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Ostschweizer Musiker erinnern sich

Martin Preisser

Gestorben ist Paul Huber 83-jährig am 25. Februar 2001 in St. Gallen. Sein Denkmal steht im Huberpärkli an der St. Galler Dufourstrasse. Paul Huber hat ein reiches kompositorisches Schaffen hinterlassen. Und Ostschweizer Musiker erinnern sich gerne an das Schaffen des vielseitigen und gehaltvollen Tonsetzers. Uwe Münch, Dirigent des Oratorienchors St. Gallen, hat Huber erst vor kurzer Zeit entdeckt und ist «sehr erstaunt» über die Qualität: «Sein Magnificat, das wir zu seinem 100. Geburtstag aufs Programm unseres Palmsonntagskonzerts gesetzt haben, überzeugt durch konzentrierte, gelungene formale Gestaltung. Der Klang des Werks ist immer klar, direkt, alles hat seinen Platz, es gibt keine Längen oder unnötigen Ausuferungen.» Beim Proben komme man sehr schnell an den Kern der Aussage, sagt Uwe Münch. Man habe das Gefühl, genau so und nicht anders müsse es sein. Für den Dirigenten ein deutliches Qualitätskriterium.

Zeit seines Lebens ein Romantiker

Über Paul Huber, der seiner Stadt immer verbunden war, ist jetzt zum Jubiläum ein Buch erschienen. Huber darf mit Fug und Recht zu den grossen Schweizer Komponisten des letzten Jahrhunderts gezählt werden. Iso Rechsteiner, selbst Komponist, nennt Paul Huber «einen der damals führenden Komponisten ­katholischer Kirchenmusik in der Schweiz».

Als Schüler im Kollegium in Appenzell habe er Huber auf der Orgel improvisieren gehört, erzählt der Rorschacher Musiker. Schon als junger Chorleiter des Kirchenchors der damals neuen Bruder-Klaus-Kirche in St. Gallen-Winkeln hat Rechsteiner Werke Paul Hubers aufgeführt. «Damals schien diese Musik recht modern, aber Paul Huber blieb Zeit seines Lebens ein Romantiker.» Als «liebenswerten, umgänglichen Kollegen» bleibe er ihm in Erinnerung.

Viele Kompositionen Paul Hubers waren Auftragswerke. «Mein Vater kannte die Adressaten seiner Werke, hat sie den Ensembles und Solisten auf den Leib geschrieben», sagt Gabriel Huber. «Er hat die Stärken und Grenzen der jeweiligen Musiker beim Komponieren mit einbezogen.» Der St. Galler Apotheker engagiert sich heute in der Paul-Huber-­Gesellschaft. Gerne erinnert er sich an ines seiner Lieblingsstücke, das «Requiem»: «Als Kind habe ich gelauscht, wie mein Vater sich das Werk ab Tonband nochmals anhörte.»

Paul Huber hat auch viel qualitätvolle Musik für diverse Bläserformationen bis hin zum grossen sinfonischen Blasorchester hinterlassen. Markus Egger, Blasmusikdirigent und aktiv in der ­Musikkommission des Schweizer Blasmusikverbandes, erinnert auch daran, dass Paul Huber oft Anton Bruckner als sein Vorbild bezeichnete. «Ursprung seiner Kompositionen für Bläser sind Klang-Registrierungen für Kirchenorgel, die er dann auf die Bläserformation überträgt», sagt Markus Egger. Er findet, Hubers grosses Können blitze ganz besonders in den zahlreichen kunstvollen Fugen in seinen Werken auf.

Paul Hubers Musik auf einer Orgel in Australien

Kaum ein Zeitgenosse kennt Paul Hubers Werk so gut wie Mario Schwarz, ehemaliger Leiter des Musikcollegiums Ostschweiz und Dirigent zahlreicher Uraufführungen von Schweizer Komponisten.

Mario Schwarz und dem Amriswiler Organisten André Manz hat Paul Huber sein grandioses Orgelkonzert gewidmet. Die beiden haben es 1993 urauf­geführt. «Paul Huber schrieb eine erweiterte neoromantische Tonalität und hat sich nie in die Atonalität begeben», sagt Mario Schwarz. «So falsch war er nicht unterwegs, wenn man sieht, dass sich viele atonale Komponisten heute wieder der Tonalität zuwenden.» Hubers Musik sei sehr emotional bezogen gewesen. «Sie ist auch stark aus seinem Glauben heraus gedacht. Paul Huber hat Musik geschrieben, die nicht aus dem Elfenbeinturm kommt, sondern Musik für die Menschen, die den ­Hörer wirklich mitnimmt.» «Ein Meisterwerk allererster Güte» sei das Orgelkonzert, sagt auch der St. Galler Domorganist Willibald Guggenmos. Diese Komposition brauche den Vergleich mit Francis Poulencs berühmten Orgelkonzert überhaupt nicht zu scheuen. Aber auch Hubers kleinere Orgelwerke seien handwerklich und kompositorisch alle hervorragend gearbeitet. 1999 hat Guggenmos in Sidney eine CD aufgenommen, dabei auch an Paul Huber gedacht und dessen «Toccata über die Glocken der St. Galler Kathedrale» auf die Trackliste gesetzt.

Und der Domorganist erzählt weiter: «Nach einem herzlichen Telefongespräch versprach er mir, eine Kopie des Stückes zu senden. Ich dachte an eine Fotokopie, die in zwei Tagen ankommen würde. Nach endlosen zwei Monaten erhielt ich schliesslich ein grosses Kuvert aus St. Gallen. Paul Huber hatte mir das Stück auf dickem Notenpapier, kunstvoll gebunden und mit Widmung, eigenhändig in wunderbarer Notation abgeschrieben!»

Martin Preisser

martin.preisser@tagblatt.ch

Gedenkanlass 100. Geburtstag Paul Huber: Sa, 17.2., 10 Uhr, Kathedrale, St. Gallen; Buch-Vernissage: 11 Uhr, Musiksaal (Klosterhof 6b); Konzerte des Oratorienchors St. Gallen: 24. und 25. 3.

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