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«Alice im Wunderland» am Theater St.Gallen: Niemand wird hier niemals nicht geköpft

Oder doch? Das Familienstück «Alice im Wunderland» am Theater St.Gallen spielt mit dem Nonsens und lässt die Fantasie tanzen.
Bettina Kugler
Vorsicht, das Ding ist scharf: Alice (Tabea Buser) und das immer verspätete Kaninchen (Diana Dengler). (Bild: Iko Freese)

Vorsicht, das Ding ist scharf: Alice (Tabea Buser) und das immer verspätete Kaninchen (Diana Dengler). (Bild: Iko Freese)

Ist sie es nun oder ist sie’s nicht? Letzte Gewissheit darüber gibt es keine. Nicht mal am Ende, als alles von vorn beginnt, ein weisses Kaninchen mit Weste, Beil und Taschenuhr über die Bühne springt und wieder flink durch eine Tür verschwindet. Hinter ihm her ein Kind im Matrosenkleid: Alice? Oder das Mädchen, das sich nicht wehren kann und in die Rolle schlüpfen muss?

Sein oder Nichtsein: Theatergeschichtlich eine Frage für tiefgründige Bühnenmomente, und davon gibt es in Anja Horsts Version des Klassikers «Alice im Wunderland» etliche. Sie kommen aber schräg daher – so schräg, wie es sich in der Nonsenswelt gehört, mit schwarzem, englischem Humor.

(Bild: Iko Freese)(Bild: Iko Freese)
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«Alice im Wunderland» am Theater St.Gallen

Empfohlen wird das diesjährige Familienstück für Kinder ab fünf Jahren, nach oben gibt es keine Grenze. Doch wer die Vorlage des Mathematikers und Landpfarrers Lewis Carroll kennt, muss bezweifeln, dass eine Fassung so verharmlost und vereinfacht sein kann, um dieses Versprechen einzulösen.

Die alten Kinder lachen, ein kleines heult los

Die St.Galler Version ist es nicht: zum Glück, werden reifere Menschen und Carroll-Leser sagen. Andere werden womöglich trotz der witzig-subtilen Musik von Ralph Hufenus das Brodeln und Toben der Hotzenplotz-Jahre im Grossen Haus vermissen. Kein Marius, keine Jagdkapelle steht nun an der Rampe als Garant für gute Stimmung. Bei «Alice» ist es vielmehr verdächtig ruhig im Saal.

Dabei gibt es hochkomische, skurrile Szenen, etwa den Auftritt der Raupe – ein wunderbar bewegliches Herrenquartett, das sich teilen, zusammenfügen, sogar Cha-Cha-Cha tanzen kann: Da lachen dann vor allem die Erwachsenen. Auch gut, sie haben sonst vielleicht nicht allzu oft Gelegenheit. Und sollten die Fünfjährigen bei den Weisheiten der Grinsekatze ins Grübeln gekommen sein: Grossartig! Theater darf das auslösen. «Manchmal ist alles möglich», sagt Alice staunend im Stück. Nur zu! Wo, wenn nicht auf der Bühne und im Zuschauerraum?

Toll gespielt - aber mit Längen

Bis Tabea Buser als artige Alice die richtige Tür findet, vergeht ein Weilchen, teils vergnüglich, auf die Dauer etwas zäh. Auch das hat Prinzip, denn im Buch muss sich Alice erst langweilen, dann kommt die Stunde des Kaninchens. Diana Dengler spielt es tapsig, aber nicht niedlich (es sei denn, wenn es gekrault werden will). Es schwingt das Beil, schon lange bevor Köpfe rollen. «Niemand wird hier niemals nicht geköpft»? So sicher ist man sich da nicht. Irgendwann heult ein Kleinkind im Saal herzzerreissend los.

Die Bühne von Marlies Pfeifer trägt mit Schachbrettkreiseln zum Verwirrspiel bei; opernhaft trumpft die Ausstattung von Bernhard Duss auf. Schriller Höhepunkt: der Auftritt der Herzkönigin, die Christian Hettkamp als blutrünstige XL-Dragqueen verkörpert. Überhaupt wird vorsätzlich übertrieben: Im Wunderland ist «alles nur Spiel», jede Geste, jeder Schritt gut choreografiert. Weil nichts hier ernst zu nehmen ist, tanzt die Fantasie: toll gespielt, vom Ensemble wie von der Statisterie, aber mit Längen. Die Running Gags erlahmen mit der Zeit. Da hilft nur eins: Musik!

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