Ohren auf – von Appenzell bis Russland

Das Sinfonieorchester St. Gallen setzt in der Saison 2015/16 bewährte Konzertreihen mit einem stilistisch vielseitigen Programm und Stars wie Sol Gabetta fort und erweitert die Musikvermittlung – auch für Erwachsene. Neben zahlreichen Werken aus Russland ist eine Uraufführung von Paul Giger geplant.

Bettina Kugler
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Das St. Galler Sinfonieorchester geht neue Hörwege – mit Erfolg. (Bild: Michel Canonica)

Das St. Galler Sinfonieorchester geht neue Hörwege – mit Erfolg. (Bild: Michel Canonica)

Nicht mehr unübersichtlich chronologisch präsentiert sich das neue Programm des Sinfonieorchesters, gedruckt in frischem Grün «wie die Hoffnung», so Konzertdirektor Florian Scheiber an der gestrigen Medienorientierung. Sondern sortiert nach Gruppen, als Familien: Hier die grossen Tonhallekonzerte und der Meisterzyklus, dort die kleineren Extras: die Lunchkonzerte, «Sonntags um 5», der «Nachtzug» und das Kinder- und Jugendprogramm «jugend@tonhalle». Weil es seit Jahren wertvolle Vermittlungsarbeit leistet und gut ankommt, sind hier sieben Konzerte geplant; neben den Klassikern «Peter und der Wolf» und Brittens «Orchesterführer» ein Abstecher ins Mittelalter: «Notkers schlechtes Gedächtnis» in der Stiftsbibliothek mit Arianna Savall, der «Nussknacker», erzählt von Hans-Rudolf Spühler, sowie ein über mehrere Monate angelegtes Kompositionsprojekt an St. Galler Schulen: das «K-Projekt».

Populäres und Unerhörtes

Überraschendes und Populäres verspricht das Programm auch in den übrigen Reihen – seien es Lieder der US-Songpoetin Joni Mitchell in ungewöhnlicher Instrumentalbesetzung, sei es Schuberts «Winterreise» in der von Tenor Daniel Behle neu arrangierten Version mit Streichtrio im Meisterzyklus, seien es «Legendäre Filmhits» oder ein moderiertes, interaktives Konzert mit Neuer Musik unter dem Motto «Ohren auf!».

Den hohen Publikumszuspruch mit einer durchschnittlichen Auslastung von 85 Prozent führt Scheiber nicht zuletzt auf die inhaltliche Öffnung und Vielfalt zurück – sowie auf ansprechende Formate, wie etwa die «Hörwege» im Anschluss an einen Teil der Tonhallekonzerte. Oder die beliebten «Events»: das Klassik-Open-Air, Weihnachts- und Neujahrskonzert und das Festspielkonzert im Dom. Passendes zum Schwerpunkt «Russland» im Theater gibt es auch in der Tonhalle: mit der 9. Sinfonie von Schostakowitsch, Tschaikowskys «Nussknacker» und 1. Klavierkonzert oder Strawinskys «Petruschka» unter Leitung von Chefdirigent Otto Tausk.

«Rauhnächte» von Paul Giger

Mit der Uraufführung der «Zwölf Rauhnächte» des Appenzeller Violinisten und Komponisten Paul Giger im Rahmen der «œuvres suisses» setzt das Orchester sein Engagement für Zeitgenössisches aus der Schweiz fort. Und garniert die Saison mit illustren Gästen: etwa der Cellistin Sol Gabetta, dem Belcea Quartett, dem Harfenisten Xavier de Maistre oder der Pianistin Ewa Kupiec.

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