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Lucerne Festival: Opernpaar im Liebes- und Todesrausch

Das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam beeindruckte unter den beiden Gastdirigenten Tugan Sokhiev und Daniel Harding.
Fritz Schaub
Das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam mit Dirigent Daniel Harding und den Sängern Christine Goerke, Stuart Skelton, Claudia Mahnke, Matthias Goerne, Mark Omvlee und Stefan Astakhov. (Bild: Priska Ketterer/Lucerne Festival)

Das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam mit Dirigent Daniel Harding und den Sängern Christine Goerke, Stuart Skelton, Claudia Mahnke, Matthias Goerne, Mark Omvlee und Stefan Astakhov. (Bild: Priska Ketterer/Lucerne Festival)

Nach dem unfreiwillig brüsken Abgang von Daniele Gattis ist das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam weiterhin auf der Suche nach einem Chefdirigenten. In diesem Jahr sprangen Tugan Sokhiev und Daniel Harding in die Lücke. Opernaufführungen haben nicht erst seit der Ära Michael Haefliger am Lucerne Festival Tradition. Die konzertante Aufführung des zweiten Satzes von Richard Wagners Musikdrama «Tristan und Isolde» war bereits die dritte.

Gerade der handlungsarme mittlere «Tristan»-Akt eignet sich für eine rein konzertante Wiedergabe. Denn Wagners Musik schafft mit ihrer Farbenkraft und Ausdrucksgewalt allein schon eine Szene. Das hat am Mittwochabend das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, eigentlich ein Konzertorchester, das nur ausnahmsweise Oper spielt, zur Begeisterung der Hörer bewiesen.

Tristan-Liebesakt konzertant

Keine leichte Aufgabe für die fünf Solisten auf dem erhöhten Podium hinter dem riesig besetzten Klangkörper. Dennoch vermochten sie sich zu behaupten, freilich mit unterschiedlichem Erfolg. Christine Goerke (Isolde) und Stuart Skelton (Tristan) verfügen beide über heroisches Stimmmaterial, wobei die Amerikanerin bisweilen etwas angestrengt klang, was auf die Intonation drückte. Souverän stemmte der hünenhafte Australier seine Partie, wobei er in den weitgestreckten Partien der Liebes- und Todessehnsucht sein heldisch gefärbtes Organ auf einen deutschen Belcanto abstimmte.

Stimmschön und ausdrucksstark die Ermahnungen der Brangäne (die Mezzosopranistin Claudia Mahnke) von einem der Ränge herab. Die herausragende Leistung aber bot der Bariton Matthias Goerne, der, vom Liedgesang herkommend, den langen Monolog König Markes mit seinem mächtigen, schwarz­gefärbten Organ ganz aus dem Sprachsinn heraus gestaltete. Nützlich war die deutsche Übertitelung – auch wenn die Musik eigentlich alles ausdrückte im vom englischen Dirigenten bald angefeuerten und bis zur Raserei gesteigerten, bald zu ruhigem Strömen ausgebreiteten Prachtsorchester.

Das Royal Concertgebouw Orchestra spielt unter der Leitung von Tugan Sokhiev und mit Tabea Zimmermann als Solistin das Bartók-Konzert für Viola. (Bild: Priska Ketterer/Lucerne Festival)

Das Royal Concertgebouw Orchestra spielt unter der Leitung von Tugan Sokhiev und mit Tabea Zimmermann als Solistin das Bartók-Konzert für Viola. (Bild: Priska Ketterer/Lucerne Festival)

Ein russisch geprägter Auftritt

Schon bei den Haydn-Variationen von Johannes Brahms hatte sich am Vortag gezeigt, dass das hohe Niveau des regelmässig in Luzern gastierenden Weltklasseorchesters in keiner Weise nachgelassen hat. Tugan Sokhiev, seit 2014 Chef des Moskauer Bolschoi-Theaters, hat schon verschiedene Orchester im Westen geleitet.

Der 42-jährige Russe dirigiert ohne Taktstock. Mit suggestiver Gestik lädt er das Orchester beschwörend ein, statt es einem strengen Diktat zu unterwerfen. Grossartig kam dies in der abschliessenden ersten Sinfonie «Winterträume» von Peter Tschaikowsky zum Ausdruck, die Sokhiev im Finalsatz zu triumphaler Grösse steigerte. Er drang tief in die verborgenen melodischen Reichtümer ein.

Tabea Zimmermann mit eigener Bartók-Version

Zu einem durchschlagenden Erfolg verhalf die deutsche Bratschistin Tabea Zimmermann dem Konzert für Viola und Orchester von Béla Bartók. Das ist nicht selbstverständlich, denn das Konzert, das der Komponist im Todesjahr 1945 nicht mehr vollenden konnte, existierte bisher nur in der Spielfassung, die der ungarische Bratschist Tibor Serly aus den hinterlassenen Skizzen hergestellt hat, die aber bald als zu Bartók-fern galt.

Tabea Zimmermann stellte in jahrzehntelanger Arbeit eine eigene Fassung her, die der bisherigen zweifellos vorzuziehen ist. Rein hörmässig war zu erkennen, dass sie der Bratschistin ­sozusagen zur zweiten Haut ­geworden ist. Sie tummelte sich darin mit der grösstmöglichen Freiheit, vom rhapsodischen Charakter ausgiebig Gebrauch machend. Man konnte alle die charakteristischen Züge erleben, die man von Bartók kennt: eigenartige Harmonik, andachtsvolle Ruhe und ungestümen tänzerischen Wirbel im folkloristisch gefärbten Finalsatz.

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