Freipass #57
«Songs sind wie Luftballons»: Der St.Galler Musiker Tobias Maienfisch im Fragebogen

Jede Woche spielen wir Ostschweizer Kulturschaffenden den Ball zu und fragen: Was lernen Sie gerade neu? Worauf freuen Sie sich? Heute mit dem St.Galler Singer-Songwriter Tobias Maienfisch. Er trat mit seiner Band Lowray Anfang Juli am Open Air St.Gallen auf und lernt gerade, Schlagzeug zu spielen.

Claudio Weder
Drucken
Der St.Galler Singer-Songwriter Tobias Maienfisch.

Der St.Galler Singer-Songwriter Tobias Maienfisch.

Bild: Marisa Gut

2016 gründete der St.Galler Singer-Songwriter Tobias Maienfisch die Band Lowray. Was als Soloprojekt begann, ist heute ein Duo: Seit 2021 wird Maienfisch von Gitarrist Marco Zogg begleitet, mit dem er bereits zwischen 2008 und 2014 zusammen in der Rockband Violet & The Pony spielte. Die beiden haben im vergangenen Herbst vier neue Songs zusammen mit Schlagzeuger und Produzent Dani Eberhard aufgenommen und im vergangenen Halbjahr veröffentlicht. Anfang Juli spielte das Duo am Open Air St.Gallen auf der Campfire Stage.

Maienfisch ist 42 Jahre alt und Geschäftsleiter einer Druckerei. Nebenbei betreibt er seit 2018 den Blog Fish's Plattenkiste, eine «digitale Plattenkiste mit Fundstücken aus der Ostschweizer Musikszene», wie es Maienfisch beschreibt. Darauf veröffentlicht er regelmässig Interviews mit regionalen Musikerinnen und Musikern, oder stellt neue Alben vor.

Was lernen Sie gerade neu?

Tobias Maienfisch: In meiner Jugend streifte ich mit einem Freund gerade über das Gelände des Open Air St.Gallen, als der Drummer einer Band den Soundcheck machte. Diese Wucht hat mich fasziniert und ich sagte mir: «Irgendwann werde ich auch Schlagzeug spielen.» Es hat etwas gedauert, nun gehe ich aber seit einem Semester in den Unterricht. Es ist sehr spannend, Musik nun auch aus der perkussiven Perspektive wahrzunehmen. Die Lernkurve ist am Anfang steil, du triffst leicht alle Trommeln und Becken und kannst schnell einen einfachen Beat spielen. Die grossen Herausforderungen sind aber die Unabhängigkeit zwischen Beinen und Armen und vor allem das exakte Timing.

Tobias Maienfisch und Marco Zogg bilden zusammen das Duo Lowray.

Tobias Maienfisch und Marco Zogg bilden zusammen das Duo Lowray.

Bild: Melanie Buob

Was haben Sie zuletzt für sich entdeckt?

Ich lese gerade die Biografie «Redemption-Song» über den britischen Punkrocker Joe Strummer. Dadurch habe ich meine Liebe zu The Clash wiederentdeckt. Für mich ist es die Band, auf die ich am meisten zurückkomme, weil deren Songs auch heute noch relevant sind. Durch The Clash habe ich gelernt, dass Musik auch eine politische und kritische Note haben darf. Den ersten Kontakt zu dieser Band hatte ich damals im Musikunterricht in der Sekundarschule, bei Roman Elsener.

Was hat Sie in den letzten Monaten am meisten beschäftigt?

Musikalisch war es die Veröffentlichung unserer vier neuen Songs. Es ist immer äusserst spannend, wie sich die Songs dabei entwickeln und Gestalt annehmen – von der ersten Idee zu Hause über das Ausarbeiten und Verfeinern im Proberaum bis zu den finalen Aufnahmen. Am Ende sind Songs wie Luftballons: Wenn man sie veröffentlicht, lässt man sie los, und sie werden in die Welt getragen. Im besten Fall findet sie jemand und entdeckt darin etwas für sich. Geschäftlich in der Druckbranche beschäftigen mich die engen Abhängigkeiten, die wir uns in den letzten Jahren geschaffen haben und welche uns nun teilweise massive Schwierigkeiten bereiten. Stichworte: Rohstoffe, Verfügbarkeiten, Lieferfristen, Energie ...

Das Video zum Song «Saint Petersburg» von Lowray. Regie führte Sam Lutz.

Video: Youtube

Vervollständigen Sie den Satz: Wenn ich nicht Musiker geworden wäre, wäre ich heute ...

… Fernfahrer. Das habe ich auf jeden Fall früher in die Freundschaftsbücher meiner Klassenkameraden geschrieben. Die romantische Vorstellung von früher weicht aber wahrscheinlich sehr weit von der heutigen Realität ab. Und abends würde ich für meine Fernfahrerfreunde vielleicht doch ein bisschen Gitarre spielen auf der Raststätte. Denn ehrlich gesagt kann ich mir nicht viel anderes vorstellen. Ich bin eher Spezialist als Generalist und tauche bei einem Thema gerne bis an den Grund. Seit ich in meiner frühen Jugend in Kontakt mit Rockmusik kam, hat mich das einfach nie mehr losgelassen.

Das Video zum Song «In Hiding».

Video: Youtube

Mit wem würden Sie gerne einmal zusammenarbeiten und warum?

Ich habe das Glück, unterdessen mit Marco Zogg einen begnadeten Gitarristen an meiner Seite zu haben. Wir hatten schon immer einen sehr guten Draht zueinander. Marco lernt aktuell Lap-Steel-Gitarre und liebt amerikanische Roots-Musik. Die Band Lowray habe ich als Soloprojekt gegründet, was meiner Natur sehr entspricht. Ich bin weniger der Teamplayer, sondern kreiere am Anfang gerne für mich im stillen Kämmerlein. Schliesslich ist dann aber das Zusammenspielen mit anderen das, was Musizieren ausmacht. Und es ist schön, Konzerte, Erfolge, aber auch Frust gemeinsam zu erleben und zu teilen. Ich möchte weiterhin mit Musikschaffenden aus der Region arbeiten, so wie wir es bis anhin auch gemacht haben.

Worauf freuen Sie sich?

Meine Frau hat soeben erfolgreich die Erwachsenenmatura abgeschlossen, und ich freue mich sehr auf wieder mehr gemeinsame Zeit.