Orte, Zeiten, Wünsche

Il Ilma Rakusa: Impressum: Langsames Licht. Gedichte. Droschl 2016. 184 S., Fr. 28.90

Rainer Stöckli
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Bild: Rainer Stöckli

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Il

Ilma Rakusa:

Impressum: Langsames Licht. Gedichte. Droschl 2016. 184 S., Fr. 28.90

Das Schönste an Ilma Rakusas neuer Sammlung lyrischer Texte ist: Man kann das Buch mit Gedichten über Schnee beginnen oder man kann sich ins witzige Nachwort von Aleš Šteger begeben. Man darf «Erster Schnee», «Zweiter Schnee», «Schneeeule» lesen oder sich von reichlichen zwölf Seiten anleiten lassen, Rakusas dichterische Prozeduren zu begreifen. Beide Annäherungen sind ergiebig: Wer bereits zwei Dutzend Weisen kennt, lyrisch vom Schnee zu berichten, der gewinnt noch einmal viel. Bevor nämlich Schnee fällt, reimt sich Matrize auf Lakritze, die Menschen verpassen das erste Schneien und ungelegen ist, dass die Decke am Morgen über der Saat liegt. Wer sich, statt mit der Lyrikerin Orte zu besuchen oder ausgewählte Wochentage/Jahrestage durchzudenken – wer sich stattdessen von Šteger instruieren lässt, schöpft Einsichten; es könne ein besonderes Gedicht auch «Zauberschild» sein, ein «Magierkasten» (S. 174).

Esther Ferrier:

Unter wechselnden Monden.

Gedichte. Collection Montagnola 2016. 80 S., Fr. 28.90

Monde, Sterne, Träume

Sehr anders ist Esther Ferriers Lyrik. Zwar sind auch hier Wunsch- und Traumbilder zu finden, aber für die gebürtige St. Gallerin, die seit Jahren im Tessin lebt, liegen die Themen vor ihrer Haustür: Vogelgezwitscher, Ufersaum, Weidenkätzchen, Schwemmgut, Abendrot, weisse und andere Wolken. Abenteuerliches begegnet nicht auf Reisen, nicht an wildfremden Orten wie Lemberg, Odessa, Kyoto, sondern in der Poesie. Ferrier spricht eine Kastanie an, laviert zwischen den Inbildern Hexe oder Engel. Das Schönste am Erstling ist, dass noch der hintere Buchdeckel ein Gedicht spendiert – mit dem preziösen Bild vom «Schlehdornhag».

Bild: Rainer Stöckli

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