Freipass #70
«Ich bin glücklich, meiner Berufung gefolgt zu sein»: Der Engelburger Musiker Goran Kovacevic im Fragebogen

Jede Woche spielen wir Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und fragen: Was lernen Sie gerade neu? Worauf freuen Sie sich? Heute mit dem Akkordeonisten Goran Kovacevic, der nächstes Jahr eine Vertonung des Stummfilms «Nosferatu» plant.

Martin Preisser
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Bekannt als stilistisch vielseitiger Akkordeonist: Goran Kovacevic.

Bekannt als stilistisch vielseitiger Akkordeonist: Goran Kovacevic.

Bild: PD

Goran Kovacevic wurde 1971 in Schaffhausen geboren. Er hat Akkordeon am Konservatorium Winterthur und an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen studiert. Zahlreiche Meisterkurse ergänzten seine künstlerische Ausbildung.

Goran Kovacevic ist Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe. Seit 1999 ist er Professor für Akkordeon und Kammermusik am Vorarlberger Landeskonservatorium in Feldkirch.

Als Solist und Kammermusiker in verschiedenen Besetzungen führten ihn seine Konzerttourneen durch Europa, nach Amerika und Asien. Goran Kovacevic komponierte Theater- und Filmmusik für Akkordeon mit Streichquintett, Brass, Chor und Sinfonieorchester.

Bis heute hat er 55 CDs mit Werken aus der Klassik, Moderne, Balkan-Folklore, virtuosen U-Musik, aus World-Music, Jazz und Tango Nuevo veröffentlicht und beweist in seinen Produktionen immer wieder grosse stilistische Vielfältigkeit.

Was lernen Sie gerade neu?

Im Moment arrangiere und übe ich die Musik für zukünftige Projekte. Unter anderem sehr viel Musik von Astor Piazzolla, Marcus Nigsch und Teile aus der «Kunst der Fuge» von J. S. Bach.

Einen besonderen Namen hat sich Goran Kovacevic auch mit seinen Interpretationen von Musik aus dem Balkan gemacht.

Quelle: Youtube

Was haben Sie zuletzt für sich entdeckt?

In der letzten Zeit habe ich drei wunderbare Bücher von Monika Helfer gelesen; «Bagage, Löwenherz und Vati». Eine sehr berührende Trilogie über Herkunft, familiäre Lebenswege und damit verknüpfte menschliche Schicksale.

Was hat Sie in den letzten Monaten am meisten beschäftigt?

Es war künstlerisch und logistisch eine grosse Herausforderung, wieder eine gewisse Ordnung in der Planung zu schaffen, nachdem coronabedingt sehr viele Konzerte abgesagt werden mussten und somit ein grosser Stau entstanden ist. Und natürlich ist die allgemeine weltpolitische Situation etwas, was mich täglich beschäftigt.

Vervollständigen Sie den Satz: Wenn ich nicht Musiker geworden wäre, wäre ich heute ...

... nicht dieser Mensch, der ich bin, glücklich und ausgefüllt, meiner Berufung gefolgt zu sein. Ich kann es mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen, nicht Musiker geworden zu sein.

Goran Kovacevic in einem Konzert mit der Big Band der Kantonsschule Wattwil.

Quelle: Youtube

Mit wem würden Sie gerne einmal zusammenarbeiten und warum?

Da kommt mir gerade niemand in den Sinn, zumindest niemand, der noch lebt. Gäbe es aber eine Zeitmaschine, würde ich gerne Astor Piazzolla und Ennio Morricone kennen lernen wollen. Bin aber glücklicherweise durch alle Projekte, die ich mache, von grossartigen Künstlerinnen und Künstlern umgeben, sei es in der Musik, im Theater oder Tanz. Und somit bin ich wunschlos glücklich.

Worauf freuen Sie sich?

Ich freue mich auf alles, was beruflich und privat auf mich zukommt in der nächsten Zeit. Es wird sehr viele spannende, anregende und kreative Begegnungen mit Musikern, Schauspielern, Regisseuren und Tänzern geben. Im April nächsten Jahres sind drei Konzerte geplant, bei denen ich den Stummfilm «Nosferatu» vertonen werde. Zu sehen ist der Film mit Livemusik unter anderem im Kino Roxy in Romanshorn.