Opernpionier und Vater des «walking bass»

Lesbar Musik

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Silke Leopold: Claudio Monteverdi. Carus Reclam, 256 S., Fr. 38.–

Vor etwa fünfzig Jahren war er allenfalls Spezialisten ein Begriff: der 1567 in Cremona geborene Komponist Claudio Monteverdi. Die Alte-Musik-Bewegung sollte das gründlich ändern; unterdessen gehören seine Madrigale, seine Opern «L’Orfeo», «Il ritorno d’Ulisse in Patria» und «L’incoronazione di Poppea»und geistliche Werke wie die «Marienvesper» weltweit zum viel gespielten Repertoire. In ihrer Biografie zum Monteverdi-Jahr zeichnet die Musikwissenschafterin Silke Leopold auf der Grundlage von Monteverdis Briefen ein lebhaftes Bild der Epoche um 1600, ihrer politischen und gesellschaftlichen Umbrüche und den Entwicklungen in der Kunst, an denen Monteverdi massgeblich beteiligt war. Sie folgt dabei den Lebensstationen des Komponisten; von Cremona geht es an den Hof von Mantua, schliesslich nach Venedig, wo Monteverdi drei Jahrzehnte lang als Kirchenmusiker am Markusdom wirkte. Wissenschaftlich fundiert, doch frei von akademischem Jargon, erschliesst ihr Buch ein staunenswertes Lebenswerk – und weckt die Lust am (Wieder-)Hören und Entdecken. Auch im Jazz.

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Jürgen Heidrich, Johannes Schilling (Hrsg.): Martin Luther. Die Lieder, Reclam, 204 S., Fr. 47.–

Weltliteratur und Sonntagsschule

Wenigstens die «gute neue Mär» hat fast jeder im Ohr, zu Weihnachten auch auf den Lippen: mit seinen Liedern, so sind sich die Herausgeber dieser zum Reformationsjubiläum erschienenen Sammlung sicher, bewegte Martin Luther die Herzen der Gläubigen stärker und nachhaltiger als mit den 95 Thesen. Denn Luther schaute dem Volk nicht nur «aufs Maul». Vielmehr liess er es singen – was vorher im Gottesdienst kaum üblich war. Wer singt, betet doppelt, davon war Luther überzeugt. So wurden seine Lieder «der konzentrierteste, dauerhafteste und wirkmächtigste Ausdruck seiner Theologie», wie es im Nachwort heisst. Das ist eine so bibliophile Ausgabe wert, in blauem Leinen mit Prägung und Lesebändchen. Alle 36 Lieder werden historisch eingeordnet, mit Noten und Faksimiles präsentiert; die Bedeutung heute nicht mehr gebräuchlicher Wörter und Wendungen wird in Fussnoten erklärt. Wer noch mehr über die Quellen wissen will, findet es im Anhang. Lesenswert ist auch das Nachwort der Herausgeber.

Bettina Kugler