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Oscar-Gewinnerin: Die Krönung einer Aschenputtel-Karriere

Die britische Schauspielerin Olivia Colman wurde als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet, für ihre Rolle der Königin Anne in «The Favourite». Wer ist die Überraschungssiegerin?
Lory Roebuck
«Glenn, du bist schon lange mein Idol, ich wollte nicht, dass das passiert» - Olivia Colman in ihrer Dankesrede zu ihrer Kollegin Glenn Close. (Bild: epa/Aaron Poole)

«Glenn, du bist schon lange mein Idol, ich wollte nicht, dass das passiert» - Olivia Colman in ihrer Dankesrede zu ihrer Kollegin Glenn Close. (Bild: epa/Aaron Poole)

Es war die grösste Überraschung in der Oscar-Nacht. Eigentlich sollte ja Glenn Close als strahlende Preisträgerin auf der Bühne stehen. Die Frau, die in den 80er-Jahren fünfmal für den Oscar nominiert gewesen war und derzeit ein Karriere-Revival feiert, sollte nun endlich gewinnen. Doch es kam anders.

Die Goldstatue für die beste Hauptdarstellerin ging nicht an Close, sondern an Olivia Colman. Das konnte die 45-jährige Britin selbst kaum glauben: «Glenn, du bist schon lange mein Idol, ich wollte nicht, dass das passiert», sagte sie zu Beginn ihrer Dankesrede.

Mit dem Oscar krönt Colman ihre Aschenputtelkarriere. Die Tochter einer Krankenschwester und eines Vermessungstechnikers aus der englischen Stadt Norwich fand vergleichsweise spät zur Schauspielerei. Sie liess sich ursprünglich in Cambridge zur Grundschullehrerin ausbilden und hatte im Alter von 30 Jahren ihren ersten Filmauftritt. Daneben pendelte Colman jahrelang zwischen Gastrollen in verschiedenen britischen Fernsehserien hin und her.

Mit Zweit- und Drittjobs hielt sie sich über Wasser. «Ich arbeitete als Putzfrau und liebte den Job, doch ich verbrachte damals auch viel Zeit damit, mir genau diesen Moment vorzustellen», sagte sie überglücklich während der Oscarzeremonie.

Glaubwürdige Despotin

Ausgezeichnet wurde Colman für ihre Rolle als Königin Anne im Historiendrama «The Favourite». Der Film des griechischen Regisseurs Yorgos Lanthimos war insgesamt für zehn Oscars nominiert, gewann aber einzig in dieser Kategorie.

Colman hatte für ihren Auftritt als gebieterische, aber heillos überforderte Despotin bereits den Dar- stellerinnenpreis am Filmfestival in Venedig gewonnen. Mit ihrem brillanten Mienenspiel war es ihr gelungen, einer Filmfigur am Rande der Karikatur und Glaubwürdigkeit einen menschlichen Kern zu verleihen.

Colman hatte bereits in Lanthimos Film «The Lobster» (2015) eine Rolle übernommen. Der Durchbruch als Kinoschauspielerin war ihr 2011 in der Rolle einer missbrauchten Ehefrau im britischen Filmdrama «Tyrannosaur» gelungen. Bis zu diesem Zeitpunkt war sie in Grossbritannien vor allem für Komödien bekannt.

Ihre Kultfernsehserie «Peep Show» (2003–2015) war als gemeinsames Projekt mit dem Comedyduo David Mitchell und Robert Webb entstanden, das Colman in Cambridge kennen gelernt hatte. In seinen Memoiren erinnert sich Mitchell an diese Zeit zurück:

«Olivia wirkte während der Proben unfokussiert und schusselig, doch auf der Bühne verwandelte sie sich in einen Profi. Das war einschüchternd. Ich machte mir furchtbare Sorgen, dass ich neben ihr wie ein Anfänger wirken würde.»

Bekannt als TV-Ermittlerin

Am besten bekannt ist Colman dem Fernsehpublikum, auch in der Schweiz, als Detektivin Ellie Miller in der Serie «Broadchurch» (2013–2017). Unvergesslich sind vor allem die gemeinsamen Szenen mit Schauspielkollege David Tennant – das Ermittlerduo zankt sich in der Serie auf herrlich komische Weise wie ein altes Ehepaar. «Ich denke, wir arbeiten auch mit 70 und 80 Jahren noch zusammen», sagte Olivia Colman über David Tennant. «Und sei es bloss in einer Pantomime als Cinderellas hässliche Schwestern.»

Olivia Colman als Königin Anne in «The Favourite». (Bild: 20th Century Fox)

Olivia Colman als Königin Anne in «The Favourite». (Bild: 20th Century Fox)

Ob «Broadchurch», «The Favourite» oder «Tyrannosaur»: Colman hat ein Faible für komplexe, unglamouröse Rollen. «Ich suche mir das bewusst aus, denn bei solchen Rollen hast du weniger Druck, etwas zu spielen, das du nicht bist», sagte sie der «New York Times». Das habe den zusätzlichen Vorteil, so Colman, dass man als Schauspielerin nie zu alt für eine Rolle sei.

Erstaunlich ist: Colman reüssierte bei den Oscars, ohne grosses Lobbying dafür zu betreiben. Üblicherweise nutzen viele Nominierte die Wochen unmittelbar vor der Verleihung, um mit möglichst vielen öffentlichen Auftritten ihre Sichtbarkeit (und damit ihre Gewinnchancen) zu vergrössern. Doch Colman fehlte schlicht und einfach die Zeit dazu.

Momentan steht sie für die dritte Staffel der beliebten Netflix-Serie «The Crown» vor der Kamera. Darin spielt sie erneut eine britische Monarchin: Königin Elisabeth II. Dank des Oscars für die beste Hauptdarstellerin sitzt Olivia Colman nun auch in Hollywood auf dem Thron.

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