Konzert
Königliche Audienz: The King's Singers eröffneten die Reihe Alte Musik St.Gallen mit einer A-cappella-Weltpremiere

Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Kirche St.Laurenzen am Sonntag zum Auftakt der Konzertreihe Alte Musik St.Gallen. Auf dem Programm stand weltliche und geistliche Musik von William Byrd und Thomas Weelkes, 400 Jahre alt – in der umwerfend reinen, fein ausbalancierten Interpretation der King's Singers aber absolut staubfrei und sehr lebendig.

Bettina Kugler Jetzt kommentieren
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Die fantastischen sechs in der Kirche St.Laurenzen: Patrick Dunachie, Edward Button, Julian Gregory, Christopher Bruerton, Nick Ashby und Jonathan Howard.

Die fantastischen sechs in der Kirche St.Laurenzen: Patrick Dunachie, Edward Button, Julian Gregory, Christopher Bruerton, Nick Ashby und Jonathan Howard.

Bilder: Arthur Gamsa

Vierzig Jahre liegt ihr letztes Konzert in St.Gallen zurück – damals sang das weltberühmte Sextett aus Cambridge in der Tonhalle, vermutlich auch vor ausverkauftem Haus. Aber ganz sicher nicht in der aktuellen jugendlich aufgefrischten Besetzung, mit der The King's Singers am Sonntag in der Kirche St.Laurenzen auftraten. Dabei hat es nie einen groben Schnitt, einen deutlichen Generationswechsel gegeben: Ihr perfekter, absolut ausgewogener Ensembleklang hat sich seit 1968 so erhalten und weiterentwickelt, weil sie Neuzugänge sehr sorgfältig und behutsam integrieren. Mindestens fünf von ihnen müssen schon länger dabei sein.

Michael Wersin, künstlerischer Leiter der Konzertreihe Alte Musik St.Gallen.

Michael Wersin, künstlerischer Leiter der Konzertreihe Alte Musik St.Gallen.

Das verriet Jonathan Howard, tiefer Bass und unterdessen dienstältestes Mitglied, im Einführungsgespräch mit Michael Wersin. Für den künstlerischen Leiter der Konzertreihe Alte Musik St.Gallen war der Auftakt mit den King's Singers ein Glücksfall, denn er versprach eine vollbesetzte Kirche St.Laurenzen. Dabei steht der Name des bekannten Ensembles nicht einmal in extragrossen Lettern auf dem Plakat, sondern gleichberechtigt neben allen anderen Beteiligten – ziemlich klein.

«Tom & Will» – aber noch vieles mehr

Gleichwohl hat sich ihr Auftritt schnell herumgesprochen und auch Publikum angezogen, das sich nicht vorwiegend für Musik der englischen Renaissance interessiert, sondern eher die wunderbaren Close-Harmony-Arrangements der King's Singers von Folk- und Popsongs kennt. Die fabelhaften sechs haben noch nie E- gegen U-Musik ausgespielt. Bestes Beispiel dafür sind ihre aktuellen CD-Projekte: Da folgt auf «Tom & Will» zum 400. Todesjahr von Thomas Weelkes und William Byrd (das sie am Sonntag zum ersten Mal live a cappella sangen) ein Programm mit Disney-Hits und ein weiteres zum 100. Geburtstag des Komponisten György Ligeti.

Ganz fehlen darf diese stilistische Bandbreite auch in St.Gallen nicht, bei aller Ernsthaftigkeit. Zum einen beschränkten sie sich nicht auf geistliche Musik, sondern machten die Komponisten Byrd und Weelkes auch als Menschen spürbar in tänzerisch-libidinöser Maienseligkeit, in tiefen, herzrührenden Freundschaftsklagen oder Preisliedern auf Tabak aus Trinidad. Zum anderen gönnten sie sich und dem Publikum zusätzlich zum gedruckten, in absoluter Reinheit und Klangschönheit gesungenen Motetten- und Madrigalprogramm noch einen nicht zu knappen «zweiten Teil»: mit Überraschungen aus ihrem Repertoire an Spirituals und Folksongs.

Die King's Singers sind nicht nur mit geistlicher Musik unterwegs – aber in Kirchen entfaltet sich ihr Ensembleklang besonders schön.

Die King's Singers sind nicht nur mit geistlicher Musik unterwegs – aber in Kirchen entfaltet sich ihr Ensembleklang besonders schön.

Auch das weitere Programm lässt aufhorchen

Zweifellos waren Patrick Dunachie und Edward Button (Countertenor), Julian Gregory (Tenor), Christopher Bruerton und Nick Ashby (Bariton) sowie Jonathan Howard (Bass) in der diesjährigen Ausgabe von Alte Musik St.Gallen das, was man im Pop «Headliner» nennt. Doch auch das weitere Programm der Konzertreihe hat namhafte Künstler mit zugänglichen Programmen zu bieten: Am 5.2. singt der Tenor Daniel Johannsen Musik aus dem Frühbarock, am 12.2. präsentiert das Freiburger Barockorchester Instrumentalkonzerte aus Weimar und Venedig – dazu gibt es eine spezielle Einführung für Jung und Alt.

Noch einmal zu erleben ist Daniel Johannsen dann am 19.2. im Quartett mit Miriam Feuersinger, Terry Wey und Lisandro Abadie, begleitet vom Collegium Instrumentale der Kathedrale St.Gallen. Den Abschluss macht ein der Bach-Familie gewidmetes Orgelkonzert mit Verena Förster am 5.März. Alle Veranstaltungen finden bei freiem Eintritt statt; für Interessierte gibt es vorab jeweils eine Einführung und im Anschluss einen Apéro mit den Künstlerinnen und Künstlern. Zu dem natürlich auch die King's Singers am Sonntag noch erschienen sind. Gefeiert mit erneuten Standing Ovations.

Detailinformationen zu den Konzertterminen und -programmen: amsg.ch

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