AUF EINEN KAFFEE mit...
«Morgens um fünf sind die Ohren noch frisch»: Der Ostschweizer Beat Fraefel-Haering bringt sein drittes Studioalbum heraus

Im beschaulichen Schwarzenbach hat sich der Jazz-Schlagzeuger Beat Fraefel-Haering den Traum eines eigenen Tonstudios mit Tageslicht und Flügel erfüllt. Am 15. Januar erscheint mit «Red Moon» das dritte Studioalbum seines Offbeat Jazz4tet mit dem Gastsänger Gion Stump.

Karsten Redmann
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Der Schlagzeuger Beat Fraefel-Haering in seinem Studio.

Der Schlagzeuger Beat Fraefel-Haering in seinem Studio.

Bild: Michel Canonica

Er sei Frühaufsteher, meint Schlagzeuger und Swiss-Jazz-Award-Gewinner Beat Fraefel-Haering beim gemeinsamen Kaffee und fügt hinzu, dass er um fünf Uhr morgens noch völlig unbelastet an die Musik herangehen könne. «Die Ohren sind dann noch frisch», sagt er und lächelt zufrieden. Ein brauner Pudel läuft in der gemütlichen Wohnküche umher, schnüffelt, lässt sich streicheln. Fraefel-Haerings modernes Tonstudio, ein paar Türen weiter, ist neben Aufnahmestudio auch Übungsraum. Dorthin zieht er sich jeden Tag zurück. An den Wänden hängen New-York-Impressionen.

Im Privaten hat sich für den aus St.Gallen stammenden Jazzmusiker in den letzten Jahren einiges verändert: Der siebenjährige Can ist Teil der Familie geworden. Als Adoptivkind lebt Can seit nunmehr sechs Jahren in Schwarzenbach. «Mit ihm», sagt der stolze Vater, «lebt sich unser Alltag völlig neu. Zeit ist zu einem knappen Gut geworden. Aber dadurch bin ich auch effektiver.»

Arbeit und Privates sind gut vereinbar

Der 53-Jährige wirkt ausgeglichen – wie jemand, der genau das lebt, was seinen Vorstellungen von gutem Leben entspricht. Hier, in diesem ländlich gelegenen Wohnhaus mit Blick ins Grüne, hat er sich mit seiner Kleinfamilie eingerichtet. Die Arbeitswege, auch die seiner Frau, seien kurz, daher liessen sich Arbeit und Privates gut miteinander vereinbaren. Ausserdem sei es ein grosses Glück, dass alles so gut zusammengehe, seine Frau und er sich die Aufgaben partnerschaftlich teilen könnten.

Beat Fraefel-Haering, in der Szene auch Offbeat genannt, ist vieles in einer Person: Schlagzeuger, Lehrer, Produzent und Tontechniker. Beim Jazz fasziniert ihn die Spieltechnik, die Möglichkeit, sich frei auszudrücken ohne festes Korsett. Am Trommeln mag er vor allem die Energie, die hörbar wird.

Offbeat Jazz4tet mit «Back To The Future».

Quelle: Youtube

Haupteinnahmequelle ist seine Arbeit als Schlagzeug- und Musiklehrer, wobei er deutlich zu verstehen gibt, dass er es nicht als künstlerisches Versagen sieht, als Lehrer zu arbeiten. Leidenschaft für eine Sache steht für ihn im Mittelpunkt und er selbst könne ja beides ausleben: das Musikmachen wie auch das Vermitteln von Musik. Auf die Frage, was ihn an der Arbeit als Lehrer besonders reize, antwortet er:

«Es ist die Freude am Spiel, die ich vermitteln will, die Freiheit, die darin steckt. Zwar stolpert man immer wieder über etwas, macht dann aber weiter und wächst über sich hinaus. Eine wichtige Erfahrung.»

Eine Passion für Modellflugzeuge

Um Abstand von seiner Kunst zu gewinnen, geht er zwei Hobbys nach: Da ist zum einen das wöchentliche Schwimmen und zum anderen die Passion für Modellflugzeuge. «Es ist grossartig, wenn so ein Modell am Himmel fliegt. Auch akustisch macht mir das grossen Spass! Da oben auf der Wiese lasse ich mit Can hin und wieder ein Flugzeug starten. Er teilt die Freude mit mir.»

Die Begeisterung für Musik entdeckte Fraefel-Haering früh: Bei seinem ersten Besuch des St.Galler Kinderfests wurde er bereits in den Bann der Trommeln gezogen. «Diese Energie», sagt er, «die hat mich damals schon unglaublich fasziniert.» Seine musikalisch lehrreichste Zeit erlebte er 1994 in New York, als er mit eigenen Augen mitansehen musste, welch harte Überlebenskämpfe sogar etablierte Jazzmusiker dort zu bestehen hatten.

Er selbst ist froh, in der Schweiz bessere Rahmenbedingungen vorzufinden, und sieht dem Erscheinen des dritten Studioalbums mit Freude entgegen: «Das wird eine ganz grosse Sache», sagt er, «‹Pop Meets Jazz› ist das Motto.» Am 15. Januar wird das Album in der Aula Lindenhof in Wil präsentiert. «Endlich ist es da», sagt er. «Wurde auch Zeit.»

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