es kommt immer auf das Gesamtpaket an, die Regie, das Stück, die Entwicklungsmöglichkeiten.»

Seine grosse Rolle in «Szenen einer Ehe» und die freie Interpretation des Stücks «Kontrakte des Kaufmanns» seien Highlights gewesen. Einen Wechsel an ein anderes Theater kann Matthias Albold sich nicht mehr vorstellen. Er hat vier Kinder und mit seiner Frau betreibt er einen Gewürzladen. «St.Gallen ist eine schöne Stadt mit guten Arbeitsbedingungen. Eine Stadt, in der man kleben bleibt.»

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