Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Operette Sirnach: Der neue Dirigent über seine Feuertaufe

Andreas Signer ist Hauptdirigent der Sirnacher Operette «Ball im Savoy». Für den Thurgauer Musiker ist dieses Engagement eine grosse Chance – und eine Herausforderung: Hinter der luftigen, tänzerisch leichten Musik steckt intensive Arbeit.
Martin Preisser
Andreas Signer ist ein guter Tänzer. Das hilft ihm beim Dirigieren. (Bild: Urs Bucher)

Andreas Signer ist ein guter Tänzer. Das hilft ihm beim Dirigieren. (Bild: Urs Bucher)

«Kompaktes Dirigat», einen Zettel mit diesen Worten hat Andreas Signer bei jeder Aufführung auf dem Dirigierpult liegen. Die Spannung halten, ganz präsent sein, das garantiere den Fluss bei einer dreistündigen Operette. Der 41-jährige Musiker aus dem thurgauischen Wuppenau, der in der Freizeit gerne Velo fährt und schwimmt, erinnert sich an einen Meisterkurs mit dem Dirigenten Bernhard Haitink. «Es war der feine, genau dosierte Umgang mit Energie, der mich bei diesem Maestro begeisterte.»

Mit dreissig hat er nach dem Diplom in Posaune in Zürich noch Orchesterdirigieren bei Marc Kissoczy studiert. Heute dirigiert er die Stadtharmonie Wil und in Rossrüti einen kleinen Damenchor. Operette zu dirigieren sei das Schwierigste, habe ihm der Hochschullehrer immer gesagt. «Operette wird oft belächelt. Aber sie ist genauso anspruchsvoll wie Oper», sagt Signer. «Gerade was als leicht und fröhlich, als luftige Atmosphäre erlebt werden will, ist das Herausfordernde.»

«Man muss mit einem Lächeln nach Hause gehen»

Er hat in Sirnach viermal als Posaunist im Orchester mitgespielt, kennt die Ansprüche daher auch aus der Sicht der Musiker. 2016 war er Assistent von Martin Baur, der in dreissig Jahren Sirnach elf Operetten musikalisch verantwortete. Zweimal durfte Signer eine Vorstellung dirigieren. «Es war gut zu wissen, wie er arbeitet, bevor ich jetzt mit dem ‹Ball im Savoy› in seine Fussstapfen treten durfte.» Nach einem gelungenen Operettenabend müsse man mit einem Lächeln nach Hause gehen. Das zu erreichen, sei eine Herausforderung, die der Zuschauer nicht wahrnehme, ja nicht wahrnehmen dürfe.

«Im Gegensatz zu einer Sinfonie muss ich bei der Operette aber auch nicht jeden Ton auf die Goldwaage legen», sagt Andreas Signer. Die Premiere des «Ball im Savoy» im Januar ist ihm überzeugend gelungen. «Die Nächte vorher habe ich wenig geschlafen, ich stand unter Strom.» Doch der gute Kontakt zu den Solisten, die beflügelnde Arbeitsatmosphäre in den Proben habe ihm Zuversicht gegeben. «Während der Premiere selbst hatte ich gar keine Zeit zu spüren, wie ich mich fühle. Man steht unter Dauerspannung. Erst nach dem Schlussapplaus kommen Emotionen hoch: Ich habe meine erste Operette geschafft.»

Eine tänzerische Weltreise

Zum Gespräch hat Andreas Signer, der an zwei Musikschulen in der Region Posaune unterrichtet, die Partitur von Paul Abrahams Musik mitgebracht. Der «Ball im Savoy» ist stark vom Tänzerischen geprägt. Die Bewegung dominiert das Stück und gibt ihm Leichtigkeit und Farbigkeit. «Wir erleben hier eine tänzerische Weltreise», sagt er. «Jede Nummer verlangt eine ­andere Präsenz. Vom türkischen Foxtrott, von Tänzen aus Venedig und Spanien bis zu Slow Fox und Tango gibt es alles.» Das mache diese Operette so farbig, spritzig, kurzweilig, aber auch anspruchsvoll. Signer ist selbst ein guter Tänzer und hat die Operetten-Tempi auch aus dieser Erfahrung erspürt und festgelegt.

Mit Regisseur Leopold Huber hat sich «Neuling» Andreas Signer gut gefunden. «Ich halte den ‹Ball im Savoy› für seine bisher beste Arbeit in Sirnach. Er kann den Schwung aufrechterhalten, nichts bleibt statisch. Mich begeistert, wie er Spannungsbögen aufbaut und hält.» Bei so viel Regie-Temperament habe er dann aber doch die eine oder andere «Verschnaufpause» fürs Orchester, in der es sich auch mal ruhiger ausleben durfte, aushandeln müssen, erzählt Andreas Signer.

Die Operette Sirnach finanziert das Studium mit

Er singt und spricht viel mit, während er dirigiert. «In der Operette folgt der Sänger dem Dirigent, umgekehrt als in der Oper. Wenn ich mitspreche, kann ich Energie aufbauen und komme unmittelbar in die Emotion der Solisten hinein. Und speziell dem Chor gebe ich dadurch zusätzliche Sicherheit.» Der Orchesterleiter studiert gegenwärtig in Zürich noch Chorleitung, auch als Rüstzeug für Produktionen wie in Sirnach. Die Operette Sirnach beteiligt sich an den Ausbildungskosten. Signer hofft natürlich, in drei Jahren wieder engagiert zu werden. «Die Rückmeldungen auf meine Feuertaufe waren jedenfalls durchweg positiv», freut er sich.

«Ball im Savoy», bis 6. April, Dreitannensaal, Sirnach;
operette-sirnach.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.