Oliver Pocher: Die Wahrheit?

Eine bunte Lichtshow und Discomusik wie beim Ballermann. Der laute Auftakt zu Oliver Pochers Auftritt am Samstag in der Tonhalle war auch eine Ansage: Comedy als Party? Das war dann tatsächlich das Niveau der nächsten zwei Stunden.

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TONHALLE, ST. GALLEN: Comedian Oliver Pocher in der Tonhalle St. Gallen. [22 March 2013] (Bild: Benjamin Manser)

TONHALLE, ST. GALLEN: Comedian Oliver Pocher in der Tonhalle St. Gallen. [22 March 2013] (Bild: Benjamin Manser)

Eine bunte Lichtshow und Discomusik wie beim Ballermann. Der laute Auftakt zu Oliver Pochers Auftritt am Samstag in der Tonhalle war auch eine Ansage: Comedy als Party? Das war dann tatsächlich das Niveau der nächsten zwei Stunden. Und das soll «die Wahrheit und nichts als die Wahrheit» sein, will man dem Titel der Show glauben. Der auch hierzulande beliebte 35jährige Komiker und Fernsehmoderator aus Hannover lehnte sich weit aus dem Fenster: «Hallo St. Gallen! Hier riecht es noch nach Scheisse!», lispelte er ins Mikrophon. Und die ausverkaufte Halle lachte schallend. Die Romanshorner Showgruppe Impress, die Pocher bei seinem Erscheinen auf der Bühne umtanzte, kam auch gleich unter seine Fittiche. Son-Li aus Vietnam stellte sich vor. «Aha. Vietnam. Meine Schuhe hier, meine Trainerjacke… Kannst du mein iPhone reparieren?», wurde er gefragt. Der junge Thurgauer gab sich schlagfertig. Weniger hart im Zurückgeben waren einzelne im Publikum, mit denen der Komiker in den Dialog trat. Vor allem mit solchen in der ersten Reihe. Sie stellten sich vor als Mazedonier, Griechen, Albaner, Serben – und mussten Schenkelklopfer-Witze ertragen. «Die Kriminalität sitzt in der ersten Reihe.» Oder: «Oh, meine Wertsachen...» Das waren die harmloseren. Man kann sich fragen: Darf man das, nur weil man's auf die Bühne geschafft hat? Von der Galerie aus war zu sehen, dass Pocher zu seinen Füssen eine Setlist liegen hatte – leider auf Distanz nicht genau lesbar. Wahrscheinlich notierte er darauf aber die Hauptbestandteile seiner Show: «Sex, Frauen, Fussball, Autos, Alkohol, Ausländer.» Die Witze über den Bio-Kaufzwang von frischgebackenen Eltern (Pocher ist selber Vater dreier Kinder) waren noch die gehaltvollsten, gleichzeitig aber auch die, bei denen das Publikum nicht schier Tränen lachte. Zweifelsohne: Pocher ist smart, und seine Stammtisch-Pointen kommen Schlag auf Schlag, sogar, wenn er in ungeplante Situationen kommt. Leider hat diese Art Witz letztlich die Qualität billiger Instant-Suppe, die zwar vielen mundet, schnell aber auch verleiden kann. Marco Kamber

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