Acht mal Chili: Volksmusik molto piccante aus Sulgen und der Welt

«Mit alles und scharf!» heisst das neue, sechste Album der unverwechselbaren Volksmusikgruppe «Ils Fränzlis da Tschlin». Drei der Mitglieder der Kernband haben kürzlich den Thurgauer Kulturpreis erhalten.

Martin Preisser
Drucken
Teilen
Domenic, Anna Staschia, Cristina, Madlaina und Curdin Janett (v.l.).

Domenic, Anna Staschia, Cristina, Madlaina und Curdin Janett (v.l.).

Bild: PD

Acht Chilischoten zieren die CD. Die fünf Kern-Fränzlis haben Support bekommen, drei «Zusatzfränzlis». «Mit alles» im Titel heisst, dass die Fränzlis wieder ganz viel oder alles, was sie haben, in ihre Musik gemixt haben. Und «scharf» heisst nicht einfach mit viel oder zu viel Paprika, sondern einfach mit Könnerschaft gewürzt, im besten Sinne also «molto piccante».

Den Urzellen der Volksmusik auf der Spur

Die Fränzlis haben selbst Mühe, ihren speziellen, immer einnehmenden Volksmusiksound zu beschreiben. Es sind einfach die Fränzlis. Ganz weit zurückgehend kommt ihre Musik aus dem Unterengadin. Aber heute ist sie universelle Musik, Volksmusik, die dem Kern dessen nachspürt, was die Urzellen der Volksmusik und damit auch der Weltmusik eigentlich sind.

Die neue CD kommt mit seinen 19 Tracks sehr schön, ja geradezu gediegen in der instrumentalen Perfektion daher. Das «Einfache» der Volksmusik wird genau und durchlässig präsentiert. Vielleicht ist es schlicht das natürliche Gespür, das Verwurzeltsein der Fränzlis, das Volksmusik zu etwas Kunstvollem und doch leicht Zugängigem macht. Die Harmonien sind nie abgehangen, sondern sehr farbig gestaltet. Der Drive ist nicht einfach «schwer - leicht - leicht», sondern von feinem, filigranem Fluss.

Viele Kompositionen, sehr viele aus der Feder der Fränzlis-Mitglieder selbst, wirken im besten Sinne natürlich, auch wenn sie bisweilen innovativ sind. Fast siebzig Minuten spielfreudige Natürlichkeit und instinktive Lockerheit strahlt dieses Album aus. Neben Engadiner Volkstümlichem haben auf der CD viel Jazz, Zigeunermässiges und Appenzellerisches, aber auch ganz Ursprüngliches und Archaisches Platz.

Hier sind die Frauen in der Mehrheit

Wer Walzer und Märsche und Lüpfiges mag, hört da gerne hinein, aber das ist eben nie nur ein Hintergrundsound, sondern hintergründig erforschte Volkstümlichkeit. Auf seine Kosten kommt hier jeder, der das Urmusikalische mag, das man hier gar nicht mehr verengend Volksmusik nennen möchte. Besondere Momente sind auch die vokalen Einlagen der drei Damen (Anna Staschia, Cristina und Madlaina Janett), die im Quintett die Männerdomäne aufgebrochen haben und jetzt neben den Vätern Curdin und Domenic die «Mehrheit» haben.

Barbara Gisler (Cello und Kontrabass), Niculin Janett (Saxophon) und Balthasar Streif (Trompete) steuern fantasievollen Zusatzsound bei, der die Geige, die Bratsche, das Cello, das Akkordeon, den Bass und die Klarinette der Kern-Fränzlis untermalt, begleitet, sekundiert und stete Impulse gibt. Die fünf Fränzlis auf acht aufgestockt: Da möchte man zukünftig mehr hören. Die vier Fränzlis aus dem thurgauischen Sulgen (Curdin und seine Kinder Cristina, Madlaina und Niculin) haben zusammen mit Mutter Sibylle erstmals als Familie den diesjährigen Thurgauer Kulturpreis gewonnen. Und die fünf Kern-Fränzlis 2019 einen der Schweizer Musikpreise. Auch nach dieser neuen CD weiss man wieder warum.

«Mit alles und scharf!»: Die Fränzlis-CD ist im Zytglogge Verlag erschienen (www.zytglogge.ch). Und sehr humorvoll erzählen die Fränzlis ihre eigene Geschichte auf www.fraenzlis.ch.